powered by Motorsport.com

Rot in Sicht: Red Bull möchte an Ferrari vorbei aufs Podium

Perspektive: Wohin führt die Reise von Red Bull in der Formel-1-Saison 2016? Horner & Ricciardo: Mit besserem Renault-Antrieb Ferrari angreifen

(Motorsport-Total.com) - Überraschend gut ist Red Bull in das Formel-1-Jahr 2016 gestartet. Zwar konnte Daniil Kwjat das Auftaktrennen in Australien gar nicht erst starten, dafür überzeugte Teamkollege und Lokalmatador Daniel Ricciardo mit einem guten vierten Platz. Red Bull hat somit die ersten zwölf Punkte geholt und eine gute Pace im Rennen gezeigt. Ricciardo fuhr am Ende sogar die schnellste Rennrunde.

Daniel Ricciardo

In Australien dritte Kraft: Red Bull holt sich mit Daniel Ricciardo die ersten Punkte ab Zoom

Die Leistung seines Teams hat auch Red-Bull-Teamboss Christian Horner "ermutigt". "Wenn man sich die Pace-Unterschiede auf den verschiedenen Reifenmischungen anschaut, dann sah das ziemlich konkurrenzfähig aus. Wir waren mit Sicherheit das drittschnellste Auto und waren nicht weit weg von der Ferrari-Pace", erläutert der Brite.

Ein Blick auf die Daten von Pirelli bestätigt die Einschätzung von Horner. Auf dem Soft-Reifen war Ricciardos schnellste Runde im Rennen besser als jene von Sieger Nico Rosberg. Auf dem Supersoft markierte er mit 1:28.997 die schnellste Zeit am Sonntag. "Das waren die positiven Dinge aus unserer Sicht. Unser Plan ist, das ganze Jahr über Fortschritte zu machen. Ferrari ist nicht weit weg. Wenn wir unseren Kopf unten behalten und Gas geben, dann ist es nicht abwegig, dass wir sie angreifen können", ist sich Horner sicher.

Im Vorjahr hatten die Bullen Mühe, überhaupt mit Williams mitzuhalten, die in der Teamwertung hinter Ferrari noch Dritter wurden, und so die Ex-Weltmeister nur auf den vierten Platz verwiesen. Am Sonntag war man mit dem Mercedes-Kundenteam bereits auf Augenhöhe. Ricciardo konnte Felipe Massa mehrere Male auf der Strecke überholen und sich so den Platz vor dem Brasilianer sichern. Dieser gab nach dem Rennen an, dass vor allem das bessere Reifenmanagement von Red Bull den Unterschied ausgemacht hat.

Dass man mit den Pirelli-Pneus gut umgehen konnte in Melbourne, bestätigt auch der Sonnyboy selbst: "Unser Reifenmanagement war gut, wir scheinen da einen Bonus zu haben. Wir konnten einen guten Rhythmus halten und hatten eine gute Pace. Wir haben einige schnellere Autos überholt heute - Williams, Toro Rosso, Force India", meint Ricciardo nach dem Rennen.


Fotostrecke: GP Australien, Highlights 2016

"Vor zwölf Monaten hätten wir solche Manöver noch nicht zeigen können. Wir haben definitiv etwas in der Power-Unit gefunden und wissen, dass in ein paar Rennen ein guter Schritt kommen wird." Konkret spricht der Australier das Renault-Update an, das in Kanada zur Anwendung kommen soll. Danach rechnet man sich auch Chancen auf Podestplätze aus. Aber schon vorher wird man im vorderen Mittelfeld mitfahren können, so der 26-Jährige. "Wir können definitiv weitere Top-5-Plätze einfahren bis zum Update."

Red-Bull-Renntrimm gut, Qualifying ausbaufähig

Schon zum Saisonstart hat der französische Hersteller ein Update der Antriebseinheit an die Strecke gebracht. Ricciardo habe den Unterschied im Vergleich zu den Testfahrten bereits spüren können. "Aber das ist kein großer Schritt. Wenn du fünf oder zehn Extra-PS dazubekommst, dann spürst du das nicht wirklich, wenn du deinen Fuß runterdrückst. Aber am Ende der Gerade fühlt es sich besser an."

Horner ortet vor allem im Renntrimm eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Die größere Baustelle ist nach wie vor das Qualifying. "Wenn wir den nächsten Schritt gehen, dann werden wir uns in eine bessere Position bringen. Das Chassis funktioniert sehr gut, der Reifenabbau war gut, und wir waren konkurrenzfähig. Mit freier Fahrt auf gleichen Reifen ist Daniel die gleichen Zeiten wie Seb gefahren. Das sind ermutigende Dinge." Sein Resümee nach dem ersten Rennen der Saison: "Eine solide Performance."


Red Bull: Die Saison kann beginnen

Noch albern Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat herum, aber schon bald wird es mit ihrem neuen Boliden wieder ernst Weitere Formel-1-Videos

Trotzdem gibt es Gefahr von der Konkurrenz, sogar aus dem eigenen Haus. Mit dem Ferrari-betriebenen Toro Rosso stürmten Max Verstappen (Startplatz 5) und Carlos Sainz (P7) am Samstag im Qualifying an Daniel Ricciardo vorbei (P8). "Wir wussten, dass Toro Rosso in der ersten Saisonhälfte vor uns sein wird", erklärt Horner überraschend. Und das obwohl die Truppe aus Faenza mit einem Ferrari-Antrieb aus dem Vorjahr unterwegs ist, während Red Bull mit der neueren Renault-Version fährt.

Bahrain wird schwierige Aufgabe

Ricciardo reiht sich derzeit in den Vierkampf im vorderen Mittelfeld ein: "Der Abstand zur Spitze ist kleiner. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Abstand auch zu Mercedes kleiner. Alle sind enger zusammen, das ist es auch, was wir für den Sport wollen."


Fotos: Red Bull, Großer Preis von Australien


Er weiß auch, dass die überraschend gute Performance der Toro-Rosso-Rookies schon bald der Vergangenheit angehören könnte: "Die kleineren Teams, wie Force India oder Toro Rosso, können sich über die Saison hin nicht so gut weiterentwickeln. Das sollte uns helfen."

Beim nächsten Lauf in der Wüste von Bahrain wird es für die Bullen jedoch bereits schwieriger im Kampf um den Anschluss zu Ferrari: "In Bahrain liegt der Fokus etwas mehr auf dem Antrieb", weiß Horner, "das spielt uns nicht gerade in die Hände." Trotzdem sei man in Bahrain immer recht gut gefahren, eben nicht auf den Geraden sondern "in den anderen Bereichen der Strecke". Im Vorjahr holte Ricciardo einen sechsten Platz in Sachir, Kwjat wurde Neunter.