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Rennvorschau Spielberg: Mercedes fürchtet Ferrari

Welche Faktoren in Spielberg einen Mercedes-Sieg verhindern könnten und wieso dem Gastgeber auf dem Red-Bull-Ring trotz Schadensbegrenzung ein Debakel blüht

(Motorsport-Total.com) - Die saftigen Wiesen der Obersteiermark, ein tolles Rahmenprogramm und enorme Fanbegeisterung auf den Rängen - der Grand Prix von Österreich feierte im Vorjahr nach zehn Jahren Pause ein tolles Comeback. Alle im Fahrerlager waren vom Wochenende auf dem Red-Bull-Ring begeistert. Das Rennen endete mit einem erwarteten Mercedes-Doppelerfolg - Williams war allerdings das Salz in der Suppe und forderte die Silberpfeile heraus.

Nico Rosberg, Sebastian Vettel

Kann Ferrari in Spielberg zeigen, wie gut das Motorenupdate wirklich ist? Zoom

Dieses Jahr sind die Vorzeichen ähnlich: Alles andere als ein Mercedes-Triumph in Spielberg wäre eine Überraschung. Die Silberpfeile haben in dieser Saison sechs von sieben Rennen - nur in Sepang triumphierte Sebastian Vettel - gewonnen. Obwohl der Red-Bull-Ring mit seinen langen Geraden dem starken Mercedes-Motor entgegenkommt, hing der Vorjahreserfolg wegen Problemen mit dem Energierückgewinnungssystem an einem seidenen Faden.

2014: Mercedes in Hybrid-Problemen

"Es fehlen hier Kurven", erklärt Renault-Motorenchef Remi Taffin die Problematik in Spielberg. "Die Bremszonen reichen in einer Runde nicht aus, um die MGU-K wieder voll aufladen zu können." Die Batterie, die die Bremsenergie speichert, wird daher in kürzester Zeit geladen und wieder entladen, was bei Mercedes für Probleme sorgte.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

2014 hatte Mercedes in Spielberg Probleme mit dem Hybridantrieb Zoom

Ein derartiges Szenario sollte sich aber dieses Jahr nicht wiederholen: Im Vorjahr waren die V6-Turboantriebseinheiten neu, beim vorangegangenen Rennen in Kanada verlor man deswegen sogar einen vermeintlich sicheren Doppelerfolg - dieses Jahr hatte man die Situation in Montreal hingegen im Griff.

Als Herausforderung könnte sich allerdings das Ferrari-Team herausstellen. In Kanada erhielt die Ferrari-Antriebseinheit ein Update, das 13 PS brachte. Dass man Mercedes nicht gefährden konnte, hatte vor allem mit Sebastian Vettels schlechter Startposition (technische Probleme im Qualifying und Strafe) zu tun, der viermalige Weltmeister zeigte mit starken Rundenzeiten jedoch das Potenzial des überarbeiteten SF15-T.

Mercedes: Ferrari schlägt in Spielberg zurück

"Auf einer Strecke wie in Österreich, wo man einen hohen Vollgas-Anteil hat, hilft das Update natürlich", zeigt sich Vettel im Vorfeld des Rennens in Spielberg zuversichtlich. Und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff fürchtete in Kanada sogar, dass der Triumph bei seinem Heimrennen in Gefahr ist: "Meine Annahme ist - ohne es zu wissen - dass wir von Ferrari nicht alles gesehen haben. Wir sollten sie nicht unterschätzten. In Österreich schlagen sie zurück."

Pirelli bringt dieses Jahr wie im Vorjahr die weichsten Mischungen - also Soft und Supersoft - nach Spielberg. Das spricht auf den ersten Blick für die Scuderia, denn harte Reifen sind für den reifenschonenden Boliden Gift. Tatsache ist aber auch, dass die Streckencharakteristik des Red-Bull-Rings kaum andere Möglichkeiten zulässt: Die glatte Oberfläche bietet wenig Grip, in den acht großteils langsamen Kurven kommen die Reifen nur schwer auf Temperatur.

Wetter als Zünglein an der Waage

Für Experte Marc Surer ist das Wetter das Zünglein an der Waage: "Wenn es in Spielberg heiß wird, und das kann es werden, dann hat Ferrari eine Chance." Die Streckentemperatur wird auch darüber entscheiden, wie oft die Piloten zum Reifenwechsel an die Box kommen werden. "Sollte es warm sein, werden die meisten Teams wohl mit zwei Stopps planen, bei kühlen Temperaturen dürfte sich die Mehrheit dagegen für eine Einstoppstrategie entscheiden", prophezeit Pirellis Motorsportchef Paul Hembery.

Ein Blick auf die Wetterprognose spricht derzeit eher für niedrige Temperaturen: Die Quecksilbersäule dürfte in Spielberg von Freitag bis Sonntag die 20-Grad-Marke nicht überschreiten, auch die Sonne wird sich laut der Wetterexperten zurückhalten - mit Regen muss man allerdings rechnen. Optimales Mercedes-Wetter also.

Im Lager der Silberpfeile hat Hamilton seinen Teamkollegen Nico Rosberg nach zwei Siegen in Folge wieder in die Schranken gewiesen - man darf gespannt sein, ob sich der Vizeweltmeister in Österreich, wo er auch im Vorjahr siegte, ein weiteres Mal aufbäumen kann. Den Red-Bull-Ring als Rosberg-Strecke zu bezeichnen, wäre vermessen: 2014 litt Hamilton, der das Qualifying verpatzte und nur Neunter wurde, unter seiner schlechten Startposition - im Rennen setzte er seinen Teamkollegen unter Druck und wurde Zweiter. "Ich freue mich auf meine Rückkehr nach Österreich, und diesmal sollte ich dort doch endlich einen Sieg einfahren", schickt Hamilton eine Drohung an seine Rivalen.

Vorteile für Mercedes-Teams

Felipe Massa, Valtteri Bottas

Power-Vorteil: Im Vorjahr führten die Williams-Piloten zunächst das Rennen an Zoom

Welche Teams sollte man in Spielberg sonst noch auf der Rechnung haben? Williams erwies sich zumindest im Vorjahr als Mercedes-Herausforderer. "Österreich war im vergangenen Jahr ein großer Wendepunkt für uns", erinnert sich Chefingenieur Rob Smedley an 2014. "Dort haben wir einen großen Schritt nach vorn gemacht." Auch der starke Mercedes-Motor sollte dem Team helfen - wenn es aber wie erwartet kühl wird oder gar regnet, dann könnte das Valtteri Bottas und Massa schaden, denn der FW37 bringt die Reifen diese Saison nur schwer auf Temperatur.

Auch die beiden weiteren Mercedes-Teams Lotus und Force India sollte man in Österreich nicht unterschätzen - sie haben schon in Kanada aufgezeigt. Nico Hülkenberg kommt als frischgebackener Le-Mans-Sieger an den Red-Bull-Ring und könnte somit einen weiteren Erfolg erleben, auch wenn er sich noch bis Silverstone gedulden wird müssen, ehe er endlich in den Genuss der B-Version des Force India VJM08 kommt.

Red Bull verschiebt fünften Motorwechsel

Gastgeber Red Bull muss sich hingegen auf ein schwieriges Wochenende einstellen. Schon in Montreal erlitt man nach dem Zwischenhoch in Monaco einen Rückschlag und hatte Mühe, überhaupt in die Punkteränge zu kommen. Und für Spielberg malt Teamchef Christian Horner gegenüber 'auto motor und sport' ein dunkles Bild: "Unsere Simulation hat ergeben, dass uns der Motor am Red Bull-Ring noch mehr Zeit kosten wird als in Montreal." Schuld sind die steilen Bergauf-Geraden.


Fotostrecke: Triumphe & Tragödien in Österreich

Ursprünglich hatte man geplant, in Österreich bei beiden Red-Bull-Boliden die fünfte Antriebseinheit der Saison einzubauen und damit die erste Motorenstrafe hinzunehmen, um zumindest in Ungarn, wo man sich gute Chancen ausrechnet, nicht erneut tauschen zu müssen. Die Blamage, beim Heimspiel aus der letzten Startreihe losfahren zu müssen, wollte man sich dann aber offensichtlich doch ersparen.

"Nur Max wird mit dem fünften Motor fahren", bestätigt Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'Formula1.com', dass Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat noch einmal ungeschoren davonkommen werden - Toro-Rosso-Youngster Max Verstappen hat seine Grid-Strafe bereits in Kanada abgesessen, profitiert also in Spielberg von einer frischen Antriebseinheit.

McLaren: Neue Nase, alte Probleme?

Ähnlich schwierig wie für Red Bull ist die Ausgangssituation für McLaren-Honda. In Monaco holte Jenson Button für die vielgescholtene britisch-japanische Allianz die ersten Saisonpunkte, auf der Motorenstrecke Montreal folgte der Rückschlag. "Ihr lasst mich wie einen Amateur aussehen", klagte Fernando Alonso via Boxenfunk sein Leid, als er auf den Geraden durchgereicht wurde.

In Österreich blüht dem Spanier und dem Briten ein ähnliches Szenario, auch wenn sich der Bolide mit einem anderen Gesicht zeigen wird. Die neue kurze Nase des MP4-30 hat endlich den Crashtest bestanden und wird nun erstmals eingesetzt, wie das Team via 'Twitter' bestätigte.

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