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Rennvorschau Sepang: Schlägt Rekordsieger Vettel zurück?

Kann sich Sebastian Vettel im Titelkampf noch einmal aufbäumen? Was beim Sepang-Abschied für den Ferrari-Piloten spricht und wieso Hamilton doch Favorit ist

(Motorsport-Total.com) - Ist der Titelkampf für Sebastian Vettel nach dem bitteren Aus in Singapur gelaufen? Der Rückstand des Heppenheimers beträgt nach Lewis Hamiltons Sieg auf dem Stadtkurs, der eigentlich dem Ferrari lag, satte 28 WM-Punkte. Noch nie in dieser Saison war der Abstand zwischen den zwei Führenden so groß. Doch Vettel-Fans sollten den Kopf noch nicht in den Sand stecken: Noch immer sind 150 Punkte zu holen - und bereits das kommende Wochenende könnte einige überraschende Wendungen mit sich bringen.

Das weiß niemand besser als Hamilton selbst: Im Vorjahr war er völlig souverän auf dem Weg zum Sieg, als plötzlich seine Mercedes-Antriebseinheit platzte. "Eine gute Zuverlässigkeit wird für uns entscheidend sein", weiß Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der die Bilder des Vorjahres auch noch vor sich hat. Er rechnet damit, dass der F1 W08 auf dem Sepang International Circuit eine gute Figur machen sollte: "In den vergangenen Jahren fiel unsere Bilanz durchwachsen aus, aber die grundsätzliche Charakteristik der Strecke mit ihren flüssigen Kurven und langen Geraden sollte bedeuten, dass der Kurs unserem Auto gut liegt."

Ein Blick in die Vergangenheit beweist tatsächlich, dass die Silberpfeile auf der Power-Strecke nur selten ihre Möglichkeiten genutzt haben: Während Hamilton dort bislang überhaupt nur 2014 siegte, hat sein Rivale Vettel beim Tropenrennen bereits ganze vier Triumphe zu Buche stehen. Kein anderer Pilot siegte in Sepang so oft.

Hitzeschlacht als Ferrari-Chance?

Da Vettel im Vorjahr nach der Startkollision mit Nico Rosberg ausschied, wird er sich besonders gerne an 2015 zurückerinnern: Damals besiegte er Hamilton sensationell und feierte seinen ersten Ferrari-Triumph. Der damalige Trumpf: Während Mercedes durch die hohen Temperaturen Reifenprobleme bekam, machte sich die reifenschonende Charakteristik des Ferrari bezahlt.

Sebastian Vettel

Guter Boden: Vettel holte 2015 in Sepang seinen ersten Ferrari-Triumph Zoom

Eine Eigenschaft, über die auch der aktuelle SF70H verfügt. Und bereits in Singapur zeigte sich, dass Mercedes mit den hohen Temperaturen nach wie vor Probleme bekommt. Im Qualifying kamen Hamilton und Teamkollege Valtteri Bottas überhaupt nur in die dritte Startreihe und hatten Probleme mit der Balance. Die gute Form am Sonntag war auch damit zu erklären, dass die Temperaturen niedriger waren.

Da es sich beim Sepang-Grand-Prix nicht um ein Nachtrennen handelt, ist mit einer Hitzeschlacht zu rechnen: Im Vorjahr wurde mit 59 Grad Asphalttemperatur sogar ein Saison-Rekordwert erzielt. Dass Mercedes dies eher fürchtet als Ferrari, zeigt sich auch in den Reifennominierungen: Vettel und Teamkollege Kimi Räikkönen haben gleich neun Sätze der weichsten Mischung Supersoft nominiert, während es bei Hamilton und Bottas nur sieben Sätze sind. Die Soft-Mischung erfreut sich dafür beim Briten mit fünf Sätzen größerer Beliebtheit - bei den Ferrari-Piloten sind es nur drei Sätze.

Regen als Dauerbegleiter: Hat Ferrari aus Monza gelernt?

Dass sich Pirelli für die weichsten Mischungen in der Geschichte des Rennens entschieden hat, liegt am seit dem Vorjahr benutzten neuen, glatteren Asphalt. "Infolgedessen müssen die bisherigen Strategie-Entwürfe angepasst werden, was das Freie Training besonders wichtig macht", erklärt Pirelli-Manager Mario Isola. Im Vorjahr waren zwei Stopps die optimale Strategie. Das könnte sich dieses Jahr wiederholen.

Der Wetterbericht deutet aber an, dass all das möglicherweise keine allzugroße Rolle spielen wird: An allen drei Tages des Rennwochenendes sind die gefürchteten Regenschauer zu erwarten, die urplötzlich über dem Kurs niedergehen können. Und wer schon mal in Sepang war, der weiß: Wenn es dort regnet, dann ordentlich.

Lewis Hamilton

Regengefahr: In Monza war Hamilton bei Nässe dem Ferrari deutlich überlegen Zoom

Die Wahrscheinlichkeit bewegt sich an allen Tagen im Bereich von 80 Prozent. Das dürfte grundsätzlich eher den Silberpfeilen in die Hände spielen, denn schon beim Monza-Qualifying hat sich gezeigt, dass der Mercedes bei Regen deutlich besser zurecht kommt als der Ferrari. Eine Tatsache, die bei Experten allerdings für Verwunderung sorgt, denn der SF70H von Vettel baut generell mehr Abtrieb auf als der F1 W08, was bei Regen normalerweise ein Vorteil ist. Sollte es regnen, wird man sehen, ob die Scuderia die Probleme auf feuchter Piste in den Griff bekommen hat.

Zuverlässigkeit: Vettel und Hamilton am Limit

Aber auch wenn die Renn- oder Trainingsaction von plötzlichen Gewittern verschont bleibt, könnte die Wetterlage einen Vorteil für Hamilton bringen. Denn selbst wenn der Regen den Reifenabrieb bloß in der Nacht vom Asphalt schwemmt, sorgt das für Mercedes-Verhältnisse: Kaum ein Auto funktioniert auf einer "grünen" Strecke ohne Gummischicht so gut wie der Silberpfeil.

Ob eventuelle Gridstrafen wegen des Austauschs von Elementen der Antriebseinheit zu erwarten sind? Nicht bei den zwei Topteams! Läuft alles nach Plan, dann kommen die Ferrari- und Mercedes-Piloten in Sepang ungeschoren davon. Bei Mercedes kommt nun wieder der Verbrennungsmotor zum Einsatz, der in Belgien seine Premiere feierte und in Monza im Auto war. In Singapur, wo Leistung eine untergeordnete Rolle spielte, hatte man den älteren Motor eingebaut. Da es sich beim Spa-Motor bereits um den vierten Verbrennungsmotor handelt, der diese Saison in den Motorenpool geholt wurde, und noch sechs Rennen ausstehen, könnte Hamilton im Finale noch eine Strafe drohen.


Fotostrecke: Prognose: Wer ist im Titelkampf im Vorteil?

Ferrari ist diesbezüglich besser aufgestellt: Vettel und Räikkönen haben erst drei Verbrennungsmotoren benutzt, wodurch man bei den verbleibenden Rennen sogar noch ein Update durchführen kann. Und man sollte es so durch die Saison schaffen. Dafür sind Vettel und Räikkönen bei den Turboladern seit Beginn der Europa-Saison am Limit und hantelt sich mit Bauchweh von Rennen zu Rennen.

Red Bull: Doppelerfolg wird schwierig zu wiederholen

Kann sich Red Bull in Malaysia in den Kampf an der Spitze einmischen? Die Tatsache, dass es sich beim Sepang International Circuit mit seinen langen Geraden um eine Vollgasstrecke handelt, spricht eher dagegen. Andererseits ist es der Truppe auch in Monza gelungen, auf Ferrari-Niveau zu fahren. Man sollte Daniel Ricciardo und Max Verstappen, die im Vorjahr dank Hamiltons Pech einen Doppelerfolg feierten, nicht komplett abschreiben.

Im Kampf um den Triumph im Verfolgerfeld darf sich Force India dank seines Mercedes-Antriebs gute Chancen ausrechnen. Williams ist vor allem wegen der schlechten Qualifying-Ergebnisse in dieser Saison eine Unbekannte, während man Renault und Nico Hülkenberg auf der Rechnung haben muss.

Renault vielversprechend, Gasly vor Formel-1-Premiere

Pierre Gasly

Pierre Gasly feiert in Malaysia bei Toro Rosso seine Formel-1-Premiere Zoom

"Wir haben eine schlankere Heckverkleidung vorbereitet", bestätigt Technikchef Nick Chester, dass die französische Werkstruppe nach wie vor neue Teile zu den Rennen bringt. Und Betriebsleiter Alan Permane wirft ein: "In Malaysia sollten wir komfortabler vor unseren Verfolgern liegen als in Singapur." Der Grund: Der Renault hat seit dem Unterboden-Update in Silverstone deutlich an Abtrieb zugelegt - und in den langgezogenen Kurven in Malaysia sollte sich das bezahlt machen. Um das Saisonziel Platz fünf zu erreichen, müsste man 17 Punkte auf Williams aufholen - absolut kein Ding der Unmöglichkeit.

Die Bemühungen, dass Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz bereits dieses Wochenende den glücklosen Renault-Piloten Jolyon Palmer ersetzt, waren zwar nicht erfolgreich, dafür gibt im kleinen Red-Bull-Team der französische Ex-GP2-Champion Pierre Gasly anstelle von Daniil Kwjat sein Formel-1-Debüt. Er hat mit Sainz eine ordentliche Messlatte. Man darf gespannt sein, ob sich der Red-Bull-Schützling für ein Cockpit für die kommende Saison empfehlen kann.

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