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  • 25.07.2016 · 11:44

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Red Bull räumt ein: Mercedes ist enteilt, aber 2017 fällig

Teamchef Horner erklärt Platz zwei und das Duell mit Ferrari zum Saisonziel - Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf Renault und dem wiedererstarkten Ricciardo

(Motorsport-Total.com) - Red Bull hat den zweiten Rang in der Konstrukteurs-WM zum Saisonziel für 2016 erklärt, nachdem das Team beim Ungarn-Grand-Prix am Sonntag schneller als Ferrari, Mercedes aber klar unterlegen war. Die oft beschworene Attacke auf die Silberpfeile verschieben die Österreicher auf die nächste Saison, wenn Renault in Sachen Antrieb nachlegt. Christian Horner bezeichnet den Fortschritt aber als zufriedenstellend: "Das Glas ist halbvoll", sagt er auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'.

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo ist nach Budapest wieder zurück auf dem aufsteigenden Ast Zoom

Zahlen geben dem Teamchef recht. Ferrari hat nur einen Punkt Vorsprung in der Teamwertung, die Privatteams wie Force India oder Williams tanzen Red Bull längst nicht mehr auf der Nase herum. "Und wir haben sie klar geschlagen", ergänzt Horner mit Blick auf die Scuderia und das Rennen von Budapest. "Für die zweite Saisonhälfte ist alles offen. Vor der Saison dachten wir noch, dass wir uns glücklich schätzen können, wenn wir unter den Top 5 sind." Das ist Schnee von gestern.

Aber Mercedes anzugreifen scheint nach der souveränen Vorstellung Lewis Hamiltons und Nico Rosbergs auf einer Strecke, die dem W07 so gar nicht hätte schmecken sollen, utopisch. "Sie sind im Spaziergang unterwegs gewesen und konservativ gefahren", räumt Horner ein, dass der Abstand in Ungarn noch gnädig harmlos ausfiel. Daniel Ricciardo stimmt zu: "Am Anfang des zweiten Stints sahen wir auf Soft gut aus, aber dann schien Mercedes schneller und schneller zu werden."

Renault verspricht für 2017 "gleiche Power wie Mercedes"

Denn Silber hat es im Griff, die Reifen pfleglich zu behandeln, aber auch zu nutzen, wenn sie ihren Powervorteil nicht ausspielen können. Damit ist Red Bull abgehängt und hat nur noch Ferrari nach der Sommerpause im Visier. "Wir haben uns nicht mit Rang zwei abgefunden, weil wir ihn noch gar nicht belegen", formuliert Horner die Kapitulation höflich. Einzige Chance, 2016 aus eigener Kraft zu gewinnen, ist wohl Singapur. "Wir werden trotzdem bis Abu Dhabi attackieren", verspricht Horner. Die Parallelentwicklung mit Schwerpunkt Regelnovelle 2017 ist in vollem Gange.


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Helmut Marko sagt der 'Bild'-Zeitung bereits: "Ich rechne damit, dass wir nächstes Jahr Mercedes angreifen können und wieder an der Spitze mitfahren." Entscheidend sei, dass Renault einen völlig neuen Antrieb in petto hätte, der die gleiche Leistung wie der aus Brixworth haben werde. "Da unser Chassis normalerweise das beste in der Formel 1 ist, sind wir gut aufgestellt", folgert der Motorsport-Berater. Auch Horner setzt auf die Franzosen, die erst bei Fahrbarkeit und Sprit, dann bei der Power nachlegen: "Renault hat etwas in der Pipeline, aber wir haben noch 35 PS weniger."

Red Bull hofft außerdem, neben Shootingstar Max Verstappen wieder auf Daniel Ricciardo zählen zu dürfen. "Dass er zum zweiten Mal auf dem Podium stand, wird seinem Selbstvertrauen gutgetan haben", kommentiert Horner den dritten Rang des Australiers auf dem Hungaroring. Ricciardo hat neues Selbstvertrauen geschöpft: "Meine Qualifyings waren immer stark, aber in den Rennen - ob es nun an Pech, den Umständen oder einfach an mangelndem Tempo lag."