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Red Bull: Österreichischer Fahrer derzeit kein Thema

Warum sitzt eigentlich kein Österreicher im Red Bull? Helmut Marko schließt das nicht aus, sieht aber (außer vielleicht Gerhard Bergers Neffen) kein "Rohmaterial"...

(Motorsport-Total.com) - Seit Christian Klien am 14. November 2010 in Abu Dhabi aus dem HRT gestiegen ist, hat kein Österreicher mehr ein Formel-1-Rennen bestritten. Derzeit ist auch weit und breit kein Nachwuchstalent aus der Alpenrepublik in Sicht, das in die Fußstapfen der Grand-Prix-Sieger Jochen Rindt, Niki Lauda und Gerhard Berger treten könnte.

Christian Klien

Christian Klien war im Jahr 2010 der bisher letzte Österreicher in der Formel 1 Zoom

Dabei hat just seit Kliens letztem Rennen in Abu Dhabi 2010 mit Red Bull ein Team alle WM-Titel gewonnen, das mit österreichischer Lizenz an den Start geht. Zugegeben, abgesehen von der Lizenz und Entscheidungsträgern wie Helmut Marko oder Franz Tost ist am Formel-1-Projekt des Energydrink-Herstellers sehr wenig österreichisch, aber das würde ja schon reichen, um "Oberbulle" Dietrich Mateschitz die Motivation zu unterstellen, einen "Jungbullen" aus der Heimat in eines seiner Cockpits zu setzen.

Doch so ein Schritt ist momentan nicht absehbar: "Unser Anspruch ist, einen siegfähigen Grand-Prix-Fahrer zu finden", erklärt Red-Bull-Motorsportkonsulent Marko im Interview mit der 'APA'. "Wenn wir nicht das Rohmaterial haben, können wir daraus auch nichts formen. Einen Österreicher in die Formel 1 zu bringen, wäre überhaupt kein Problem. Es bringt uns aber nichts, wenn er hinten fährt. Da sehe ich momentan nichts Konkretes."

Red Bull: Eher Global als Austrian Player

Red Bull hat sich bei all seinen Sport-Engagements schon immer als Global Player verstanden, der zwar einen österreichischen Weg keineswegs ausschließt, diesen aber auch nicht unbedingt als Ziel verfolgt. Denn in Österreich (knapp 8,5 Millionen Einwohner) kann man weit weniger Dosen verkaufen als etwa in Deutschland (82 Millionen), Australien (23 Millionen), Frankreich (65 Millionen) oder gar in Russland (144 Millionen).

Hinzu kommt, dass österreichische Nachwuchstalente im Formelsport nicht gerade wie Pilze aus dem Waldboden sprießen. Am nächsten an der Königsklasse dran war wohl in den Jahren 2006/07 Andreas Zuber, der sogar zwei GP2-Rennen gewinnen konnte. Doch als seine GP2-Karriere 2009 zu Ende ging, konnte er nichts Besseres vorweisen als einen neunten Gesamtrang, und der reichte nicht aus, um es zu mehr als zwei Testtagen für Honda beziehungsweise Super Aguri zu bringen.


Diskussion 2012: Der nächste Österreicher in der Formel 1

Auch Phillip Eng durfte im Dezember 2008 als Formel-BMW-Weltfinal-Sieger 2007 einen Formel-1-Boliden testen, schaffte aber den allerletzten Schritt nicht mehr, ebenso wenig wie Bernhard Auinger, Mirko Bortolotti, Walter Grubmüller, Norbert Siedler & Co. Und auch der aktuellen österreichischen GP2-Hoffnung Rene Binder (Neunter und Achter beim Saisonauftakt in Bahrain) läuft nach einer durchwachsenen Debütsaison im Formel-1-Unterbau bald die Zeit davon.

Berger-Neffe momentan am nächsten dran?

So gilt für viele Experten Lucas Auer als momentan heißester Anwärter auf eine Formel-1-Zukunft. "Bei ihm muss man schauen, wie seine Saison läuft", sagt Marko. "Bei den Tests ist er nicht ganz vorne, aber vielleicht blufft er auch nur." Der 19-jährige Neffe von Mateschitz-Freund Gerhard Berger hat 2013 sein erstes Rennen in der Formel-3-Europameisterschaft gewonnen und fährt dort 2014 für das Mücke-Team, in dem einst ein gewisser Sebastian Vettel groß geworden ist.

Lucas Auer

Berger-Neffe Lucas Auer geht auch dieses Jahr in der Formel-3-EM an den Start Zoom

Auer könnte für Red Bull ein Thema werden. "Sie sehen ja, wie ich über die Details informiert bin", meint Marko, schränkt aber im gleichen Atemzug ein: "Wir beobachten weltweit. Nur einen Österreicher zu haben, der nicht siegfähig ist, bringt nichts. Leute wie unser Russe sind eine Augenweide. Und was war bei Ricciardo? Auch der hat viele Kritiker gehabt, die Fans haben Räikkönen gefordert. Aber Gott sei Dank gibt es bei Red Bull Leute, die Visionen und Mut haben."

Wegen der Akzeptanz in der Heimat hat es Red Bull ohnehin längst nicht mehr nötig, krampfhaft einen Landsmann ins Cockpit zu setzen: "Da ist schon eine sehr breite Akzeptanz, auf jeden Fall. Das war nicht immer so. Das hat sich in den vergangenen Jahren sukzessive gesteigert", unterstreicht Marko. Offenbar scheint es seinen Landsleuten zu reichen, ihre Hymne regelmäßig für den siegreichen Konstrukteur zu hören...