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  • 19.07.2001 · 16:10

  • von Fabian Hust

Rätselhafte McLaren-Fahrerverträge - 2002 zwei Testfahrer

Die Fahrer, die McLaren-Mercedes derzeit unter Vertrag hat, kann man nicht mehr an einer Hand abzählen

(Motorsport-Total.com) - Wenn ein Teamchef in der Formel 1 derzeit auf Fahrersuche geht, so wird er häufig auch mit McLaren-Teamchef Ron Dennis sprechen müssen. Denn der Brite hat als Teil seines Zukunftsprogramms einige Fahrer unter Vertrag und muss somit sein OK geben, wenn einer seiner Fahrer bei einem anderen Team unterschreiben möchte.

David Coulthard und Ron Dennis

David Coulthard und Teamchef Ron Dennis im Krisengespräch

Das unter dem Begriff "Talentsicherung" abgestempelte Vorgehen ist gerade in der Formel 1 nichts ungewöhnliches. So sicherte sich Williams Jenson Buttons Dienste bis 2005, lieh in aber Anfang des Jahres für zwei Jahre an Benetton aus. Gerade erfolgversprechende Jungtalente wie Kimi Räikkönen oder Jenson Button sichern sich die Teamchefs gerne lange, um nicht einen neuen Michael Schumacher zu verlieren, wie dies Eddie Jordan beim Einstieg des Deutschen passierte - eine Tatsache, über der sich der Ire bis heute aufregt.

Teilweise gehen die Teams schon dazu über, reihenweise junge Piloten unter Vertrag zu nehmen, die noch nicht einmal den Sprung in die Formel 1 als Testfahrer geschafft haben. Damit verlieren die einzelnen Verträge der Fahrer zwar an Wert, aber man sichert sich mögliche Fahrer der Zukunft, bevor sie an die Konkurrenz gehen. So hat das Jaguar Team Verträge mit André Lotterer und James Courtney und bis vor kurzem auch mit Tomas Scheckter. Auch das BAR-Honda-Team hat diesen Weg eingeschlagen und mit Darren Manning, Patrick Lemarié, Anthony Davidson und Takuma Sato gleich vier Nachwuchstalente unter Vertrag genommen.

Die Fahrerpolitik von McLaren-Mercedes ist da noch undurchsichtiger, zumal Ron Dennis so wenig Informationen wie möglich nach Außen dringen lässt. Neben David Coulthard und Mika Häkkinen hat der Brite noch eine Menge anderer Fahrer unter Vertrag. Testfahrer Alexander Wurz hat einen Vertrag, der bestimmte Optionen auch über dieses Jahr hinweg enthält - nur welche das sind, weiß keiner. Ebenso ist es bei Olivier Panis, der im vergangenen Jahr der Testfahrer der Silbernen war und in diesem Jahr für BAR-Honda fährt.

Und dann ist da noch der ehemalige Junior-Pilot des Formel-3000-Teams von McLaren, Nick Heidfeld, der derzeit bei Sauber fährt, aber zu McLaren-Mercedes zurückgeholt werden könnte, wo er 1997 bis 1999 als Testfahrer unter Vertrag war, was auch ein ausdrücklicher Wunsch des Mönchengladbachers ist. Selbst Ricardo Zonta, der 1998 mit Mercedes FIA-GT-Meister wurde, danach von McLaren in die Formel 1 gehievt wurde und zwei Jahre bei BAR fuhr und in diesem Jahr bei Jordan-Honda Testfahrer ist, steht immer noch bei McLaren unter Vertrag.

Das britische Team hat sich noch weitere Talente gesichert. Dazu gehört Darren Turner, der für Mercedes in der DTM fährt und auch einige Tage im Jahr das Formel-1-Auto testet. Und dann wäre da noch Gary Paffet, ein Supertalent aus England, das vom Team unterstützt in der Deutschen Formel-3-Meisterschaft fährt. Auch minderjährige Talente wie den dunkelhäutigen Go-Kart-Piloten Lewis Hamilton sicherte sich einst McLaren neben zahlreichen anderen Fahrern, auch wenn man sich vor kurzem dazu entschlossen hat, den Go-Kart-Sport in dieser Form nicht mehr zu unterstützen.

Wie gewohnt gibt sich Teamchef Ron Dennis auch zu diesem Thema sehr bedeckt, immerhin gelang es einem britischen Kollegen, ihm die Bestätigung zu entlocken, dass entsprechende Verträge bestehen: "Wir haben unsere vertraglichen Beziehungen zu Nick, Olivier und Ricardo aufrecht erhalten und weder ich noch Norbert [Haug, Mercedes-Motorsportchef; d. Red.] werden das näher ausführen." Zur Zeit jedenfalls besteht kein Bedarf, einen neuen Einsatzpiloten zu verpflichten, denn Häkkinen dürfte ein zehntes Jahr anhängen und Coulthard wird auch das siebte Jahr für McLaren an den Start gehen.

Vielleicht wird man einen der unter Vertrag stehenden Piloten im kommenden Jahr ins Team holen oder gar noch einen neuen Fahrer verpflichten, denn durch das Testverbot, das in diesem Jahr zusätzlich zum Dezember auch im November gilt, wird es viel weniger Zeit zum Testen geben: "Es wäre aus diesem Grund ideal, wenn wir im Januar mit zwei Autos auf die Strecke gehen können", erklärt Dennis in der britischen Presse. "Das nächste Jahr bringt neue Anforderungen mit sich und wir schauen uns nach zwei erfahrenen Testfahrern um."