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  • 23.07.2012 · 13:22

  • von Dominik Sharaf

Räikkönen: "Kein Pech, meine Fehler"

Während der Lotus-Pilot nur menschliches Versagen für Misserfolge verantwortlich macht, betont Eric Boullier die Stärken eines Teams mit wenig Personal

(Motorsport-Total.com) - Den schwarzen Peter mit der Technik gezogen, nicht das passende Wetter erwischt oder einfach eine Zehntelsekunde zu spät dran gewesen: Was andere Fahrer gerne mit den Begriffen "Glück" und "Pech" verbal ihrer Macht entziehen, ist für Kimi Räikkönen nur Ausdruck von Leistung. "Glück hat damit nichts zu tun. Es ist kein Pech, wenn etwas schief läuft, sondern unser eigenes Verschulden", weiß er. "Geht etwas kaputt, bedeutet das, dass es in dem Teil einen Fehler gab - es war nicht haltbar genug oder wurde falsch entworfen", meint Räikkönen.

Kimi Räikkönen

Samstags ausbaufähig, sonntags schnell: Kimi Räikkönen im Lotus E20

Der "Iceman" will für sich keine Ausnahme machen: "Normalerweise sind es menschliche Fehler. Es ist das Gleiche, wenn ich einen Schnitzer im Auto begehe. Kein Pech, mein Fehler. So ist Motorsport." Demzufolge liegt es an Lotus selbst, dass der erste Grand-Prix-Sieg zwar oft in Reichweite ist, aber doch nie gelingt. Räikkönen nimmt das Team in Schutz: "Es ist immer einfach, zu sagen, wir hätten gewinnen oder unseren Job in bestimmten Rennen besser machen sollen."

Qualifying-Schwäche bewusst in Kauf genommen

Es sei der Preis der Entscheidungsfreiheit, dass man sie auch falsch nutzen könne, meint der Ex-Weltmeister: "Du versuchst, das Maximum herauszuholen. Manchmal klappt das, machmal nicht. Daraus musst du lernen. Wir hätten besser abschneiden können, aber eben auch wesentlich schlechter." Gelernt haben will Lotus aus den teilweise durchwachsenen Qualifyings, die bessere Platzierungen gekostet haben könnten.

Dass Lotus in den Zeittrainings in dieser Saison relativ schwach ist, bezeichnet Boullier gegenüber 'formula1.com' als "Philosophie". Das Team hätte aus dem vergangenen Jahr gelernt, als der Reifenabbau das Hauptproblem des Boliden gewesen sei. "Wir haben also ein Auto gebaut, das konservativer mit den Reifen umgeht und uns mehr strategische Flexibilität im Rennen erlaubt. Und es funktioniert." Die Kehrseite der Medaille: die Leistung auf einer einzelnen Runde leidet.

Kampf um Rang drei

Obwohl in Enstone daran gearbeitet wird, das Ungleichgewicht zumindest leicht zu korrigieren, will Lotus nicht von der Grundidee eines an den Sonntagen starken Wagens abrücken. "Es ist unser vorrangiges Ziel, das Tempo im Rennen beizubehalten. Dort gibt es Punkte zu gewinnen. Wollen wir aber mehr Podiumsresultate, müssen wir uns weiter vorne qualifizieren", erklärt Boullier den Spagat und kündigt einen fertig entwickelten Lotus für nach der Sommerpause an.


Fotos: Lotus, Großer Preis von Deutschland


Ab dem Rennen in Spa-Francorchamps sollte der Lotus also sein maximales Leistungsvermögen erreicht haben - und Rang drei in der Konstrukteurs-WM sichern? "Wenn wir die Updates bringen, die wir planen, und sie auf der Strecke zum Arbeiten bekommen. sollten wir unsere aktuelle Position verteidigen können", gibt sich Boullier optimistisch. "Ich bin nicht sicher, ob Rang drei oder vier, weil alles so eng ist. Aber ich mir sehr sicher, dass wir um einen der vorderen Plätze kämpfen."

Geringe Personalstärke als Chance

Auch Räikkönen betont, dass sich Lotus nicht ausruhen darf und sieht sich durch das Hockenheim-Wochenende trotz seines vierten Podiumsplatzes in der laufenden Saison darin bestärkt. "Wir wissen, dass wir bestimmte Sachen verbessern müssen. Wir sind nicht zu 100 Prozent glücklich, wie die Dinge gelaufen sind, aber das hatte ich nicht anders erwartet", so der Finne. "Ich denke, wir haben aus der ersten Saisonhälfte gelernt und werden uns hoffentlich verbessern."

Kimi Räikkönen

Keine Ausreden: Der "Iceman" geht auch mit sich selbst hart ins Gericht Zoom

Dass Lotus das gelingt, obwohl die Mannschaft nicht über die gleichen finanziellen Kapazitäten verfügt wie die Konkurrenz an der Spitze, erklärt Boullier so: "Du brauchst ein Minimum an finanziellen Ressourcen, Know-how und technischem Sachverstand. Wir haben mit einer Gruppe von Leuten, die sich voll auf den Motorsport konzentrieren, alles, was wir brauchen." Im Wachsen sieht der Franzose nicht nur eine Chance, sondern auch sehr viel Risiko.

Die Vorteile eines kleineren Betriebs beschreibt er so: "Desto größer der Mitarbeiterstab, desto größer die Gefahr, dass Dinge zu einem Politikum ausufern. Das resultiert dann in Energieverschwendung", meint Boullier und sieht sich durch die jüngsten Erfolge bestätigt. "Wir haben die richtige Größe und das ist der Grund, warum wir um die Konstrukteurs-WM kämpfen."

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