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  • 28.07.2001 · 11:36

  • von Marcus Kollmann

Pierre Dupasquier im Interview

Michelins Motorsport-Direktor über die besonderen Anforderungen an die Reifen in Hockenheim und einkalkulierte Risiken

(Motorsport-Total.com) - Michelins Motorsport-Direktor Pierre Dupasquier sprach nach dem Freien Training über die besonderen Anforderungen, welche Hockenheim an die Reifen stellt.

Pierre Dupasquier

Pierre Dupasquier verrät interessante Einblicke in die Reifenwahl

Frage: "Wie groß ist die Belastung der Reifen bei ungefähr 350km/h?"
Pierre Dupasquier: "Die Beanspruchung ist enorm. Wenn ein Reifen an seine Grenzen in Sachen Performance stößt, dann geschieht das meist durch die enormen Geschwindigkeiten. Wenn wir einen Reifen testen ist unsere erste Aufgabe die, dass wir seine Leistung unter Belastung testen. Wir legen vorher einen entsprechend hohen Reifendruck fest, was wir durch entsprechende Einstellung der Radsturzwinkel und das Fahren bei hohen Tempo mit viel Abtrieb erreichen. Heute [Freitag] sind wir mit Geschwindigkeiten bis zu 354km/h unterwegs gewesen. Obwohl die Autos hier mit wenig Flügel fahren, ist der generierte Abtrieb wichtig, um überhaupt hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Aber man hat unter solchen Bedingungen weniger Spielraum in Sachen Sicherheitsfaktor. Wann immer man, aus welchem Grund auch immer, dort Abstriche macht, so müssen wir dennoch sicherstellen, dass unsere Reifen perfekt ihre Aufgabe erfüllen. Wir überlassen nichts dem Zufall und beobachten sehr genau die Leistungsfähigkeit unserer Pneus."

Frage: "Gehen die Reifenhersteller gewisse Risiken ein, um die bestmögliche Performance zu garantieren?"
Dupasquier: "Nein, ganz sicher nicht. In punkto Sicherheit mag der Spielraum hier etwas kleiner sein, aber wir haben eine Kein-Risiko-Politik, so wie an jedem anderen Rennwochenende auch. Wir haben jede Garantie gegeben, dass unsere Reifen zuverlässig sind."

Frage: "Welche zwei Reifenmischungen stellt Michelin dieses Wochenende zur Wahl?"
Dupasquier: "In Sachen Verschleiß ist Hockenheim nicht wirklich eine beanspruchende Strecke. Die Autos rutschen natürlich im Stadium ein wenig herum, jedoch weil sie dort wenig Abtrieb haben. Das ist aber kein Grund Alarm zu schlagen. Wir haben zwei Reifen hierher gebracht, welche unserer Meinung nach zu dieser Strecke passen. Nach dem Freien Training sind wir zuversichtlich, dass unsere Wahl richtig war. Beide Reifen sind sehr konkurrenzfähig und könnten einige interessante Rennstrategien ermöglichen. Anscheinend wird das Wetter sehr heiß bleiben, aber einer unserer Mischungen könnte auch bei niedrigeren Temperaturen sehr gut funktionieren."

Frage: "Riskieren die Fahrer bei der Fahrt über die Randsteine der Schikanen eine Beschädigung ihrer Pneus?"
Dupasquier: "Man kann natürlich die Reifenkarkasse bei der Fahrt über die Randsteine schon strapazieren, jedoch ist meist der Reifen mit der geringsten Beanspruchung davon betroffen, was wiederum hilft das potenzielle Risiko eines Schadens zu minimieren. Aber ein sehr hoch entwickelter Formel-1-Reifen ist nicht dafür gedacht als Stoßdämpfer zu funktionieren. Wir haben das aber mit einkalkuliert, als wir die Entscheidung über die hierher zu bringenden Reifen trafen."

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