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Peraltada und Co.: Nigel Mansell trauert um "Kultkurven"

Nigel Mansell trauert nach dem Grand Prix von Mexiko den alten Mutkurven wie der Peraltada nach - Der Weltmeister von 1992 zeigt allerdings auch Verständnis

(Motorsport-Total.com) - Der Große Preis von Mexiko 2015 kann durchaus als Erfolg gewertet werden. Das Interesse an dem Rennen in Mexiko-Stadt war gigantisch, die Tribünen beim Formel-1-Comeback der Strecke nach 23 Jahren rappelvoll. Gleichzeitig deckte der Grand Prix aber auch wieder einmal ein "Problem" der aktuellen Formel 1 auf: Die einst legendäre Peraltada ist nach dem Umbau der Strecke nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Königsklasse fehlen heutzutage die Mutkurven.

Nigel Mansell

Ex-Weltmeister Nigel Mansell fuhr selbst noch auf der alten Strecke in Mexiko-Stadt Zoom

Das bedauert auch Nigel Mansell, nach dem die neue Zielkurve im Autodromo Hermanos Rodriguez benannt wurde. "Wir haben Kultkurven auf der ganzen Welt verloren", klagt der Brite, der 1990 in besagter Peraltada für eines der spektakulärsten Manöver in der Formel-1-Geschichte sorgte, als er in seinem Ferrari außen am McLaren von Gerhard Berger vorbeizog.

Die Peraltada war damals eine extrem gefährliche Kurve, Mansells Manöver erforderte dementsprechend eine Menge Mut. Ein Jahr später überschlug sich Weltmeister Ayrton Senna auf spektakuläre Art in der gleichen Kurve. Solche Szenen gehören in der Formel 1 mittlerweile der Vergangenheit an. Kiesbetten werden nach und nach durch Auslaufzonen ersetzt und gefährliche Kurven entschärft.

Sicherheit steht im Vordergrund

So erging es nun auch der Peraltada, die damit allerdings keinesfalls alleine dasteht. Die Eau Rouge in Spa ist längst nicht mehr so spektakulär wie früher und auch die legendäre Parabolica in Monza bekam mittlerweile eine Auslaufzone verpasst. Andere Kurven (beziehungsweise ganze Strecke) sind komplett aus dem Kalender verschwunden. "Allerdings muss ich zugeben, dass manche von ihnen aus den richtigen Gründen verschwunden sind", erklärt Mansell.


Fotostrecke: GP Mexiko, Highlights 2015

"Ich bedauere es sehr, dass zwei Menschen 1994 ihr Leben verloren haben, was dazu geführt hat, dass sich alle Strecken auf der Welt für immer verändert haben", erklärt der Brite, die auf die beiden tödlichen Unfälle von Senna und Roland Ratzenberger beim Großen Preis von San Marino 1994 in Imola anspielt. Nach diesem schwarzen Wochenende wurde die Sicherheit in der Formel 1 nachhaltig stark erhöht.

"Ich bedauere es sehr, dass zwei Menschen 1994 ihr Leben verloren haben." Nigel Mansell

Der Preis der Sicherheit ist unter anderem der Verlust von einigen Mutkurven. Fehler werden den Piloten heute leichter verziehen. Was vor 20 Jahren noch zu einem spektakulären Unfall geführt hätte, hat heute lediglich den Verlust von einigen Zehnteln zur Folge. Junge Piloten wie Max Verstappen (18 Jahre) und Co. kennen Kiesbetten wohl nur noch aus alten YouTube-Videos.

Etwas anders sieht es bei den Routiniers im Fahrerfeld aus. Jenson Button geht seit der Saison 2000 in der Königsklasse an den Start und zählt mit 35 Jahren zu den erfahrensten Piloten im Grid. "Ich denke nicht, dass unsere Meinung irgendeine Rolle spielt", erklärt er mit einem Lächeln, verrät allerdings, dass er unter anderem die Strecke in Istanbul vermisst, wo die Formel 1 zwischen 2005 und 2011 zu Gast war.

"Für die Fans auf der Tribüne funktioniert es"

Zwar zählt der Kurs ebenfalls zu den moderneren Strecken, bei den Piloten war der Istanbul Park dank der spektakulären Kurve 8 aber trotzdem stets beliebt. Doch selbst diese Kurve ist mittlerweile kein Teil der Formel 1 mehr und auf den neuen Kursen in Sotschi, Bahrain oder Abu Dhabi suchen Fans und Fahrer vergeblich nach ähnlichen Highlights.


Fotostrecke: F1 Backstage: Mexiko-Stadt

Button erklärt: "Wir haben die Sicherheit an den Autos und den Strecken in so vielen Abschnitten verbessert, dass es viele Bereiche gibt, an denen nachgebessert werden muss, wenn eine Strecke einige Jahre nicht im Kalender stand. So etwas braucht manchmal Zeit - und Geld. Es ist sehr teuer." Der Brite glaubt daher nicht, dass Istanbul - oder eine noch ältere Strecke - bald in den Kalender zurückkehren wird.

"Es ist schade, dass wir eine der besten Kurven der Originalstrecke verloren haben." Jenson Button

Im Hinblick auf das neue Layout in Mexiko erklärt er: "Es ist schade, dass wir eine der besten Kurven der Originalstrecke verloren haben." Allerdings gibt sich der Brite diplomatisch und gibt zu, dass die Änderungen an der Strecke für die Fans auch Vorteile haben. "Außerdem gefällt mir, was sie für die Fans an der Strecke verändert haben. Es funktioniert sehr gut", so Button.

Aufgrund der langsamen Passagen im Stadion bekommen die Fans die Boliden sehr lange zu sehen. "Man sieht viele verschiedene Fans, was toll ist", freut sich Button, der die Atmosphäre als "fantastisch" beschreibt. Die Zuschauer an den TV-Bildschirmen hätten sich aber wohl mehr darüber gefreut, die Autos durch die alte Peraltada fahren zu sehen. Auf Nigel Mansell trifft das ganz sicher zu.

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