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Nürburgring: Wenn die Formel 1 Traditionsstrecken fördern würde ...

Unter welchen Voraussetzungen Nürburgring-Chef Ingo Böder wieder eine Chance für Formel-1-Rennen in Deutschland sieht und warum aktuell eine "Lücke" da ist

(Motorsport-Total.com) - 2019 gab es den bisher letzten Deutschland-Grand-Prix im Rahmen der Formel 1. Und zumindest 2022 kommt es nicht zu einer Neuauflage: Weder Hockenheimring noch Nürburgring fanden einen Platz im Formel-1-Kalender. Und die Ausgangslage der beiden Traditionsstrecken bleibt schwierig, wie Ingo Böder als Nürburgring-Geschäftsführer im Gespräch mit 'Sky' betont.

Blick ins Motodrom von Hockenheim bei einem Formel-1-Rennen

Blick ins Motodrom von Hockenheim bei einem Formel-1-Rennen Zoom

Das Grundproblem sei die Finanzierung eines Grand Prix auf deutschem Boden: "Wir sprechen über sehr hohe Antrittsgelder und die Einnahmen, die wir generieren können. Leider bleibt dann immer eine viel zu große Lücke übrig, die wir als Mittelständler einfach nicht stemmen können", erklärt Böder.

Als Rennstrecke könne es sich der Nürburgring schlicht nicht leisten, "unser Jahresergebnis auch nur ansatzweise zu riskieren, um - in Anführungszeichen - nur einmal die Formel 1 hier zu haben", so sagt er weiter. "Ohne private Investition und bei den Antrittsgeldern der Formel 1" sei ein solches Rennprojekt in Deutschland zum Scheitern verurteilt.

Situation in Deutschland nicht mit andernorts vergleichbar

Hockenheimring und Nürburgring hätten deshalb keine Chance, im internationalen Wettbieten gegen neue Formel-1-Austragungsorte wie Katar oder Saudi-Arabien zu bestehen. Das sei wie der berühmte Vergleich zwischen "Äpfel und Birnen", meint Böder.


F1 zurück in Deutschland – was sind die Hindernisse?

Die Formel 1 zurück in Deutschland – was sind die Hindernisse? Ingo Böder, Geschäftsführer Nürburgring GmbH, dazu. (Videolänge: 3:31 Minuten)

Er fügt hinzu: "Wir sehen uns nicht auf Augenhöhe mit diesen Staaten. Wir [haben] keinen großen Investor im Hintergrund, der ausschließlich für ein Formel-1-Rennen so viel Geld ausgeben möchte oder kann. Das ist, glaube ich, das größte Hindernis [für ein] Formel-1-Rennen in Deutschland."

Die deutschen Rennstrecken befänden sich in einer schwierigen Verhandlungsposition gegenüber der Formel 1. Man könne keine "Forderungen" an die Rennserie richten, sagt Böder, sondern müsse auf ein Entgegenkommen hoffen.

Neuer Ansatz: Rabatt für Traditionsstrecken?

"Wir müssen schauen: Gibt es seitens der Formel 1 eine Möglichkeit, die traditionellen Rennstrecken anders zu bepreisen, ja oder nein?" Sofern sich die Formel 1 darauf einließe, hätten Nürburgring und Hockenheimring zumindest ein Argument bei Gesprächen mit potenziellen Partnern, um "die signifikante Lücke" beim Budget für einen Grand Prix "irgendwie oder annähernd zu schließen", so Böder.

Dass Formel-1-Chef Stefano Domenicali zumindest Gesprächsbereitschaft signalisiert hat, "das begrüßen wir sehr", meint Böder. Domenicali hatte zu Jahresbeginn erklärt, er wolle eine "offene Diskussion" anregen, wie eine Rückkehr der Formel 1 nach Deutschland zu bewerkstelligen sein könnte. Und er sagte: "Ich werde dabei eine aktive Rolle spielen."