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Niki Lauda: Wieso Bernie Ecclestone ihm ein Auto schuldet

Der Mercedes-Aufsichtsrat gewann 1979 die BMW Procar-Serie und erinnert sich, dass er noch einen M1 vom Formel-1-Boss bekommt - "Bernie hat es behalten"

(Motorsport-Total.com) - Wie groß wäre der Unterschied zwischen den Fahrern des Formel-1-Starterfelds 2016 auf einer Runde mit identischem Material? Diese Frage stellte 'Motorsport-Total.com' kürzlich einigen Piloten in der Königsklasse und stieß auf erstaunliche Antworten. Auch bei den Fans wird das Thema immer wieder heiß diskutiert - viele hegen den Wunsch nach einer stärkeren Rolle des Fahrers in der von der Technik dominierten Königsklasse des Motorsports.

Niki Lauda, Bernie Ecclestone

Niki Lauda hat nicht vergessen, was ihm Bernie Ecclestone seit 37 Jahren schuldet Zoom

Wie würden sich beispielsweise Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Max Verstappen und Fernando Alonso mit gleichen Waffen schlagen? Und fahren in der Formel 1 wirklich die besten Piloten der Welt gegenüber anderen Rennserien? In den Jahren 1979 und 1980 gab es einen Wettbewerb, der einen Vergleich zuließ und der als interessantes, aber kurzlebiges Projekt in die Geschichte einging: die BMW Procar-Serie. Die jeweils fünf trainingsschnellsten Formel-1-Piloten fuhren dabei am Samstagnachmittag mit baugleichen Werksfahrzeugen des BMW M1 gegen Tourenwagen-Fahrer auf einem Drittel der jeweiligen Grand-Prix-Distanz.

Technische Basis für die Procar-Serie war die Weiterentwicklung des Supercars BMW M1 zur Rennversion. Der Reihen-Sechszylindermotor mit 3,5 Litern Hubraum und vier Ventilen pro Zylinder leistete 470 PS und sorgte wegen des Gewichts von 1.020 Kilogramm und der aerodynamisch optimierten Höhe von nur 110 Zentimetern für eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 310 km/h. Außer den damaligen Ferrari- und Renault-Piloten, die nicht in BMWs fahren sollten, durften alle Formel-1-Fahrer an der Serie teilnehmen, sofern sie sich über das Formel-1-Qualifying qualifiziert hatten.

Lauda: "Ich habe immer noch ein Problem mit Bernie"

Procar

Auch 2008 feierten die BMW M1 Procars in Hockenheim ein kurzes Comeback Zoom

Erster Gesamtsieger der Procar-Serie wurde 1979 Brabham-Pilot Niki Lauda. Angesprochen auf seine damaligen Einsätze gerät der heutige Mercedes-Formel-1-Aufsichtratschef aber ins Fluchen. Denn: "Ich habe deshalb immer noch ein Problem mit Bernie (Ecclestone; Anm. d. Red.). Denn als ich die Serie gewann, hätte ich eigentlich eines dieser Autos bekommen sollen. So war die Abmachung. Das ist aber nie passiert, weil Bernie es behalten hat", plaudert Lauda auf 'Sky Sports F1' aus.

Tatsächlich war vereinbart, dass dem Sieger der Procar-Serie ein Straßen-M1 winken sollte, dem Zweitplatzierten ein BMW 528i und dem Dritten ein BMW 323i. Lauda, der im Jahr 1979 seinen ersten Rücktritt aus der Formel 1 erklärte, blieb der Supersportwagen aber vorenthalten. "Und dafür will ich jetzt eine Lösung. Ich will mein Auto! Das habe ich Bernie gesagt, mal sehen, was er macht", scherzt der Österreicher am Rande seines Heimspiels auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg, wo die BMW Procar-Serie im Rahmenprogramm ein Comeback mit einer Reihe von Motorsport-Legenden hinter dem Steuer feierte.

Ecclestone freilich wollte sich an die Abmachung nicht mehr erinnern, wohl aber daran, dass er die Serie 1979 auch gegen den Widerstand einiger Formel-1-Piloten zusammengestellt hatte: "Mario Andretti wollte darin nicht antreten. Er sagte: Ich fahre diese verdammten Autos nicht. Dann habe ich ihm aber über die Bezahlung erzählt. Und er meinte: Okay, vielleicht denke ich darüber nach - und flugs war Mario auch dabei", so Ecclestone.

Christian Horner wünscht sich "Topstars im gleichen Auto"

Die Serie existierte zwei Jahre. Im Jahr 1980 folgte Nelson Piquet dem zurückgetretenen Lauda nach und wurde zweiter Gesamtsieger. Zu Beginn dieses Jahres wollte BMW aber als Motorenlieferant in die Formel 1 einsteigen, sodass sämtliche Kapazitäten der Motorsport-Abteilung auf diese neue Aufgabe verlagert wurden. Die Procar-Serie wurde damit eingestellt.

Trotz des kurzen Gastspiels gibt es auch heute noch Rufe nach einem Comeback eines vergleichbaren Projekts im Rahmen- und Showprogramm von Formel-1-Wochenenden. "Ich finde ein Konzept wie die ehemalige Procar-Serie gut, wo die Topstars in gleichen Autos gegeneinander angetreten sind. In solch einem Umfeld könnten sie es so richtig unter sich ausmachen", wünscht sich etwa Red-Bull-Teamchef Christian Horner.