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  • 21.09.2023 13:04

  • von Kevin Hermann

Nach Singapur-Sieg: Ferrari wirklich im Aufwind oder trügt der Schein?

Das Ferrari-Formel-1-Team geht gestärkt mit dem Singapur-Sieg im Gepäck in die restlichen Saisonrennen 2023: Endet der Höhenflug schon in Japan?

(Motorsport-Total.com) - Die Scuderia Ferrari ist also das Team, was es geschafft hat die fast 10-monatige Dominanz von Red Bull mit 15 Rennsiegen in Folge zu brechen. Mit dem Triumph von Carlos Sainz in Singapur und der zuvor ebenfalls starken Leistung in Monza stellt sich nun aber die Frage, ob Ferrari Fortschritte verzeichnen konnte oder die Streckenlayouts dem SF-23 entgegenkamen?

Titel-Bild zur News: Carlos Sainz, Charles Leclerc

Carlos Sainz und Charles Leclerc beim Großen Preis von Singapur Zoom

In der bisherigen Saison hat sich gezeigt, dass Ferrari auf Strecken, wo die Motorleistung wichtig ist, immer gut performen konnte. Charles Leclerc lag auf Podiumskurs beim Saisonauftakt in Bahrain, ehe er technisch bedingt ausschied. In Baku sicherte er sich dafür die Pole und einen dritten Platz im Rennen und auch auf den Power-Strecken Spa und Monza stand jeweils ein Ferrari auf dem Podium.

Größere Probleme hatte der SF-23 dafür auf Strecken, wo viel Abtrieb gefragt ist. Besonders die schnellen Kurven sind Gift, von denen es in Singapur allerdings nicht viele gab. Suzuka wird damit zum Härtetest, wo die Scuderia mit ihrem Auto wirklich steht.

Leclerc: In Zandvoort und Monza viel getestet

"Ich hoffe wirklich, dass es möglich ist, [diese Leistung] in Suzuka zu wiederholen", sagt Leclerc. "Denn wenn wir das schaffen, dann ist das ein wirklich gutes Zeichen für die Zukunft. Ich denke, wie ich schon sagte, dass wir in Zandvoort viele Tests gemacht haben. In Monza wollten wir diese Tests und das Verständnis, das wir vom Auto hatten, noch einmal bestätigen."

"Und von hier aus haben wir alles umgesetzt, und wir scheinen einen großen Schritt nach vorne zu machen. Allerdings war Singapur in der Vergangenheit eine sehr gute Strecke für uns, sodass wir noch ein Rennen abwarten müssen, um zu sehen, ob wir einen wirklich guten und konstanten Schritt nach vorne gemacht haben oder ob es eine einmalige Sache war. Das kann ich erst nach Japan sagen."

Sainz vermutet: Singapur-Sieg hat nichts zu bedeuten

Singapur-Sieger Carlos Sainz bleibt ebenfalls realistisch, was den weiteren Saisonverlauf angeht: "Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass [der Sieg] viel bedeutet. Wir hatten zwei großartige Wochenenden hintereinander, aber ich denke, die beiden Strecken, auf denen wir waren, haben unserem Auto gut gelegen."

"Ich bin unglaublich stolz auf die Anstrengungen, die das Team unternommen hat, um ein viel besseres Paket mit hohem Abtrieb [nach Singapur] zu bringen und viel konkurrenzfähiger als in Zandvoort zu sein - aber ich denke, dass es immer noch harte Wochenenden geben wird, an denen wir nicht um Podiumsplätze kämpfen, sondern maximal P5 oder P6 erreichen werden."


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"Und ich glaube immer noch, dass wir in Singapur nicht das schnellste Rennauto hatten und es trotzdem geschafft haben, zu gewinnen, was sehr für Ferrari und unsere Rennausführung spricht. Ich denke, wir können stolz darauf sein und dem Team dafür ein wenig Anerkennung zollen. Jetzt können wir diesen Schwung und das Vertrauen in uns selbst für das nächste Jahr weiter ausbauen", so Sainz.

Ferrari-Teamchef erklärt Singapur-Leistung

Teamchef Frederic Vasseur fügt über die aufstrebende Ferrari-Leistung hinzu: "Ich denke, es hängt auch damit zusammen, dass wir in Monza ein gutes Wochenende hatten, von FT1 an haben wir in Monza Selbstvertrauen getankt, und Singapur ist auch die Folge davon."

"Und die Tatsache, dass Carlos schon zu Beginn des Wochenendes auf Anhieb schnell gewesen ist, war auch sehr hilfreich für uns, und er hat einen sehr guten Job gemacht, von der ersten bis zur letzten Runde, wirklich der letzten. Und mit Charles hatten wir eine positive Entwicklung, und das ist der beste Weg, sich zu verbessern."

Sainz auf dem Höhepunkt seines Schaffens

Besonders Sainz scheint nach der Sommerpause auf einen Höhenflug und wahrscheinlich in der Form seines Lebens zu sein. Teamkollege Leclerc hat er aktuell im Griff, doch woher kommt diese Entwicklung? Ehrlich gesagt hat sich das Auto seit Beginn der Saison nicht grundlegend verändert", meint der Spanier.


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"Es gibt bestimmte Strecken wie Monza und Singapur, an die sich das Auto sehr gut angepasst hat, während es auf anderen Strecken wie Zandvoort, Silverstone oder Miami, wo es sehr windig war, sehr schwierig zu fahren war. Es ist immer noch ein kniffliges Auto, und wir versuchen immer noch, das richtige Set-up zu finden, und das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass wir hart gearbeitet haben, um den Sweet Spot zu finden, und wahrscheinlich haben wir ihn noch nicht gefunden."

"Deshalb probiere ich jedes Wochenende etwas anderes im Auto aus, um mich selbst, das Team und das Auto herauszufordern, um es an einen anderen Ort zu bringen. Und es scheint zu funktionieren, wir scheinen immer wieder kleine Wege zu finden, um eine bessere Pace zu finden. Und damit meine ich nicht, dass wir berechenbarer werden, sondern dass wir einfach schneller werden und Rundenzeiten erreichen", erklärt er.

Leclerc: Warum er aktuell zu kämpfen hat

Auf der anderen Seite scheint der Ferrari SF-23 im richtigen Set-up-Fenster immer mehr zum Untersteuern zu neigen, um die Unberechenbarkeit des Autos zu umgehen. Dem Fahrstil von Sainz kommt das entgegen, doch Leclercs Vorlieben sehen anders aus.

"Ich denke, dass wir vom ersten Rennen an auf der sicheren Seite sein mussten, weil wir ein sehr unberechenbares Auto haben und wegen dieser Unberechenbarkeit müssen wir bei der Balance auf der sicheren Seite sein", erklärt der Monegasse.


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"Denn wir können nicht mit einer starken Vorderachse fahren, weil man dann, wenn das Auto ausbricht, viel Grip verliert, und das ist einfach sehr schwierig zu handhaben. Es ist nicht so, dass das Auto untersteuert, aber man muss es untersteuernd einstellen, um es berechenbar zu machen, und das ist schwierig."

"[Unser erster Saisonsieg] ist natürlich fantastisch, aber auf der anderen Seite konzentriere ich mich auch auf mich selbst. Ich weiß, dass die letzten drei Rennwochenenden nicht die besten für mich waren, also versuche ich wirklich, einen Schritt nach vorne zu machen und hoffentlich mittelfristig zu sehen, was wir tun können, damit ich mich mit dem Auto etwas wohler fühle", so Leclerc.

Red Bull immer noch zu weit weg?

Zwar liegt das italienische Team immer noch auf Rang 3 in der Konstrukteurs-WM, doch mit dem Sieg in Singapur hat man ein Statement in Richtung der anderen Teams gesetzt, dass mit Ferrari in der Aufholjagd auf Red Bull zu rechnen ist.

Leclerc mahnt jedoch: "Ich weiß nicht, ich würde mich nicht zu sehr hinreißen lassen. Ich denke, Red Bull ist immer die Nummer 1, die es zu schlagen gilt, und ich denke, in Japan werden sie wieder da sein, wo sie früher waren. Warten wir es ab."

Vasseur: So kommt man wieder an die Spitze der Formel 1

"Mir sind gute Ergebnisse lieber als schlechte, sicherlich wird dies für die Zukunft hilfreich sein", fügt Vasseur hinzu. "Es ist ein besseres Verständnis für das Auto, ein besseres Verständnis für die Abstimmung des Autos, aber ich würde sagen, dass es vor allem ein Schritt nach vorne ist, was das Vertrauen aller angeht, für alle, und dies ist der beste Weg, um die Zukunft vorzubereiten."

"Ich denke, wir müssen ruhig bleiben. Wir müssen die gleiche Herangehensweise beibehalten und versuchen, uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, aber es gibt keine Magie in diesem Geschäft und man wird nicht das Patentrezept für 4, 5 Zehntel finden."


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"Wenn man einen Schritt machen will, muss man tonnenweise kleine Schritte machen, und das ist es, was ich an der Reaktion des Teams nach den harten Wochenenden und auch an der Zuversicht zu schätzen weiß, denn ich denke, dass wir in Zandvoort etwas über das Verständnis der Abstimmung herausgefunden haben", ist der Franzose zuversichtlich.

Sainz: Gut möglich, dass Red Bull alle restlichen Rennen gewinnt

Optimistisch ist Carlos Sainz dafür nicht, was weitere Siegchancen in der Formel-1-Saison 2023 angeht, denn der Ferrari hat seine Probleme in Rennen, was man aufgrund der Überholschwierigkeit in Singapur mit der Strategie wettmachen konnte.

"Ich bin mir nicht sicher. Ich meine, wenn man sich die Streckencharakteristik ansieht ... keine der kommenden Strecken kommt auch nur annähernd an Singapur oder Monza heran, die wahrscheinlich die beiden Extreme darstellen", sagt er. "Es gibt viele Strecken, die eher in der Mitte liegen, mit hohen Geschwindigkeiten, langen Kurven, aber auch langen Geraden."

"Vielleicht Mexiko, aber in Mexiko waren wir letztes Jahr wirklich sehr, sehr schlecht. Ich weiß es nicht. Also ja, es ist unmöglich, das jetzt zu sagen. Es ist sehr, sehr schwierig zu sagen, welche Strecken uns liegen werden. Aber der Trend, im Quali schnell zu sein und im Rennen ein bisschen zu kämpfen, wird immer da sein. Daher würde es mich auch nicht überraschen, wenn [Red Bull] die restlichen Rennen der Meisterschaft gewinnt."

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