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  • 21.09.2023 10:40

  • von Kevin Hermann, Co-Autor: Jake Boxall-Legge

Haas: Austin-Update ein Vorbote für 2024er-Auto

Das Haas-Formel-1-Team will sein Konzept für 2024 bereits mit dem VF-23 testen - Löst das große Austin-Update die Reifenverschleißprobleme?

(Motorsport-Total.com) - Das Haas-Formel-1-Team hat ein großes Problem mit dem Verschleiß der Reifen am VF-23, was Punkte am Rennsonntag nahezu unmöglich macht. Ein Update, was beim Heimrennen in Austin kommt, soll Abhilfe schaffen und auch die Grundlage für das 2024er-Auto legen. Ein Konzeptwechsel steht bevor, welches man mit Blick auf das nächste Jahr schon besser verstehen will.

Titel-Bild zur News: Kevin Magnussen, Nico Hülkenberg

Kevin Magnussen und Nico Hülkenberg beim Großen Preis von Singapur Zoom

Haas-Teamchef Günther Steiner will sich aber noch nicht zu früh freuen: "Ich weiß noch nicht genau, was ich erwarten kann. Ich meine, natürlich erwarten wir eine bessere Leistung, aber das Wichtigste ist, dass wir sehen, was wir nächstes Jahr machen."

"Mit dem diesjährigen Auto konnten wir das Konzept nicht mehr komplett ändern, weil es einige Einschränkungen gibt, wie die Kühler und die Seitenkastenaufprallstruktur. Wir konnten also nicht den ganzen Weg gehen, aber wir sind so weit wie möglich in diese Richtung gegangen", sagt er.

"Aber es geht darum, mehr zu lernen und hoffentlich ein stabileres Auto zu bekommen, denn das Auto ist aerodynamisch sehr launisch. Der Abtrieb kommt und geht. Wir brauchen ein stabiles Auto, das in Kurven und beim Lenken einfach konstanter ist."

Reifenverschleiß: Haas erwartet Probleme in Japan

Der hohe Reifenverschleiß ist laut dem Südtiroler daher nur eine Folge der Instabilität des Autos: "Absolut, ja", antwortet Steiner. Beim Blick auf die Saisondaten zeigt sich ein erschreckendes Bild: Während Red Bull mit einem Reifenabbau im Saisonschnitt von 0,05 Sekunden pro Runde an der Spitze des Formel-1-Feldes liegt, ist Haas in dieser Disziplin Letzter mit 0,088 Sekunden pro Runde. Dabei ist auch der Abstand zum Vorletzten - Williams - beachtlich, die die Reifen um 0,072 Sekunden pro Runde verschließen.

Die kommende Strecke in Suzuka gilt als eine der härtesten für die Reifen aufgrund des rauen Asphalts und der schnellen S-Kurven im ersten Sektor, wo viel Last auf die Reifen wirkt. Kein Wunder, dass Steiner für Japan ein schwieriges Wochenende für Haas prognostiziert.

"Ich mache mir hier keine großen Hoffnungen, aber das heißt nicht, dass wir nicht unser Bestes geben werden, und man weiß ja nie. Vielleicht kommt ein Sturm auf, oder es läuft uns etwas zu, aber unter normalen Umständen denke ich, dass wir kämpfen werden. Wir wissen jetzt genug über dieses Auto, vor allem über diese Hochgeschwindigkeitskurven, in denen das Auto nicht gut ist."

Steiner im Klaren: Singapur-Punkte waren Glück

Zudem fügt der Haas-Teamchef hinzu, dass der Punkt für Platz 10 von Kevin Magnussen auch nicht repräsentativ ist, da der Marina Bay Street Circuit in Singapur ganz anderes als die meisten Strecken von der Charakteristik ist, wobei man auch von den Ausfällen und Zwischenfällen anderer Fahrer profitierte.

"Ehrlich gesagt glaube ich, dass es an der Strecke liegt", sagt Steiner. "Sie hat ein völlig anderes Layout als alles andere, und unser Auto leidet nicht so sehr unter der Strecke, aber trotzdem hatten wir im Rennen einen großen Verschleiß."


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"Ich bin sehr glücklich über die Punkte, und ich meine, das Qualifying war großartig, und es ist gut, einen Punkt nach Hause zu bringen, aber das Auto hat sich am vergangenen Wochenende nicht von selbst repariert. Es war streckenspezifisch, und ich denke, wir werden hier wieder von der Realität eingeholt werden."

Sollte sich Haas auf die Sprintrennen konzentrieren?

Gut möglich, dass Haas mit den Reifenverschleißproblemen am ehesten noch in den drei verbleibenden Sprintrennen Punkte holen kann. Die Renndistanz ist deutlich kürzer, womit man eine bessere Chance hat, seine Qualifyingposition zu verteidigen: "Es ist so schwierig; von Strecke zu Strecke ist es anders", sagt Steiner auf die Frage, ob sich Haas lieber auf die Sprints konzentrieren solle.

"Und was auch schwierig ist, ist die Konkurrenz. Es gibt immer eine Überraschung. In jedem Rennen ist jemand schneller als ein anderer. Zum Beispiel war Ferrari in Singapur sehr schnell und Red Bull war nirgends zu finden, und niemand hätte gedacht, dass das in diesem Jahr jemals passieren würde, aber es ist passiert."

"In diesem Jahr ist alles ein bisschen durcheinander, vor allem in den letzten fünf Rennen ist es noch schlimmer, man weiß nie, wer ein starkes Wochenende hat und wer nicht. Hoffentlich sind es immer wir, die ein starkes Wochenende haben, aber wir werden sehen."

Las Vegas die letzte Punktechance für Haas?

Schaut man sich die verbleibenden Strecken im Rennkalender an, dann sticht Las Vegas noch ein bisschen heraus, was dem Haas-Team liegen könnte. Dort gibt es einen glatten Asphalt, der die Reifen nicht so stark beansprucht, keine schnellen Kurven und die Temperaturen dürften sich am Abend auch in Grenzen halten.


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"Wir haben dann zwar das Update, aber Las Vegas wäre mit diesem Auto ein Kampf", winkt Steiner ab. "Es ist eine lange Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Monza am nächsten kommt, und man kann ja sehen, was wir in Monza fabriziert haben. Ich würde also mit diesem Auto nicht nach Vegas fahren wollen."

Was sich Haas vom Austin-Update erhofft

Das Austin-Update wird dennoch ein wichtiger Meilenstein für das Haas-Team sein, nicht nur, um 2023 den aktuell 8. Platz in der Konstrukteurs-WM zu festigen, sondern auch, um zu sehen, wohin die Reise im kommenden Jahr gehen wird, denn Steiner betont, dass man "eine ganze Menge" der Daten des Updates auch für 2024 gebrauchen kann.

"Dieses Paket ist im Grunde genommen aus der Entwicklung hervorgegangen, die wir für 2024 betrieben haben", so der Haas-Teamchef. "Alles geht also in diese Richtung. Und das ist das Ziel, dass wir zumindest etwas über das Auto lernen und wie es sich verhält. So können wir uns besser auf das nächste Rennen vorbereiten."

"Das ist das größte Ziel, denn wenn wir mit diesem Auto weitermachen, wissen wir, wo wir stehen. Und wenn man weiß, wo wir stehen, kann man keine Leistung finden. Und für das nächste Jahr müssen wir ein anderes Konzept entwickeln. Es war besser, es dieses Jahr zu machen, zumindest eine Zwischenversion."

Steiner: 2024 "gleiche Vereinbarung mit Ferrari"

"Und natürlich haben wir dieses Jahr nicht viel Geld für Upgrades ausgegeben, weil wir keine Leistung gefunden haben. Es gab also keinen Grund, Geld auszugeben. Wir hatten also etwas Budget zur Verfügung und haben gesagt, wir machen diesen Schritt."

"Zumindest tun wir das Beste, um uns auf das nächste Jahr vorzubereiten, und dann sind wir nicht in Bahrain und haben plötzlich ein völlig anderes Auto und fragen uns, was wir jetzt machen sollen. Und dann braucht man fünf Rennen, um das zu verstehen. Wir versuchen, das abzukürzen, indem wir dieses Jahr früher damit beginnen."

An der Herangehensweise mit Partner Ferrari wird sich 2024 allerdings nichts ändern, wie Steiner hinzufügt: "Nein, wir werden die gleiche Vereinbarung mit Ferrari haben. Wir übernehmen die Aufhängung und das Getriebe von ihnen, wie immer."