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Mit 19 zu ehrlich: Wie Button beinahe die Formel 1 verpasste

Jenson Button ist in seiner 17. Saison und mit 296 Rennen der erfahrenste aktuelle Pilot im Feld - Doch seine Formel-1-Karriere hätte er sich beinahe selbst verbaut

(Motorsport-Total.com) - Auf die Frage, ob Jenson Button auch noch eine 18. Saison an seine Formel-1-Karriere hängen will, kann der aktuelle McLaren-Pilot derzeit keine Antwort geben. Das war vor 17 Jahren noch anders. Damals gab ein junger Brite einem angesehenen Rennstall noch klare Antworten zu seiner Bereitschaft für die Königsklassen-Herausforderung: Er lehnte ab! Warum seine Ehrlichkeit ihm beinahe die Karriere kostete, erklärt er im Interview mit der britischen Kommentatoren-Legende Murray Walker bei 'Channel 4'.

Jenson Button

Jenson Buttons Karriere hätte fast eine andere Richtung eingeschlagen Zoom

"Ich war damals 19 Jahre alt und verstand die Situation gar nicht richtig", so Button. "Beim Test fragte mich Frank Williams dann, ob ich bereit für die Formel 1 sei - und ich sagte 'Nein'. Ich war ein ehrlicher 19-Jähriger. Als ich das meinen Vater erzählte, sagte der: 'Du willst mich umbringen! Warum sagst du so was zu Frank?' Und ich meinte, ich wollte nur ehrlich sein. Vater fragte, ob ich vielleicht nicht ein wenig weniger ehrlich sein könne, also rief ich Frank wieder an und war nicht mehr ganz so ehrlich."

Heutzutage kämpft ein Stoffel Vandoorne an allen Fronten um einen Stammplatz unter den 22 vermeintlich besten Fahrern der Welt zu bekommen. Ein Daniil Kwjat musste nicht lange überlegen als ihm die Möglichkeit geboten wurde. Und ein Max Verstappen konnte schon mit 17 Jahren aus mehreren Optionen wählen. Zur Jahrtausendwende zeigte das Motosportgeschäft seine Härte aber noch auf andere Weise.


Jenson Button nach seinem ersten Rennen

"Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie man ein Auto richtig einstellt", berichtet Button von seinen ersten Tests mit Williams. "Alles, was ich bieten konnte war meine Fähigkeit, so schnell wie möglich zu fahren und schnell dazuzulernen. Ich dachte aber immer noch nicht, dass es um ein Renncockpit ging. Ich glaubte, ich war hier für einen Platz als Testfahrer. Denn in der Williams-Fabrik traf ich Frank wieder und er meinte zu mir: 'Wir haben eine Liste an möglichen Fahrern für die Saison 2000. Du bist nicht mal auf der Liste'."

"Ich fragte mich die ganze Zeit: Warum bin ich eigentlich hier. Das war sehr verwirrend. Aber der Test lief richtig gut am Ende, die Rundenzeiten und die Konstanz war gut und ich lernte schnell dazu - aber: Bis zum Tag der Fahrzeugpräsentation wusste ich nicht, dass ich das Cockpit bekommen sollte."

Er bekam ihn und startete damit eine Karriere voller Höhen und Tiefen. Button fuhr nur ein Jahr bei Williams. Es folgte ein zweijähriges Gastspiel bei Benetton, beziehungsweise Renault, aus denen er den Spitznamen "Fauler Playboy" davontrug, den ihn der damalige Teamchef Flavio Briatore verpasste. Danach ging es zu BAR, was später zu Honda wurde, dann zu Brawn und heute Mercedes ist, bis er schließlich bei McLaren landete.

Button musste 68 Rennen lang auf sein erstes Podium warten, 113 Grands Prix auf seinen ersten Sieg und neun Jahr auf den Titel. Mittlerweile haben nur Rubens Barrichello (324) und Michal Schumacher (306) mehr Rennen als er absolviert. Er ist nun 36 Jahre alt und hätte eigentlich Lust auf noch mehr, als seine derzeitigen 15 Siege.

Der Teamkollege von Fernando Alonso steht erneut an einem Scheideweg. Bleibt er noch in der Formel 1? Fährt er weiter für McLaren? Oder widmet er sich im Herbst seiner Karriere noch einmal einer neuen Herausforderung? Ausgerechnet Williams bekundet wieder Interesse an Button. Und er betont, wie viel er damals von dem Traditionsteam lernen konnte.

Jenson Button

Jungspund: Jenson Button musste die Härte des Formel-1-Geschäfts früh lernen Zoom

"Im Vergleich zu Patrick Head war Frank richtig weich", so Button. "Er sagte immer: 'Push so hart es geht, wenn etwas schiefgeht, lernst du daraus'. Ich erinnere mich an Hockenheim: In der Boxeneinfahrt verlor ich von der Einfahrt bis zur Speed-Limit-Linie eine Sekunde auf meinen Teamkollegen Ralf Schumacher. Also pushte ich und krachte in die Boxenbegrenzung. Mit gesenktem Kopf ging ich die Boxengasse zurück in die Garage und traf als erstes auf einen aufgebrachten Patrick. Er fragte: 'Was tust du da, du baust einen Unfall in der Boxengasse?!'. Und dann kam Frank dazu und meinte mit einem breiten Lächeln: 'Patrick, ich habe ihm gesagt, dass er Gas geben soll. Er wird daraus lernen.' Es war toll, zwei so erfahrene Chefs zu haben, die mir halfen, als Fahrer aufzublühen."

Das vollständige Interview, in dem Button seine Karriere Revue passieren lässt und erzählt, wie er beinahe bei Toro Rosso gelandet wäre, lesen Sie am Mittwoch bei 'Motorsport-Total.com' und 'Formel1.de'.