powered by Motorsport.com

Mercedes: Mehr Windkanal-Zeit wäre "nur ein kleiner Trostpreis"

Mercedes möchte Ferrari im Saisonendspurt noch anfangen und hält mehr Windkanal-Zeit für Platz drei nur für einen kleinen Trost - Neuer Flügel im Rennen?

(Motorsport-Total.com) - Mercedes hatte in Austin einen neuen Frontflügel mitgebracht, diesen am Wochenende aber nicht eingesetzt - auch weil man nur eine Variante des Flügels mit im Gepäck hatte. "Wenn wir ihn im Qualifying beschädigt hätten, dann hätte das Auto von ganz hinten starten müssen", erklärt der Leitende Renningenieur Andrew Shovlin die Gründe. Denn dann hätte das Auto mit einer anderen Spezifikation ausgerüstet werden müssen, was laut Reglement eine Gridstrafe nach sich zieht.

George Russell (Mercedes W13) vor Sebastian Vettel (Aston Martin AMR22) beim Formel-1-Rennen in Austin 2022

Mercedes möchte noch Platz zwei erobern, hat aber 53 Punkte Rückstand Zoom

Zudem war das zweite Training in Austin einem Reifentest von Pirelli gewidmet, "von daher hatten wir gar nicht die Zeit, ihn zu evaluieren", so Shovlin. Und obwohl auch in Mexiko ein solcher Reifentest stattfinden soll, will Mercedes den neuen Flügel am Freitag fahren - auch weil man nun mehr Teile an der Strecke hat.

"Wir überprüfen, ob alles wie erwartet funktioniert. Und aktuell ist der Plan, dass wir dann damit auch das Rennen fahren", verrät er in einem Video des Teams.

Allerdings hatte der Flügel in Austin für einige Diskussionen gesorgt. Die FIA beanstandete das Design der sogenannten "Slot-Gap-Separators", fünf kleine Streben, die die oberen beiden Flügelblätter miteinander verbinden. Denn die haben nach Ansicht des Verbandes einen aerodynamischen Nutzen - und das möchte man verhindern, um keinen größeren "Outwash-Effekt" einzuführen.

Die Streben wurden für Mexiko aber mittlerweile entfernt.

Weitere kleine Teile könnten kommen

Laut Mercedes soll das Paket in Austin, das neben Front- und Heckflügel auch neue Kanten am Unterboden beinhaltete, das letzte große Update der Saison sein. Das heißt aber nicht, dass nicht noch weitere Teile für den W13 kommen werden.


Fotostrecke: Formel-1-Technik: Detailfotos beim USA-Grand-Prix 2022

"Es gibt immer eine Reihe von neuen Teilen, kleineren Teilen, die wir untersuchen, um einen kleinen Leistungszuwachs zu erzielen", sagt Shovlin. "In dieser Phase des Jahres geht es vor allem darum, für das nächste Jahr zu lernen. Einige dieser Testteile dienen also wirklich nur dazu, die Entwicklungsrichtung zu verstehen, in die wir gehen wollen."

"Wie ich schon sagte, ist es das letzte große Update, aber es wird nicht die letzte Änderung am Auto sein."

Mercedes betont: Ziel ist Platz zwei

Eine Verbesserung des Autos könnte Mercedes aber noch im Kampf um Platz zwei bei den Konstrukteuren helfen. Die Silberpfeile haben aktuell 416 Punkte auf dem Konto und liegen damit 53 Zähler hinter Ferrari. Die kann und möchte Mercedes in den letzten drei Saisonrennen noch aufholen.


Mercedes in Austin: Hätte Lewis Hamilton auf Mediums gewonnen?

Andrew Shovlin und James Vowles sprechen über die wichtigsten Mercedes-Themen in Austin: Was war mit Hamiltons Bremse? Und war die Strategie am Ende falsch? Weitere Formel-1-Videos

"Unser Ziel ist klar: Wir sind hier, um gegen Ferrari zu kämpfen und am Ende der Meisterschaft den zweiten Platz zu holen", sagt Mercedes-Chefstratege James Vowles. Er weiß aber auch: "Das ist eine schwierige Aufgabe, weil wir mehr als 50 Punkte aufholen müssen."

"Aber wir sind hier, um gegen Ende des Jahres alles mitzunehmen, was wir können, und vor allem zu lernen, wo wir im nächsten Jahr stehen müssen."

Mehr Windkanal-Zeit "kleiner Trostpreis"

Einen Vorteil hätte der dritte Platz in der Konstrukteurs-WM aber: Mercedes dürfte dann fünf Prozent Entwicklungsarbeit mehr betreiben, als wenn man Zweiter werden würde. Das entspricht 16 Windkanal-Runs, 20 Stunden Belegzeit im Windkanal und vier Stunden sogenannter "Wind-on-Time" im Windkanal innerhalb einer Aerodynamiktest-Periode.

Von diesen Perioden sind sechs im Jahr festgelegt, die zwischen acht und zehn Wochen dauern. Mercedes dürfte als Dritter in jedem Zeitraum 256 Windkanal-Runs fahren (Ferrari als Zweiter 240), 320 Stunden im Windkanal sein (300) und 64 Stunden "Wind-on-Time" (60) nutzen.

Doch das ist für Mercedes kein großer Anreiz, um Dritter zu bleiben: "Eigentlich wollen wir nicht Zweiter oder Dritter werden, aber der dritte Plätze wäre für uns nichts", sagt Vowles. "Die Aerodynamik-Entwicklung wäre nur ein kleiner Trostpreis im Vergleich zu dem Gewinn, wenn wir Zweiter werden würden."