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McLaren-Mercedes hätte Schumacher verpflichten können

Ferrari-Aushängeschild Michael Schumacher im "Silberpfeil": Undenkbar? In den 90er-Jahren wäre es beinahe dazu gekommen...

(Motorsport-Total.com) - Als frischgebackener Weltmeister-Manager begann Willi Weber im Frühjahr 1995 damit, für seinen Schützling Michael Schumacher um mehr Geld zu verhandeln. Relativ früh wurde klar, dass der Deutsche Benetton-Renault verlassen würde - und wenig später legte Niki Lauda die Rutsche zu Ferrari. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Norbert Haug und Michael Schumacher

Haug und Schumacher pflegen noch heute ein freundschaftliches Verhältnis Zoom

Nun hat jedoch McLaren-Teamchef Ron Dennis enthüllt, dass es Überlegungen gegeben hat, Schumacher zu den "Silberpfeilen", die damals noch in den rot-weißen Farben von 'Marlboro' unterwegs waren, zu holen: "Wir hatten die Möglichkeit, haben sie aber nicht genutzt", erklärte der Brite diese Woche gegenüber Journalisten. "Unsere gemeinsame Entscheidung war, dass das nicht das Richtige für unsere Firma ist."#w1#

Mercedes rückte die Marke statt den Fahrer ins Rampenlicht

Mercedes musste sich damals als deutscher Automobilkonzern die Frage stellen, ob es mehr Sinn macht, einen nationalen Superstar zu verpflichten und von dessen Popularität zu profitieren oder den nationalen Superstar mit weniger bekannten Piloten zu schlagen und die Marke in den Mittelpunkt zu rücken. Die Herren Jürgen Hubbert und Norbert Haug entschieden sich für die zweite Variante, obwohl Schumacher 1990 und 1991 Mercedes-Werksfahrer in der Sportwagen-WM gewesen ist.

Nachdem der inzwischen siebenfache Weltmeister 1996, 1997 und 1998 ohne Titelgewinn blieb, dachte er offenbar noch einmal ernsthaft über einen Wechsel zu den "Silberpfeilen" nach. In Monaco 1999 kam es zu einem von Schumacher initiierten Treffen mit Dennis, der jedoch kein konkretes Angebot unterbreitete, sondern sich lediglich auf unverbindliche Gespräche einließ. Ein paar Wochen später unterschrieb Schumacher wieder bei Ferrari.

"Ich glaube", sagte Dennis zu den damaligen Verhandlungen, "dass wir den Punkt hätten erreichen können, an dem er für das Team gefahren wäre. Aber wenn man jemanden fragt, 'Willst du für uns fahren?', und er dann 'Ja' sagt, muss man mit diesem Prozess voll einverstanden sein. Solange man diese Position nicht erreicht hat, kann man diese Frage nicht stellen. Es war eine lange Diskussion. Wir haben dann über unsere Standpunkte nachgedacht und überlegt, ob wir diese Frage stellen sollen. Soweit ist es aber nie gekommen."

Mika Häkkinen wurde als "Ersatz-Schumi" aufgebaut

Der Brite erklärte weiter, dass er diesen Beschluss heute wertfrei betrachtet und dazu steht, einer von mehreren Entscheidungsträgern gewesen zu sein. McLaren-Mercedes baute stattdessen Mika Häkkinen als Sympathieträger in Deutschland auf, was bis zu dessen Rücktritt blendend funktionierte. Darüber hinaus konnte man sich ohne Schumacher als "global Player" verkaufen. Und: Siege gegen Schumacher werden in der Szene durchaus höher eingeschätzt als Siege mit Schumacher.

Allerdings ist eine Einigung nicht nur aus sportlichen Gründen gescheitert, sondern auch an den Finanzen. Dennis hatte sich Anfang der 90er-Jahre auf einen 17,5-Millionen-Euro-Deal mit Ayrton Senna eingelassen, der das Budget beinahe gesprengt hätte. Schumacher hätte das Team ungefähr 25 Millionen Euro pro Jahr gekostet, was man sich nicht leisten wollte: "Ich erinnere mich daran, dass in den Überlegungen eine Rolle gespielt hat, dass wir Ayrton damals mehr gezahlt haben als wir uns leisten konnten."

Heute verdient Schumacher bei Ferrari geschätzte 30 Millionen Euro pro Jahr, zu denen noch einmal in etwa derselbe Betrag aus dem Merchandising und von persönlichen Sponsoren kommt. Außerdem wurde er seit seinem ersten Ferrari-Titel von den Italienern kontinuierlich als Botschafter für die Marke aufgebaut, weshalb ein Wechsel zu einem Team eines anderen Automobilherstellers eigentlich undenkbar ist. Aller Voraussicht nach wird der 36-Jährige seine Karriere bei Ferrari beenden.