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  • 04.07.2001 · 09:25

  • von Marcus Kollmann

McLaren-Chef Dennis denkt über Reifenwechsel nach

Das britische Team hat sich für das kommende Jahr noch nicht zwingend auf einen Reifenpartner festgelegt

(Motorsport-Total.com) - Mit der sich zunehmend abzeichnenden Konkurrenzfähigkeit der Michelin-Reifen werden auch die Meldungen über einen Wechsel des McLaren-Mercedes-Teams weg von Bridgestone, hin zu den französischen Pneus immer lauter.

Michelin und Bridgestone in der Formel 1

McLaren schwankt zwischen Bridgestone und Michelin als Reifenpartner

So erklärte Teamchef Ron Dennis unlängst an den Rennwochenenden und in der englischen Presse, dass man sich für das kommende Jahr noch nicht zur weiteren Zusammenarbeit mit Bridgestone entschlossen habe. Dies mag zum einen mit der stetig steigenden Leistungsfähigkeit der Reifen aus dem Hause Michelin zusammenhängen, zum anderen aber auch mit der teaminternen Situation.

So erklärten Mika Häkkinen und David Coulthard, dass man im Gegensatz zu den Vorjahren das Potenzial der japanischen Reifen nicht richtig ausnutzt und Ferrari diesbezüglich einen besseren Job täte. War McLaren-Mercedes einst das leistungsstärkste Team in der Formel 1 und augenscheinlich - zumindest von außen wirkte es so - der Liebling von Bridgestone, so scheinen die Bridgestone-Reifen mittlerweile besser zum Ferrari zu passen, wo man in den Jahren der Silberpfeil-Dominanz ebenfalls klagte, dass man das schwarze Gold aus Japan nicht so einsetzen würde wie die Konkurrenz es einem vormacht. Insofern haben sich die Rollen mittlerweile vertauscht.

Dies passt Ron Dennis, der nach Bekanntgabe von Goodyears Rückzug aus der Formel 1 nicht lange zögerte und die Zusammenarbeit mit den Amerikanern aufkündigte und als erstes Top-Team schon 1998 mit Bridgestone zusammenarbeitete, natürlich gar nicht. Den dieses Jahr mittlerweile auf 52 Punkte angewachsenen Rückstand in der Konstrukteursweltmeisterschaft überlegt man zumindest langfristig durch einen Wechsel des Reifenpartners wett zu machen, wenngleich Dennis bislang zum Thema Reifen folgende Meinung öffentlich kund tat: "Gegenwärtig haben wir noch keine Entscheidung über unseren Reifenpartner gefällt und dies wird sich noch hinziehen. Wir kennen Bridgestone aus der jahrelangen Zusammenarbeit sehr gut und haben ein gutes Verhältnis zu ihnen. Wir kennen die positiven und die nicht so positiven Eigenschaften ihrer Reifen", bemüht sich der Teamchef die Situation etwas zu entspannen.

Der Engländer, der der Überzeugung ist, dass der Wettkampf der Reifenhersteller untereinander gut für die Formel 1 ist, sieht derzeit aber keinen eklatanten Vorsprung von Bridgestone gegenüber Michelin oder vice versa: "Bei einem Rennen waren die Bridgestones sehr gut, beim anderen die Michelins. Es ist aber derzeit nicht so, dass ein Unternehmen bessere Arbeit leistet als das andere. Von Land zu Land und Rennstrecke zu Rennstrecke sehen wir Leistungsschwankungen und haben verschiedene Reifenmischungen für die Qualifikation und das Rennen", erklärt Dennis, weshalb die Entscheidung pro oder kontra einer weiteren Zusammenarbeit mit Bridgestone derzeit eine der schwersten Entscheidungen für ihn ist. Die Situation ist jetzt halt ganz anders als damals, als sich Goodyear aus der Formel 1 zurückzog und McLaren die sich bietende Chance erkannte uns als Erster zur "Konkurrenz" wechselte.

Beeindruckt sind die Formel-1-Teamchefs allemal von der Leistungsfähigkeit der französischen Pneus, welche im Regen zwar den Bridgestone-Reifen noch etwas hinterherhinken, jedoch bei trockener, warmer Rennstrecke schnellere Rundenzeiten als die der japanisch bereiften Teams ermöglichen. Und wenn ein Reifenhersteller - gerade einmal ein halbes Jahr wieder in der Königsklasse zurück -, mit dem Ziel regelmäßig Siege, Pole Positionen und Weltmeisterschaften zu holen, so engagiert und leistungsfähig in kurzer Zeit ist, dann rechnet sich auch ein Stratege wie Ron Dennis seine Vorteile genau aus. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Michelin mit McLaren ein weiteres siegfähiges Team zu den eigenen Partner zählen könnte und ein renommierter Rennstall wie der aus Woking auch dem Image zuträglich sein dürfte.

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