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  • 22.05.2008 · 09:23

  • von Marco Helgert

Marco Andretti fürchtet des Vaters Schicksal

Liebend gern würde Marco Andretti in der Formel 1 Erfolge einfahren, doch das Formel-1-Schicksal des "sabotierten" Vaters trübt seine Meinung

(Motorsport-Total.com) - Als 1993 Michael Andretti die Formel-1-Bühne betrat, wurde eine große Familientradition fortgesetzt. Der Sohn von Mario Andretti, Formel-1-Weltmeister 1978, kam gestählt aus der CART-Serie nach Europa. Seine Teamwahl aber war eher unglücklich. Er ging zu McLaren, die nach dem Honda-Rückzug nun auf Ford-Motoren angewiesen waren. Dass ausgerechnet Ayrton Senna sein Teamkollege war, half auch nicht unbedingt. Andretti jedenfalls ging im Formel-1-Becken unter, nach nur 13. Rennen war sein Ausflug in die Königsklasse beendet.

Marco Andretti

Marco Andretti würde sich nur zu gern in der Formel 1 beweisen

Nun steht mit Marco Andretti der Nächste in der familiären Linie am Start, um zu großen Ehren zu kommen. Auch der heute 21-Jährige saß bereits in einem Formel-1-Auto - bei Honda. Die Erfahrungen des Vaters lassen ihn jedoch vorsichtig agieren. Der junge Andretti ist überzeugt, dass seinem Vater vor 15 Jahren bei McLaren übel mitgespielt wurde - mit Absicht.#w1#

"Wenn man mich fragt, so war es Sabotage", erklärte er gegenüber 'AP'. "Sie wollten, dass er versagt. Die Realität war, dass ein Mika Häkkinen bereitstand. Er bekam viel weniger, als meinem Vater gezahlt wurde. Also mussten sie ihn schlecht aussehen lassen." Die Chance dazu bot die umfangreiche Fahrzeugelektronik, die 1993 noch erlaubt war.

"Sie stellten das Auto so ein, dass es elektronisch in den Kurven seltsame Dinge machte, Sachen, die außerhalb seiner Kontrolle lagen", fuhr Marco Andretti fort. Erst in Monza, beim 13. Saisonrennen, besserte sich die Situation. "Der größte Unterstützer meines Vaters war Ayrton Senna. Er war einer der wenigen, die wussten, was im Team wirklich passiert. In Monza sagte er: 'Gebt ihm mein Auto. Gebt ihm genau das, was ich hatte.'" Er wurde Dritter - und danach vor die Tür gesetzt.

Michael Andretti

Michael Andretti hatte 1993 in der Formel 1 keinen leichten Stand Zoom

Michael Andretti selbst wollte die Aussagen seines Sohnes nicht bestätigen - räumte sie aber auch nicht aus der Welt. "Ich möchte nicht auf alles eingehen. Sagen wir es so: Es war keine erfreuliche Erfahrung. Es war eine Zeit, in der ich in einer Art Kampf im Automobilsport gefangen war. Von daher war keine schöne Erfahrung."

Umso mehr reizt es jungen Andretti-Spross die Familienehre der Andrettis in der Formel 1 wiederherzustellen. "Für mich gibt es keine andere Mentalität, als die, dort rüberzugehen und zu gewinnen", erklärte er. "Das wäre eine größere Sache, als dort zu scheitern. Aber genau das ist es, worauf die Leute dort warten." Vor allem in Europa rechne man fest mit einem Scheitern des dritten Andrettis.

Doch für einen Wechsel muss es mehr geben als einen von Honda initiierten Formel-1-Test. Die IndyCar-Serie ist aber nicht gerade eine typische Formel-1-Feeder-Serie. "Wenn ich in Kentucky gewinne, kommt nicht gleich Ferrari an und sagt: 'Wir wollen dich!'", ist sich Andretti bewusst. "Aber ein Gewinn der Meisterschaft oder des Indy 500 könnte schon helfen."

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