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Marc Surer: Daniil Kwjat ist das Bauernopfer

Der Experte ist der Meinung, dass Red Bull nur einen Grund gesucht habe, um den Russen abzusägen und Max Verstappen zu befördern - Vorgehen sei trotzdem "fair"

(Motorsport-Total.com) - Die Strafversetzung von Daniil Kwjat von Red Bull zum Toro-Rosso-Team bleibt das Gesprächsthema Nummer eins beim Start der Europasaison der Formel 1 in Barcelona. Mit Spannung wird die Auftaktpressekonferenz zum Rennwochenende am Donnerstag um 15 Uhr erwartet. Dann wird sich Kwjat erstmalig nach seiner Degradierung den Medien stellen und dabei auch auf Max Verstappen treffen, der seinen Sitz bei Red Bull übernommen hat. Nach dem Cockpit-Tausch werden die beiden Zöglinge des österreichischen Getränkeherstellers das komplette Wochenende über besonders im Fokus stehen.

Daniil Kwjat

Die Versetzung von Daniil Kwjat zu Toro Rosso erhitzt weiterhin die Gemüter Zoom

Am Mittwoch, auf dem Flug nach Barcelona, verbreitete Kwjat schon mal demonstrativ gute Laune und streckte im Flugzeug neben Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost den Daumen nach oben. Wie es in dem Russen wirklich aussieht, darüber rätseln Fans und Experten - schließlich gibt es nicht wenige, die hinter der Fahrer-Rochade ein abgekartetes Spiel mit dem 22-Jährigen in der Opferrolle sehen. Zu ihnen zählt auch Experte Marc Surer. "Er ist in dem Fall das Bauernopfer, glaube ich", so die Meinung des Schweizers im Interview mit 'sky.de'.

Surer ist der Ansicht, dass die Red-Bull-Bosse den Fahrertausch von langer Hand vorbereitet hätten. "Mein Gefühl sagt mir, dass Red Bull nur auf so einen Vorfall gewartet hat. Sie haben schon lange geplant, Verstappen ins A-Team zu holen." Damit schließt sich der ehemalige Formel-1-Pilot der Ansicht von Mark Webber an. Der Ex-Teamkollege von Sebastian Vettel hatte ebenfalls gemutmaßt, die Red-Bull-Entscheider Helmut Marko und Christian Horner hätten den jungen Niederländer rechtzeitig vom Fahrermarkt nehmen wollen, ehe andere Teams die Fühler nach ihm ausstrecken.

Kann Kwjat seine zweite Chance nutzen?

"Es gab ja auch andere interessierte Teams, die an ihm dran waren", bestätigt Surer das Interesse von Rennställen wie Ferrari und Mercedes an Verstappen. "Deshalb hat Red Bull wohl nur einen Grund gesucht - und den hat Kwyat jetzt geliefert." Der TV-Experte spricht damit auf die verhängnisvolle erste Runde des Russen bei seinem Heim-Grand-Prix in Sotschi an, als er Ferrari-Star Vettel gleich zweimal ins Heck fuhr und dabei nicht nur das Rennen des Deutschen, sondern auch seines Red-Bull-Teamkollegen Daniel Ricciardo zerstörte.

Im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' begründete Marko die Degradierung Kwjats wie folgt: "Es war in erster Linie eine Maßnahme, um den Druck von Daniil wegzunehmen. Er hat bei weitem nicht die gleiche Performance wie vergangenes Jahr. Er war sehr inkonstant, hatte viele Aufs und Abs." Bei Toro Rosso solle der WM-Siebte des Vorjahres nun wieder in Form kommen und sich aufrichten, so Marko.

Wenngleich Surer stark an dieser Begründung zweifelt, kann er der Entscheidung dennoch etwas Gutes abgewinnen. "Es ist ja immerhin eine zweite Chance. Im Moment ist Toro Rosso außerdem mindestens so gut unterwegs wie Red Bull, da sie den besseren Motor haben. Und jetzt bekommt Kwjat bei Toro Rosso noch mal die Chance, zu zeigen, was in ihm steckt." Anders als viele Experten ist der 64-Jährige nicht der Meinung, dass die Karriere des Russen nachhaltig beschädigt ist.

"Wenn er mit dem Toro Rosso aufs Podium fährt, ist er wieder etabliert. Insgesamt ist die Entscheidung also fair. Sie hätten ihn ja auch einfach aus dem Team schmeißen können", sagt Surer. Ab dem Barcelona-Grand-Prix wird es für Kwjat also darum gehen, seine Formel-1-Laufbahn am Leben zu halten und sich mit starken Leistungen wieder für andere Cockpits zu empfehlen. Man darf gespannt sein, wie ihm das gelingt...