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  • 06.02.2015 · 20:17

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Manor stiftet Verwirrung: Strategiegruppen-Antrag gab es nie

Der Marussia-Nachfolger arbeitet nach Aussagen Graeme Lowdons an Autos für 2015: einem angepassten Vorjahresmodell und einem neuen Boliden

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Scheitern des Plans, ein an das neue Formel-1-Reglement angepasstes Auto aus dem vergangenen Jahr einzusetzen, hat Manor (wie sich Marussia mittlerweile nennt) die Hoffnung nicht aufgegeben, 2015 in der Startaufstellung der Königsklasse zu stehen. Am Freitag veröffentlichte das insolvente Team auf seiner 'Facebook'-Seite ein zweiseitiges Schreiben, in dem der Weg zurück skizziert wird. Überraschenderweise will Manor dabei exakt den Pfad beschreiten, der scheinbar versperrt ist.

Marussia Logo

Marussia nennt sich jetzt Manor, sorgt aber für noch viel mehr Chaos Zoom

Rückblende Donnerstag: Manor will von der Strategiegruppe bereits über die Erlaubnis, das Vorhaben umzusetzen, informiert worden sein. Für die Artikel 3.7.9 (Frontflügel), 15.4.3 und 15.4.4 (Abmessungen Monocoque) sowie 16.2. (Frontal-Crashtest) des Technischen Reglements hätte es sogar eine Ausnahmegenehmigung gegeben. In diesen Punkte hatte die FIA im Winter eingegriffen. "Das Team kann bestätigen, dass die Änderungen die Vorgaben erfüllt hätten", so das Statement.

Force India schob der konsensbedürftigen Sache in Paris jedoch einen Riegel vor, was Manor nicht akzeptieren und weiter kämpfen will: "Das Team ist bemüht, aktiv zu verfolgen, dass es dazu kommt", heißt es in dem im Stil eines Thesenpapiers verfassten Schreiben. Der Rest ist kryptisch: Zunächst sollen Informationen zusammengetragen und aufbereitet werden. Das Geld für das Comeback kommt von einem neuen Investor, zu dem sich Manor aber nicht näher äußern will.

Auch Ex-Caterham-Mitarbeiter wurden verpflichtet

Die Truppe verweist auf die Pressemitteilung des Insolvenzverwalters vom Mittwoch sowie auf vertrauliche Verhandlungen, bestätigt aber Gespräche zwischen den Geldgebern und "wichtigen" Formel-1-Institutionen. Mit dem Umbau der Autos wurde begonnen, auch eine Entwicklung für ein "echtes" neues Modell soll es geben: "Für das Team arbeitet eine beträchtliche Anzahl an Leuten an den Boliden von 2014 und 2015." Das nötige Personal soll sich aus früheren Marussia- und Caterham-Mitarbeitern rekrutieren. Wo die Arbeiten stattfinden, ist allerdings unklar.

Ex-Marussia-Sportdirektor Graeme Lowdon, der als Manor-Geschäftsführer auftritt, spielt auf einen Vergleich mit den Gläubigern an, den das britische Insolvenzrecht erlaubt. "Es war ein sehr guter Schritt, das CVA-Verfahren endlich in die Gänge bekommen zu haben", sagt er. Angeblich soll das in Kombination mit frischem Geld ein Ende der Zahlungsunfähigkeit am 19. Februar bringen. "Das erste Zeichen, dass wir aus der harten Arbeit etwas machen konnten", so Lowdon.

Auf Konfrontationskurs mit Force India

Graeme Lowdon, Bernie Ecclestone

Treffen sich Graeme Lowdon und Bernie Ecclestone wieder im Paddock? Zoom

Der Brite ist "überrascht" von den Aussagen des stellvertretenden Force-India-Teamchefs Robert Fernley, der erklärt hatte, Manor deshalb die rote Karte gezeigt zu haben, weil das Vorhaben nicht ausreichend dokumentiert worden sei. Es sei überhaupt nicht der Fall, dass man das Anliegen am Donnerstag überhaupt formal in die Strategiegruppe eingebracht hätte. Vielmehr arbeite Manor seit dem 17. Dezember an dem Projekt, das 2014er Auto auf einen akzeptablen Stand zu bringen.

"In den Aussagen war außerdem davon die Rede, dass Bedenken bezüglich der Regelkonformität zur Sprache gekommen wären, dass es an Substanz gefehlt hätte und dass keine Unterlagen dabei gewesen wären, die eine Sonderbehandlung rechtfertigen würden", erklärt Lowdon und betont: "Wir haben am Donnerstag aber doch gar keinen Antrag bei der Strategiegruppe eingebracht und wurden darum auch nicht gebeten." Er zeigt sich kämpferisch: "Wir unternehmen alles, um den Weg zu bereiten, 2015 zurückzukehren. Das sind fantastische Neuigkeiten für den ganzen Sport. Wir wollen einfach nur Motorsport betreiben."