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Manor: Indonesischer Paydriver könnte noch 2016 rausfliegen

Sportdirektor Dave Ryan erklärt, wieso Rio Haryantos Schicksal von der Regierung Indonesiens abhängt - Die Verbindung zu Mercedes sei eine "rein wirtschaftliche"

(Motorsport-Total.com) - Das ehemalige Formel-1-Schlusslicht und Armenhaus Manor hat sich zu einem Team gemausert, dass nicht mehr zwangsläufig auf den letzten Rängen herumgurkt, sondern auf bestimmten Strecken mit Renault und mit Sauber mithalten kann. Wie der Aufwärtstrend fortgesetzt werden soll, erklärt Sportdirektor Dave Ryan im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' - und lässt dabei durchblicken, dass Rio Haryanto noch in der laufenden Saison ausgetauscht werden könnte, wenn kein Geld mehr fließt.

Dave Ryan

Dave Ryan blickt trotz kleinem Budget zuversichtlich in die Zukunft Zoom

Frage: "Dave, sitzt Rio Haryanto für den Rest der Saison fest im Auto?"
Dave Ryan: "Das würden wir gerne sagen, es kommt aber auf die indonesische Regierung an. Das ist noch ein wenig offen, soweit ich das verstehe, aber die Zeichen stehen gut. Wir sind hoffnungsvoll. Er ist ein großartiges Teammitglied, und es wäre schön, wenn er bis zum Ende des Jahres im Auto sitzt."

Frage: "Und gibt es schon Überlegungen für die kommende Saison?"
Ryan: "Wir schauen immer auf den Fahrermarkt, sind aber mit unseren Fahrern absolut zufrieden. Beide leisten hervorragende Arbeit."

Frage: "Ferrari wollte mit seiner Bestätigung von Kimi Räikkönen Ruhe reinbringen. Ist es nicht besser, sich frühzeitig auf eine Paarung festzulegen?"
Ryan: "Je früher man es macht, desto besser. Manchmal ist es aber besser, es länger offen zu lassen. Im vergangenen Jahr konnten wir uns nicht früher entscheiden. Man muss die richtige Zeit abwägen und dann die richtige Entscheidung treffen."


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Frage: "Alle Teams müssen bereits auf die kommende Saison schauen. Wie sieht die Strategie bei Manor aus?"
Ryan: "Wie bei allen Teams ist es ein Balanceakt. Man muss einen Großteil der Ressourcen auf das kommende Jahr schieben. Wir haben aber ein paar Projekte in Planung, die bereits vor einiger Zeit gestartet wurden, also unabhängig vom Programm für 2017 kommen werden. In den kommenden Monaten schieben wir mehr Leute in Richtung des 2017er Programms, aber wir arbeiten noch an 2016."

Frage: "Einige behaupten schon, an 2018 zu denken..."
Ryan: "Wenn die Leute sagen, dass sie bereits für 2018 arbeiten, dann meinen sie, dass sie für 2017 arbeiten, gleichzeitig aber an 2018 denken. Es geht um den ersten Schritt und wie man ihn dann in den nächsten Schritt umwandelt. Bei uns gibt es aber derzeit keinen, der die Aufgabe hat, direkt an 2018 zu arbeiten. Es muss eines vor dem anderen kommen."

"Wer einen Windkanal baut, muss verrückt sein!"

Frage: "Im kommenden Jahr wird das Reglement deutlich anders aussehen. Kann das eine Chance für kleine Teams sein?"
Ryan: "Es ist eine große Veränderung. Man sollte meinen, dass die Teams mit großem Budget einen Vorteil haben, weil sie mehr Möglichkeiten besitzen, um diverse Dinge zu probieren, bevor sie CFD (Supercomputer zur Simulation; Anm. d. Red.) nutzen und in den Windkanal gehen. Aber wenn man gute Jungs hat, die eine tolle Arbeit leisten, dann hat man eine gute Chance, dass sie es gut hinbekommen. Einige werden es gut hinbekommen, andere hingegen nicht."

Pascal Wehrlein, Rio Haryanto

Pascal Wehrlein und Rio Haryanto mischen immer weiter vorne mit Zoom

Frage: "Das Team ist im vergangenen Jahr aus Banbury weggezogen. Wie sehen eure Anlagen jetzt aus? Womit arbeitet ihr? Einen eigenen Windkanal dürftet ihr ja nicht haben..."
Ryan: "Zuerst einmal: Wer seinen eigenen Windkanal baut, muss verrückt sein! Wir haben ein Arrangement mit Mercedes bezüglich des Windkanals. Wir sind erst in diesem Monat von McLaren zu Mercedes gewechselt und werden in ihrem Windkanal das Auto für 2017 testen. Wir glauben aber auch fest an CFD und stellen einige Leute ein, die sicherstellen, damit wir mit CFD den bestmöglichen Job machen. Es benötigt aber ein wenig Zeit, um das zu entwickeln."

Frage: "Gibt es keine Verbindung zu McLaren mehr?"
Ryan: "Wir benutzen einige vorgeschriebene Systeme (die Einheitselektronik; Anm. d. Red.) von ihnen, aber wir sind unabhängig und benutzen sonst nichts. Vielleicht gehen wir in der Übergangszeit noch einmal eine Woche in ihren Windkanal, aber mehr nicht."

Frage: "Ihr scheint dafür eine noch engere Verbindung zu Mercedes zu haben als etwa Force India. Sie gehen nicht in den Windkanal von Mercedes."
Ryan: "Wir haben eine rein wirtschaftliche Verbindung mit Mercedes. Für die Windkanalnutzung bezahlen wir. Wir kaufen ihren Antrieb und wir kaufen ihr Unterstützungspaket - so wie Williams. Als die Windkanalvereinbarung mit McLaren zu Ende war, hatten wir eine interne Diskussion und sind zu dem Schluss gekommen, dass Mercedes besser für uns ist. Es ist nur 20 Minuten entfernt von uns, logistisch ist es viel besser, und wir haben bereits bei den Motoren ein gute Verbindung zu den Motoren."

Manor will beim Personal kein Geld verschwenden

Frage: "Habt ihr auch den Toyota-Windkanal in Erwägung gezogen?"
Ryan: "Nein. Viele Teams nutzen den von Toyota. Man hat Probleme, einen Termin zu finden."

Frage: "Wie sehen eure Entwicklungsziele für die Zukunft aus?"
Ryan: "Die sind nicht anders als bei den anderen. Wir haben die gleichen Windkanalstunden wie alle anderen, und auch die gleichen CFD-Beschränkungen. Es liegt also an uns, das Maximum davon herauszuholen - was wir auch tun werden. Wir wollen unsere CFD-Einheiten maximal ausschöpfen. Bei der Herstellung haben wir das meiste ausgelagert, was für uns gut funktioniert. Ich sage nicht, dass es am Ende der richtige Weg ist, aber in unserer Lage ist Outsourcing das Richtige. Wir werden niemanden schlagen, nur weil wir mehr Leute anstellen. Wir müssen Dinge in gewissen Bereichen besser machen, indem wir uns darauf konzentrieren und die Vorteile daraus ziehen."


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Frage: "Was braucht es, um konstant Punkte zu holen? Neben Sauber seid ihr das Team mit der schlechtesten Punkte/Geld-Rate. Bei 71 Millionen Euro Budget habt ihr einen Punkt geholt - das macht 71 Millionen pro Punkt. Was müsst ihr investieren, um ins Mittelfeld zu kommen?
Ryan: "Das ist der falsche Ansatz, um darauf zu schauen. Es kostet schon Unmengen an Geld, um überhaupt dabei zu sein. Wir treten gegen seriöse Teams an, die viel Geld ausgeben. Natürlich kann man die Punkte und das Budget rechnen und sagen: Das sind die Kosten pro Punkt. Das ist vernünftig, aber es heißt nicht, dass wir zwei Punkte bekommen, wenn wir doppelt so viel Geld ausgeben."

"Wir müssen versuchen, das Geld effizienter als andere Leute auszugeben und das bestmögliche Resultat zu holen. Wir wollen nicht 150 Aerodynamiker engagieren und viele Maschinen kaufen, und dann ein Budget von 120 oder 130 Millionen pro Jahr haben. Das ist nicht gut, außer wir haben ein starkes Design- und Ingenieursteam, die uns ein Produkt liefern, das mit Sicherheit funktionieren wird. Wir brauchen keine 400 Leute."

"Wir wollen ein solides Mittelfeld-Team sein, das Platz sieben oder acht erreichen kann. Das wäre schon ein gutes Resultat. Wir müssen immer gut überlegen, wie wir unser Geld einsetzen, weil es schwierig zu bekommen ist. Natürlich hätten wir alle gerne ein paar Dinge, aber für uns funktioniert es derzeit. Wir wollen nicht 400.000 oder 500.000 für Schnickschnack ausgeben, der uns keine Rundenzeit bringt. Man muss sicher sein, dass etwas funktioniert."

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