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  • 19.10.2001 · 09:42

  • von Marcus Kollmann

Luciano Burti blickt auf 2001 zurück

Der brasilianische Rennfahrer resümiert seine unfallgezeichnete Saison und will bald wieder Rennen fahren

(Motorsport-Total.com) - Nach seinem Kurzeinsatz im Vorjahr beim Großen Preis von Österreich, wo er den unter mysteriösen Magenkrämpfen leidenden Jaguar-Stammpiloten Eddie Irvine kurzzeitig ersetzte, gelang es dem 26 Jahre alten Luciano Burti das Cockpit des sich aus der Königsklasse zurückziehenden Johnny Herbert bei den "Raubkatzen" zu sichern. Zu Gute kamen ihm nicht nur seine Leistung beim Rennen auf dem A1-Ring, wo er von Platz 21 in den Grand Prix gestartet und als respektabler 11. ins Ziel gekommen war, sondern auch seine Testfahrten mit dem Team, bei dem er seinen technischen Sachverstand bewies und sich für das zweite Cockpit empfahl.

Luciano Burti

Zu Prost wechselte Burti wegen seiner besseren Chance dort auch 2002 fahren zu können

2001 sollte dann die erste komplette Saison des Mannes aus Sao Paulo in der Formel 1 werden, doch es kam, was niemand im Vorfeld erahnen hatte können, am Ende alles anders.

So bestritt Burti nur die ersten vier Rennen des Jahres bei Jaguar Racing, wo er sich im teaminternen Duell vier Mal seinem erfahrenen Teamkollegen Eddie Irvine geschlagen geben musste. Während sein Abstand in der Qualifikation zum Großen Preis von Australien (1,8 Sekunden langsamer als Irvine) und Malaysia (0,895 Sekunden langsamer als der Nordire) relativ groß war, so betrug der Abstand in Brasilien und San Marino nur 0,179 beziehungsweise 0,180 Sekunden. Ein typisches Indiz dafür, dass der Brasilianer zunächst mit den Strecken kämpfte aber von Grund auf nicht allzu schlecht im Vergleich zu seinem Teamkollegen aussah. Und in der Tat war es dann auch Burti, der in der gemeinsamen kurzen Zeit mit Irvine, sich weniger Fahrfehler im Rennen leistete.

Nach dem überraschenden und plötzlichen Wechsel in das Team von Alain Prost, welchem Burti zustimmte, weil er dort langfristig die besseren Chancen hatte, denn Jaguar hatte Pedro de la Rosa für 2002 schon das zweite Jaguar-Cockpit versprochen, fand er in Formel-1-Altmeister und Routinier Jean Alesi einen neuen Teamkollegen und Mentor, welcher ihm im Laufe der Saison einige Dinge beibrachte.

Im Duell mit dem Franzosen zog sich der 26-Jährige wacker und am Ende stand es 5:3 für Alesi. Mal war der Brasilianer schneller als sein Teamkollege, mal war es andersherum. Die Punkte für Prost aber fuhr alle Alesi ein.

Nach dem Weggang Alesis bekam Burti mit Heinz-Harald Frentzen einen neuen Teamkollegen. Obwohl der Deutsche den Prost AP04 nur von einer Testfahrt her kannte, war er in Ungarn und Belgien in der Qualifikation dem Brasilianer überlegen. Und obwohl auf dem Hungaroring für beide Piloten nach Fahrfehlern frühzeitig Schluss war, war deutlich geworden, dass Frentzen für Burti ein anderes Kaliber als Alesi sein würde, was sich in Spa zu beweisen schien.

Negative Höhepunkte waren für Burti sein Unfall im 3. Freien Training zum Großen Preis von Monaco, als bei Tempo 270 die Bremsen versagten und er den AP04 in die Leitplanken setzte. Während das Auto stark beschädigt war, stieg Burti unverletzt, aber geschockt, aus. Der Rennstart auf dem Hockenheimring entwickelte sich für den 26-Jährigen ebenfalls zu einem Albtraum, denn er konnte dem in Fahrbahnmitte langsam rollenden Michael Schumacher auf Grund seines riesigen Geschwindigkeitsüberschusses nicht mehr ausweichen und stieg über eines der Hinterräder des Ferrari wie eine Rakete in die Luft. Burti drehte sich mehrere Male in der Luft und kam schließlich im Kiesbett zum Stehen. Lediglich mit einer schmerzenden Hand verlief dieser Unfall für den Brasilianer aber ebenfalls glimpflich.

Beim Großen Preis von Belgien hatte Burti dann aber das Glück kurzzeitig verlassen. Bei einem Überholmanöver seines Ex-Teamkollegen bei Jaguar Racing, Eddie Irvine, fuhr sich Burti bei rund 300 Stundenkilometern in einer Vollgas-Linkskurve den Fronflügel ab und krachte fast ungebremst in die Reifenstapel, welche ihn unter sich begruben.

Nach dramatischen Minuten des Bangens konnten die Ärzte aber Entwarnung geben, denn wie durch ein Wunder hatte der Brasilianer diesen Horror-Unfall in Anbetracht der Schwere seines Einschlages ebenfalls glimpflich überstanden. Rund eine gute Woche lang erholte sich der Mann aus Sao Paulo in einem belgischen Krankenhaus, bevor er anschließend nach Monaco und später in seine Heimat Brasilien zurückkehrte. Von dort aus zog er nun ein kurzes Resümee seines ersten Formel-1-Jahres.

"Es war wirklich ein kompliziertes Jahr, jedoch war ich mir der Schwierigkeiten die man als Anfänger in der Formel 1 hat bewusst. Zu Beginn der Saison wurde mir beigebracht, dass man für die Saison 2002 bei Jaguar schon Pedro de la Rosa angeheuert hatte, sodass ich mich nach einer Alternative umsah und dann zu Prost wechselte, wo ich glücklich war", beschreibt Burti auf seiner Homepage einen Schlüsselmoment seiner Saison 2001 und fährt fort. "In meiner gesamten Karriere bin ich nie in einen Unfall verwickelt gewesen, in diesem Jahr jedoch gleich in vier! Zuerst in Australien, dann in Monaco, später in Deutschland und dann in Belgien", so der Brasilianer ein wenig überrascht - und vermutlich auch geschockt - über solch eine Häufung an Situationen und Momenten die jeder Rennfahrer gerne vermeidet.

In seiner aktuellen Kolumne für das brasilianische Magazin 'Lance!' verriet er darüber hinaus, dass er viel lieber wieder Rennen fahren will als diese, so wie zuletzt geschehen, im Fernsehen ansehen zu müssen. Allerdings geht zunächst seine vollständige Genesung von den Unfallfolgen vor.

"Ich muss gestehen, dass ich es kaum noch erwarten kann wieder Rennen zu fahren. Ich denke schon jetzt ziemlich häufig daran und mein Wille, zurückzukehren, wird stärker und stärker", macht Burti seinen Fans Hoffnung auf seine Rückkehr in die Königsklasse.

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