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  • 09.09.2022 · 13:44

  • von Kevin Hermann, Co-Autoren: Adam Cooper, Filip Cleeren

Leclerc und Sainz erwarten erneute Windschatten-Spiele im Monza-Qualifying

Während Windschatten-Spiele im Italien-Qualifying erneut ein großes Thema werden könnten, sind es Wurstkerbs nach der Entfernung in der zweiten Schikane nicht mehr

(Motorsport-Total.com) - Charles Leclerc erwartet in Monza das übliche "Qualifying-Spiel", auch wenn der Windschatten-Effekt der Autos des Jahrgangs 2022 geringer ist als bei den Vorgängern. Auf der italienischen Strecke versuchen die Fahrer traditionell, im Qualifying auf den Geraden einen Windschatten zu bekommen und gleichzeitig eine optimale Lücke nach vorne zu schaffen, damit das vorausfahrende Auto sie in den Kurven nicht zu stark behindert.

Nico Hülkenberg, Charles Leclerc, Carlos Sainz, Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton, Valtteri Bottas

Windschatten-Chaos im Monza-Qualifying 2019 Zoom

Das hat manchmal zu kontroversen Situationen geführt, wie zum Beispiel 2019, als die Autos die Boxengasse für ihre letzten Läufe in Q3 zu spät verließen, alle sich zurückfallen ließen und mehrere Fahrer es nicht schafften, ihre Runden vor der karierten Flagge zu beginnen.

Leclerc sagt, dass man in diesem Jahr wahrscheinlich wieder ähnliche Situationen sehen wird, da der Windschatten immer noch wertvoll ist: "Ich denke, für das Qualifying wird es wahrscheinlich dasselbe sein. Auch wenn es dieses Jahr einen geringeren Effekt hat, ist es immer noch viel wert", sagt der über die Windschatten-Spiele.

Leclerc: Warum Überholen im Rennen "sehr schwierig" werden könnte

"Ich meine, die Fahrer werden immer auf das letzte bisschen im Qualifying setzen. Ich denke also, dass es im Quali immer schwieriger sein wird als im Rennen. Mit diesen Autos können wir im Mittel- und Hochgeschwindigkeitsbereich etwas näher dran sein, aber auf den Geraden ist der Windschatten natürlich auch etwas weniger wert."

"Abgesehen davon denke ich, dass es [im Rennen] sehr davon abhängen wird, ob es einen Zug von Autos mit DRS gibt. In dieser Situation wird es sehr, sehr schwierig sein, zu überholen. Wenn nicht, dann denke ich, dass es ziemlich einfach sein sollte."

Sainz: Qualifying-Chaos in Monza "Teil der Show"

Auch Leclercs Teamkollege Carlos Sainz rechnet im Qualifying mit einigen Dramen: "Ich denke, dass Windschatten-Spiele in Monza immer ein Thema sein werden", sagt der Spanier angesprochen auf die vergangenen Kontroversen im Qualifying. "Aber ich denke, es ist Teil der Show, Teil der Natur der Strecke, Teil der Qualifying-Taktik, die man in Monza hat."

"Auch wenn die Leute sagen, dass 2019 ein Chaos und eine Show war, stimme ich dem nicht zu, ich denke, es ist ein Teil des Racings. Es gab einfach eine Menge Leute, die es falsch gemacht haben, aber es gab auch welche wie mich, die es richtig gemacht haben!"

"Ich würde einfach sagen, dass dies ein Teil der Taktik und Strategie von Monza ist. Und ich denke, es ist ein Teil der Schönheit, hierher zu kommen, dass man sehr seltsame Qualifyings hat. Es ist auch gut, einmal so etwas zu sehen und ich gehe davon aus, dass es dieses Jahr wieder ähnlich sein wird. Die Autos sind immer noch sehr windschattenempfindlich, daher will man unbedingt einen haben."

Russell will Windschatten-Thematik in Fahrerbesprechung einbringen

Der Vorsitzende der Fahrergemeinschaft (GPDA), George Russell, räumt ein, dass das Thema Qualifying bei der Fahrerbesprechung am Freitagabend zur Sprache kommen könnte: "Es wird immer eine Herausforderung auf bestimmten Strecken sein", sagt der Mercedes-Pilot. "Zweifellos werden wir das diskutieren und versuchen, einen guten Kompromiss zu finden."

"Aber letztendlich will niemand der Erste sein, wenn wir alle auf der Strecke sind. Wenn man sich an die Deltazeit hält, wird die Boxengasse zu einem der gefährlichsten Punkte, weil alle so lange wie möglich warten. Das wird hier immer ein Problem sein. Vielleicht sollten wir zum Ein-Runden-Qualifying mit nur einem Auto zurückkehren!"

Russell stimmt zu, dass es sich in der Vergangenheit ausgezahlt hat, nicht zu nahe an das vorausfahrende Auto heranzufahren und dadurch Abtrieb zu verlieren, aber wenn man im Training das dichte Aufeinanderfahren nicht übt, werden die Fahrer nicht wissen, wie sich das Aero-Paket der 2022er-Autos auf das Hinterherfahren in Monza auswirken wird.


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"Das ist die Sache. Es geht in beide Richtungen", sagt er. "Ich denke, dass es in der Vergangenheit schon einige Male vorgekommen ist, dass ein Fahrer eine Runde alleine gefahren ist und von seiner Leistung überrascht wurde."

"Wir können alle den Geschwindigkeitsgewinn auf der Geraden messen, wenn wir im Windschatten fahren, aber es ist schwieriger, genau zu sagen, ob man ein halbes oder ein Zehntel oder gar nichts in einer Kurve verloren hat. Ich persönlich denke, dass das nicht das A und O sein wird. Und auf der Jagd nach dem perfekten Windschatten kann man viel mehr verlieren als gewinnen."

Wurstkerbs in Monza nach schweren Unfällen entfernt

Was in Monza jedoch kein Thema mehr sein wird, sind die Wurstkerbs, die in der Vergangenheit zu einigen großen Unfällen geführt haben. Die Formel-1-Piloten begrüßen die Entfernung der Wurstkerbs in der zweiten Schikane, obwohl Sergio Perez der Meinung ist, dass es "zu viele Zwischenfälle" brauchte, um sie loszuwerden.

2019 erlitt der Formel-3-Fahrer Alex Peroni eine Rückenfraktur, nachdem er am Ausgang der Parabolica über einen Randstein geschleudert wurde. Dieser wurde daraufhin für den Rest des Wochenendes entfernt, aber auf anderen FIA-Grad-1-Strecken weiterhin verwendet.

Beim letztjährigen Großen Preis der USA in Austin erlitten die W-Serie-Pilotin Abbie Eaton und der Formel-4-Fahrer Christian Weir Kompressionsfrakturen, nachdem ihre Autos über ähnliche Randsteine abgehoben waren.

Beim diesjährigen WEC-Rennen in Monza kam Henrique Chaves mit einem schweren Unfall davon, nachdem er mit seinem Aston Martin GTE-Auto in der zweiten Schikane die Wurstrandsteine getroffen hatte.

F1-Piloten: Racing könnte durch Entfernung der Kerbs besser werden

Diese Randsteine wurden nun auch vor dem Großen Preis von Italien an diesem Wochenende entfernt, nachdem sie von den Fahrern lange kritisiert worden waren. "Ich hatte das Gefühl, dass es ein bisschen zu viele Zwischenfälle brauchte, um sie zu entfernen", sagt Sergio Perez.

"Schon vor ein paar Jahren haben wir gesehen, wie gefährlich sie sein können", so der Red-Bull-Pilot am Donnerstag, der sich damit auf den schweren Peroni-Crash vor einigen Jahren bezog. "Glücklicherweise ist nichts Schlimmes passiert, aber es ist eine gute Sache, sie loszuwerden, denn sie können einen massiven Crash verursachen."


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Guanyu Zhou von Alfa Romeo sagt, dass die Entfernung auch dem Racing zugute kommen sollte, da die Autos nicht mehr Gefahr laufen, in die Luft zu fliegen, während sie Seite an Seite durch die engen Schikanen von Monza kämpfen.

"Natürlich machen die Wurstkerbs das Racing ziemlich schwierig, wenn man nebeneinander fährt - nicht nur für uns, sondern auch für die Rahmenserien", erklärt der Chinese. "In der Vergangenheit gab es in Monza ein paar Zwischenfälle, daher denke ich, dass es ein guter Schritt ist."

Warum die Kerbs in der ersten Schikane bleiben

Lewis Hamilton von Mercedes hebt infolge der Entscheidung ebenfalls den Daumen, während McLaren-Pilot Daniel Ricciardo hinzufügt: "Wir sind auf jeden Fall glücklich mit der Entscheidung."

Fahrer, die in der zweiten Schikane von Monza nicht auf der Strecke bleiben, sind gezwungen, eine spezielle Asphaltroute durch die Auslaufzone zu nehmen, um wieder sicher auf die Strecke zu kommen.

Die viel gescholtene erste Schikane, ebenfalls Schauplatz vieler Zwischenfälle in den vergangenen Jahren, hat immer noch Rüttelstreifen auf der Innenseite des linken Abschnitts, um Autos zu verlangsamen, die die erste Rechtskurve verpasst haben. Sie sind allerdings viel niedriger sind als die typischen Wurstkerbs und werden zudem mit einer geringeren Geschwindigkeit durchfahren.

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