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Kritik an neuen Reifen: Pirelli will Sepang-Einsatz durchboxen

Wieso die Piloten über die neuen Reifenkonstruktionen klagen, die in Spa und Monza getestet wurden, und wie Pirelli den Renneinsatz in Malaysia dennoch durchboxen will

(Motorsport-Total.com) - Pirelli macht Druck: Noch während der Saison will der italienische Reifenhersteller neue Reifenkonstruktionen einführen. Und das derzeit gegen den Widerstand der Teams. "Hauptziel dieses Reifens ist, dass er beim Kontakt mit externen Gegenständen widerstandsfähiger ist", erklärt Pirelli-Manager Mario Isola den Hintergrund.

Fernando Alonso

Auch Fernando Alonso testete in Monza die unmarkierten Prototyp-Reifen Zoom

Die italienischen Pneus sind seit jeher sensibel, was das Überfahren von Wrackteilen angeht, auch die Reifenplatzer in Spielberg wegen der Randsteine dürften Pirelli zum Handeln motiviert haben. In Spa und Monza lieferte man im Freien Training bereits eine neue Konstruktion der Soft-Mischung mit verstärkten Seitenwänden an die Teams aus, um erste Erfahrungswerte einzuholen.

Das Feedback war allerdings zwiespältig: Piloten klagen darüber, dass der Reifen nach links zieht, außerdem soll er weniger Grip bieten. Auf der langen Runde in Spa verliere man mit der neuen Konstruktion ganze acht Zehntel, beschwerte sich ein Fahrer.

Pirelli ratlos: Neue Reifen können kaum langsamer sein

Pirelli kann das nicht nachvollziehen, denn die neuen Pneus sollen laut Berechnungen genau gleich viel Grip bieten wie die alten. "Ich kann mir nicht erklären, warum die Rundenzeiten damit schlechter sein sollen, denn die Mischung ist genau die gleiche", wundert sich Isola.

Nach Monza wollen die Italiener ihre Daten analysieren, die Reifen werden ins Labor geschickt und untersucht. Wenn der Unterschied gering ist, dann will man an der Einführung der Reifen in Sepang festhalten, wenn er groß ist, "dann gibt es eine Auswirkung, die wir nicht in Betracht gezogen haben, und wir müssen den Reifen neu überdenken".

Doch die Zeit drängt: Ende nächster Woche muss die Entscheidung feststehen, damit Pirelli die Pneus noch rechtzeitig produzieren und per Luftfracht nach Sepang liefern kann. Der Grand Prix von Malaysia findet schließlich bereits in vier Wochen statt. Die bisher verwendeten Reifen sind bereits per Schiff auf dem Weg nach Asien.

Wie Pirelli das Veto der Teams umgehen kann

Eine Alternativlösung zur Einführung der neuen Reifen in Sepang gibt es laut Isola nicht: "Wenn wir den Reifen nicht in Malaysia bringen, dann zweifle ich daran, dass er überhaupt in diesem Jahr kommt." Wenn sich die Teams querlegen - Force India hat bereits ein Veto angekündigt -, dann bleibt Pirelli nur noch der Weg über die FIA: Man könnte die Einführung der neuen Reifenkonstruktion aus Sicherheitsgründen durchboxen, müsste sich aber den Vorwurf gefallen lassen, dass die bisherigen Pneus den Anforderungen nicht entsprachen.

Und das ist für Pirelli ein heikles Thema: Bereits die Aussagen von Sebastian Vettel nach dessen Reifenplatzern in Spielberg und im Vorjahr in Spa kamen im Hauptquartier der Italiener alles andere als gut an. Der Reifenhersteller fürchtet nichts mehr als einen Imageschaden.