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Kaltenborn fordert: FIA-Boss darf nicht länger zuschauen

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn erklärt, wieso nur die FIA die Kosten in den Griff kriegen kann, kritisiert die Medien scharf und findet die Formel 1 sehr attraktiv

(Motorsport-Total.com) - Nachdem man 2012 die Sensation im Fahrerlager war, erlebt Sauber 2013 ein schwieriges Jahr. Der C32 litt unter enormen Startschwierigkeiten - inzwischen hat man es aber geschafft, das Auto flott zu machen und wie im Vorjahr die Spitzenteams zu ärgern. Zudem musste man sich mit unangenehmen Nebengeräuschen herumärgern: Immer wieder flammten Spekulationen auf, das Team stehe knapp vor dem Bankrott, selbst als der Einstieg russischer Investoren bekanntgegeben wurde, hielten sich lange Zweifel, dass wirklich Geld in die Fabrik in Hinwil fließen würde.

Monisha Kaltenborn

Monisha Kaltenborn sieht die FIA in der Pflicht, die Kosten in den Griff zu kriegen Zoom

Am Ende reichte es den Verantwortlichen bei Sauber, und man stellte Mitte August in einer Pressemitteilung ""aufgrund von Falschmeldungen und Gerüchten in einigen Medien" klar, dass "die von uns angekündigte Zusammenarbeit mit russischen Partnern auf guten Wegen" sei.

Kaltenborn geht mit den Medien ins Gericht

Der weitere Saisonverlauf gab Sauber recht - die Truppe aus der Schweiz ist nicht nur nach wie vor am Start, sondern machte auch enorme technische Fortschritte. Währenddessen geriet das Lotus-Team ins Zentrum der Berichterstattung - auch dort soll ein enormes Loch im Teambudget klaffen. Sehr zum Missfallen von Teamchefin Monisha Kaltenborn. "In diesem Sport geht es um Wettbewerb, Sportler, elf Teams, die gegeneinander kämpfen. Eigentlich sollte das im Fokus der Berichterstattung stehen und nicht die finanziellen Probleme", kritisiert die Österreicherin gegenüber 'Richland F1' die Herangehensweise der Medien.

"Es gab Zeiten, als nur noch über die Finanzen gesprochen wurde und über nichts anders mehr", erinnert sie sich. "Das ist schlecht für unser Produkt, das sehr stark ist und gemeinsam mit den Olympischen Spielen und der Fußball-WM eine der stärksten Plattformen im Sport darstellt. Wir sollten so etwas also vermeiden, zumal das auch für uns nicht gut war und uns getroffen hat. Wahrscheinlich ist es aber eine größere Sensation, darüber zu schreiben. Dann kommt aber ohnehin die nächste Sensation, und man ist wieder mehr im Hintergrund."

Kein Wunder, dass Kaltenborn mit der Berichterstattung hadert, schließlich sorgt diese auch für Verunsicherung bei potenziellen Sponsoren. Tatsache ist aber, dass zumindest das halbe Feld mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert ist - die Lage spitzt sich nun zu, da 2014 die Motoren teurer werden, zudem sind zusätzliche Testfahrten geplant, die viel Geld verschlingen.

Kleine Teams von großen abhängig

Vor allem die kleinen Teams befinden sich in einer Zwickmühle: Sie sind durch die Motorendeals von den Herstellerteams abhängig, zumal Motorenrechnungen nicht immer zeitgerecht bezahlt werden können. Daher verhalten sie sich auch bei Abstimmungen über Reglementänderungen gegenüber ihren Partnern loyal, auch wenn diese dann zu ihren Ungunsten ausgehen.


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Die Situation wird dadurch erschwert, dass sich die FIA im Gegensatz zur Mosley-Ära aus der Thematik heraushält und den Teams die Möglichkeit überlässt, die Kostenfrage selbst zu regulieren. Mit bislang bescheidenem Erfolg, weil die Topteams Red Bull, Ferrari und Mercedes den Vorteil ihrer enormen Ressourcen und Belegschaft nicht aufgeben wollen.

Kaltenborns Appell an Hersteller und FIA

"Nirgends, wo viele Leute zusammen kommen, können sie die Situation selbst in den Griff bekommen", wundert sich Kaltenborn nicht. Sie sieht die FIA in der Pflicht: "Man benötigt immer eine Autorität an der Spitze - und meiner Meinung ist das die Aufgabe des Verbandes. Sie überprüfen die technische und die sportliche Seite, sie sollten sich also auch die finanzielle Seite ansehen."

Für die Sauber-Teamchefin ist der Status quo nicht akzeptabel: "Es kann nicht sein, dass wir die Gefahren sehen, und nur die, die das Geld haben, am Sport teilnehmen können. Auch unser Image lebt von der Vielfalt. Ich bin davon überzeugt, dass man dieses Image und die Prominenz mit nur vier Teams nicht aufrecht erhalten könnte - daher braucht man daher die kleineren Teams. Das gefällt den Fans, und am Ende geht es selbst für die Konzerne nur um die Fans, denn sie sind die Zielgruppe."

Kaltenborn hofft, dass die FIA bald mit Taten glänzt und für Abhilfe sorgt: "Es ist nicht schwer, etwas zu ändern, aber man benötigt eine Autorität dazu. Wir haben einige Grundprinzipien entwickelt und diese der FIA übergeben. Ich hoffe, dass die FIA diesbezüglich nach den Wahlen eine aktive Rolle einnimmt."

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