powered by Motorsport.com
  • 21.03.2011 · 12:28

Herausforderer kämpferisch: "Der Pokal gehört mir!"

Red-Bull-Herausforderer Fernando Alonso spuckt eine Woche vor dem Saisonauftakt große Töne - Optimismus bei Ferrari größer als bei McLaren

(Motorsport-Total.com/SID) - Nach dem vergebenen "Elfmeter ohne Torwart" sinnt Ferrari auf Rache und Revanche: Dem schillerndsten und traditionsreichsten aller Formel-1-Rennställe schien die WM-Krone für Fernando Alonso kaum zu nehmen, doch durch ein Taktikdesaster gaben die Ferraristi ihn noch aus der Hand. 2011 wollen Alonso und Co. nun Sebastian Vettel wieder vom Thron stoßen, die Vorbereitung lief im Gegensatz zum anderen frustrierten Verfolgerteam McLaren mit den beiden Ex-Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button vielversprechend.

Jenson Button und Fernando Alonso

Ferrari und McLaren wollen Red Bull den WM-Titel wieder abspenstig machen

Die Briten äußern sich daher sehr vorsichtig, die Kampfansagen aus Maranello sind dagegen deutlich. "Nach dem berühmten Elfmeter ohne Torwart in Abu Dhabi streben wir sehr nach einer Wiedergutmachung", sagt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. "2011 werden wir wieder die Sieger sein. Wir sind auf Rache aus und wollen beide Titel", tönt Teamchef Stefano Domenicali. Und auch Alonso übt sich nicht gerade in Zurückhaltung: "Die Erwartungen sind dieselben wie in jedem Jahr. Ich will um beide Titel kämpfen."

Harte Arbeit und teilweise schmerzhafte Änderungen sollen für die Rückkehr des Erfolgs sorgen. Während der Tests spulte Ferrari die mit Abstand meisten Kilometer aller Teams ab und schien dabei knapp hinter Red Bull, aber vor dem restlichen Feld zu liegen. Zudem richtete das Team laut Domenicali eine "strategische Behörde" ein und holte unter anderem den Engländer Neil Martin als neuen Chefstrategen von Red Bull. Der bisherige Chefrenningenieur Chris Dyer, einst bei Ferrari Renningenieur von Rekordweltmeister Michael Schumacher, wurde entmachtet und teamintern durch Pat Fry ersetzt.

Ferrari sieht Fehler ein

"Wir haben die Meisterschaft verloren, weil wir Fehler gemacht haben. Es gab Schwierigkeiten in der Mannschaft, die man nicht leugnen kann", sagt Domenicali und sieht die Schwierigkeiten als behoben an. Auch Alonso wird deutlich: "Wir haben es im vergangenen Jahr nicht geschafft, weil wir Entscheidungen getroffen haben, die nicht richtig waren." Dem Spanier, der nach einer tollen Aufholjagd über die halbe Saison mit acht Punkten Vorsprung ins Saisonfinale gegangen war, war der geringste Vorwurf zu machen.

Was ihn nach Abu Dhabi "wirklich aufgebaut hat, war die Reaktion in der Fabrik in Maranello. Die Leute haben mir trotz der Niederlage sehr viel Respekt entgegengebracht, erschienen mir extrem motiviert und kampfbereit. Das hat mir imponiert", berichtet der Ex-Champion in der 'Welt am Sonntag'. "Hilfreich bei der Bewältigung war auch, dass ich Erfahrung im Verlieren von WM-Titeln in einem Entscheidungsrennen habe. Viermal entschied sich in meiner Karriere alles im letzten Rennen. Zweimal habe ich verloren - einmal mit McLaren, jetzt mit Ferrari -, zweimal habe ich mit Renault gewonnen. Macht unter dem Strich keine schlechte Bilanz, oder? Warum sollte ich traurig sein?"

¿pbvin|512|3509||0|1pb¿Außerdem ist die WM-Niederlage von Abu Dhabi für ihn "auf jeden Fall" Motivation, dieses Jahr zurückzuschlagen: "Es gibt für mich keine Form von Sattheit, wenn ich gewinne. Wie soll ich mich da erst fühlen, wenn ich verliere? 2011 will ich die Revanche für letztes Jahr. Der WM-Pokal gehört am Ende dieses Jahres mir und so wird es 2012, 2013 und all die anderen Jahre sein. Ein anderes Ziel habe ich nicht." Und weiter: "Wenn du für Ferrari fährst, rückst du automatisch in eine Position, in der es nichts anderes gibt als den Titel. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz."

Hat McLaren nur geblufft?

Vorwürfe mussten sich auch die beiden britischen McLaren-Piloten nicht machen. Obwohl das Auto nicht perfekt lief, hatte Hamilton 2010 bis zum letzten Rennen theoretische Chancen auf den Titel, Button immerhin bis zum vorletzten. Gemeinsam sicherten sie dem Traditionsteam hinter Red Bull Rang zwei in der Konstrukteurswertung.


Fotos: McLaren, Testfahrten in Barcelona


Mit der humorvollen Präsentation des neuen MP4-26 in Berlin - der neue Bolide wurde vor staunenden Passanten am Sony-Center zusammengeschraubt - punktete McLaren vor Saisonbeginn. Schön ist das neue Auto geworden, das Hamilton "Lady" und Button "Baby" nennt. Die Stimmung zwischen den beiden Ex-Champions ist kollegial. Auf der Strecke hinken die Briten bisher aber deutlich hinterher.

"Wenn man sich die Kilometerleistung von Red Bull oder Ferrari anschaut, dann liegen wir meilenweit zurück", seufzt Button. Doch Alonso, selbst ein Meister der Psychospielchen, wittert dahinter eine Finte: "Vielleicht hatten sie erwartet, deutlich vor den anderen zu sein, und sehen sich jetzt nur auf dem Niveau der Besten", sagt er schmunzelnd. "Ganz bestimmt ist McLaren kein Team, das um Platz zehn kämpfen wird. Die werden ganz nahe am Podest sein."