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Hamilton gewinnt Heimrennen in Silverstone

Rennabbruch in Silverstone, Kimi Räikkönen aber zum Glück nicht schwer verletzt - Riesenjubel um Sieger und WM-Profiteur Lewis Hamilton

(Motorsport-Total.com) - Zum zweiten Mal nach 2008 hat Lewis Hamilton heute seinen Heim-Grand-Prix gewonnen. Der Mercedes-Pilot sicherte sich den Sieg in Silverstone vor Valtteri Bottas (Williams) und Daniel Ricciardo (Red Bull). Tragischer Held des Nachmittags war Nico Rosberg (Mercedes), der in Führung liegend ausschied.

Rosberg hatte den Start souverän gewonnen und lag auch nach der Unterbrechung des Rennens voran, als er erstmals am Funk Probleme meldete. "Ich habe es schon relativ früh gemerkt, so in der 21. Runde zum ersten Mal. Dann kam das zweite Mal und dann ist es komplett ausgefallen", berichtet er. "Bis dahin hat es sich ganz gut angefühlt, es war eigentlich alles soweit unter Kontrolle." Immerhin: In der Weltmeisterschaft liegt er weiterhin in Führung.

Hamiltons Aufholjagd vom sechsten Startplatz dauerte nicht lange: Gleich am Start gewann er zwei Positionen, ein paar Runden später war er dann auch an den McLaren-Fahrern vorbei und konnte sich an Rosbergs Fersen heften. Der Abstand betrug zunächst 5,6 Sekunden, schrumpfte aber mit jeder Runde um ein paar Zehntelsekunden - und im Vergleich zu Rosberg fuhr er einen längeren ersten Stint, der womöglich auch eine Einstoppstrategie ermöglicht hätte.

Emotionaler zweiter Heimsieg nach 2008

Sebastian Vettel, Fernando Alonso

Sebastian Vettel und Fernando Alonso lieferten sich das Duell des Rennens Zoom

"Es sind irgendwie wilde Emotionen derzeit", jubelt Hamilton. "Das sind die besten Fans der Welt, die mich zum Sieg getragen haben! Am Start hatte Nico einen guten Vorsprung, ich habe mich zunächst darauf konzentriert, die Reifen zu schonen. Anschließend habe ich aufholen können. Mit den härteren Reifen habe ich eine Sekunde pro Runde auf ihn gutmachen können. Ich konnte gar nicht fassen, dass ich ein solches Tempo gehen kann."

Hamiltons Heimsieg war für das 120.000 Mann starke Publikum versöhnlich, denn dessen Geduld war zunächst arg strapaziert worden. Kimi Räikkönen (Ferrari) kam ausgangs des Aintree-Komplexes ins Gras und schleuderte so unglücklich über die Strecke, dass der schlecht gestartete Williams-Pilot Felipe Massa nicht mehr ausweichen konnte. Räikkönen verletzte sich dabei am Sprunggelenk, konnte das Medical-Center aber noch während des Rennens verlassen.

"Es war ein ziemlich heftiger Unfall", sagt Massa über den 43g-Einschlag seines früheren Teamkollegen. So heftig, dass die Leitplanken beschädigt wurden, was eine rund einstündige Unterbrechung nach sich zog. Man of the Race war dann in der Frühphase Fernando Alonso (Ferrari), der fantastische Überholmanöver ablieferte und sich langsam nach vorne arbeitete. Am Ende ging es für den Spanier um den fünften Platz.

Funk-Scharmützel zwischen Vettel und Alonso

Nico Rosberg

Nico Rosberg lag bis zu seinem Ausfall wegen Getriebeschaden in Führung Zoom

Sein Gegner war Sebastian Vettel - und das Duell der beiden sehenswert: Schon auf Höhe Woodcote war der Deutsche neben dem Spanier, aber der ließ stehen. Bei 300 km/h rollten sie Rad an Rad auf die superschnelle Copse-Rechtskurve zu - bis Alonso zurückzog, während Vettel knallhart stehen ließ. Bis dahin hatten sich die beiden auch via Funk bekämpft: Vettel klagte, dass ihm Alonso keinen Platz lasse, während der Ferrari-Star einen unerlaubten DRS-Einsatz unterstellte.

"Es hat Spaß gemacht. Es ist ein respektvoller Kampf, und ich hoffe, die Leute hatten Spaß", sagt Alonso. Auch Vettel möchte die Funk-Scharmützel im Nachhinein nicht überbewertet wissen: "Ich habe die ganze Zeit lachen müssen. Ich wusste genau, dass er kräftig funkt, als ich die Erinnerung bekam, dass ich die Streckenlimits doch bitteschön einhalten soll. Da habe ich mir gedacht: 'Na gut, dann mache ich eben das Gleiche'."

Vettel rettete den fünften Platz ins Ziel, musste sich im teaminternen Red-Bull-Duell aber wieder geschlagen geben. Daniel Ricciardo, ursprünglich auf einer Zweistoppstrategie, sparte sich den zweiten Stopp und behielt so den dritten Platz hinter Valtteri Bottas (Williams), der zum zweiten Mal hintereinander auf das Podium fuhr. Vierter wurde Jenson Button (McLaren), dessen Reifen um 13 Runden frischer waren als jene von Ricciardo.

Button knapp am Podium vorbei

Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen blieb bei der Kollision mit Felipe Massa zum Glück unverletzt Zoom

Am Ende trennten die beiden 1,2 Sekunden. "Ich denke, noch eine Runde wäre schwierig gewesen, denn Jenson kam immer näher", freut sich der Red-Bull-Pilot. "Ich bin sehr glücklich mit dem Podium." Button hätte es beinahe geschafft, erstmals in seiner Karriere in Silverstone aufs Treppchen zu steigen, doch McLaren war nach der starken Anfangsphase mit den Positionen zwei und drei letztendlich zu langsam. Kevin Magnussen wurde gar nur Siebter.

Unmittelbar vor Nico Hülkenberg (Force India), Daniil Kwjat und Jean-Eric Vergne (beide Toro Rosso), die die Punkteränge komplettierten. Sergio Perez (Force India) schrammte nach schlechtem Start an einem zählbaren Erfolg vorbei, ebenso wie Adrian Sutil (Sauber), der über Bremsprobleme klagte und 13. wurde. Am Ende waren aufgrund diverser Ausfälle übrigens nur noch 16 von 22 gestarteten Autos auf der Strecke unterwegs.


Fotostrecke: Gutierrez hebelt Maldonado aus

Neben Rosberg, Räikkönen und Massa schieden auch Esteban Gutierrez (Sauber) und Marcus Ericsson (Caterham) aus. In der Schlussphase blieb noch Pastor Maldonado (Lotus) stehen. Für die Fahrerwertung bedeutet das heutige Ergebnis, dass Hamilton bis auf vier Punkte an Rosberg herangekommen ist. An dritter Stelle liegt Ricciardo; Titelverteidiger Vettel ist nur Sechster. Bei den Konstrukteuren führt Mercedes vor Red Bull und Ferrari.

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