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  • 06.10.2014 · 22:27

  • von Timo Pape

Häkkinen: Kopfverletzungen brauchen viel Zeit

Ex-Formel-1-Fahrer Mika Häkkinen erinnert sich an seine schwere Kopfverletzung 1995 und erklärt die medizinischen Schritte, die Jules Bianchi bevorstehen

(Motorsport-Total.com) - Mika Häkkinen erlebte 1995 seinen schlimmsten Unfall, als er in Adelaide seitlich in die Reifenstapel krachte und sich schwere Kopfverletzungen zuzog. Nach diversen Behandlungen und einer Zeit lang im Koma erholte sich der Finne und kehrte im folgenden Jahr in die Formel 1 zurück, wo er später sogar noch zwei Weltmeisterschaften mit McLaren gewann. Bei 'ServusTV' zieht er die Parallele zum Schicksal von Jules Bianchi und gibt zu bedenken, dass Kopfverletzungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind.

Mika Häkkinen

Mika Häkkinen erlitt nach einem Unfall 1995 ebenfalls schwere Kopfverletzungen Zoom

"Kopfverletzungen sind eben Kopfverletzungen", meint Häkkinen und holt aus: "Wenn sich jemand am Kopf verletzt, dann ist das immer schwerwiegend. Von so einem Unfall erholt man sich nie von heute auf morgen. Wir haben im Moment natürlich nur wenige Informationen, was am vergangenen Wochenende genau passiert ist mit Jules Bianchi. Deshalb ist es schwierig, jetzt viel dazu zu sagen. Meine persönliche Erfahrung ist auf jeden Fall, dass er schrecklich war."

Der Champion von 1998 und '99 geht nicht davon aus, dass Bianchi allzu schnell wieder im Rennwagen sitzen wird: "Wenn du so einen Unfall hast und schwere Kopfverletzungen davonträgst, dann brauchst du danach viel Zeit zur Genesung. In meinem Fall hat es sehr lange gedauert, weil ich eine Schädelfraktur hatte." Zwar hat Bianchi die nicht, allerdings kämpft der 25-Jährige mit einem Hämatom: "Die Ärzte müssen erst einmal den Druck im Kopf reduzieren, die Schwellung des Gehirns muss behandelt werden. Das ist der erste Schritt."

"Wenn du so eine Verletzung hast, müssen die Ärzte im Prinzip deine gesamten Systeme checken, weil dein Gehirn ja alles steuert." Mika Häkkinen

Im Anschluss muss der gesamte Körper auf seine Funktionalität hin überprüft werden, erklärt Häkkinen: "Wenn du so eine Verletzung hast, müssen die Ärzte im Prinzip deine gesamten Systeme checken, weil dein Gehirn ja alles steuert. Da werden ganz viele Tests gemacht, um zu sehen, ob alles wieder normal funktioniert. Das ist nicht besonders angenehm - ganz und gar nicht schön -, aber da musst du durch."

Bianchi musste nach seinem Unfall über den Landweg in ein Krankenhaus transportiert werden, das gut eine halbe Stunde von der Rennstrecke entfernt liegt. Bei Häkkinen verstrich vor gut 19 Jahren nicht so viel Zeit: "Ich hatte damals sehr viel Glück, weil die Ambulanz sehr nah an der Kurve war, wo mein Unfall passiert ist. Und das Krankenhaus war gerade einmal fünf Minuten weg und zudem spezialisiert auf Hirnverletzungen. Die Ärzte waren sehr qualifiziert, und auch die ganze Ausstattung, die du bei so einer Verletzung benötigst, war bestens", erinnert sich der 46-Jährige.


Fotostrecke: Unfall von Jules Bianchi

Auch wenn er damals selbst das Opfer war, kann er sich ausmalen, wie schlimm die Situation in diesen Stunden für alle sein muss, die dem Marussia-Piloten nahestehen: "Man muss sagen, dass das eine furchtbare Sache ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie es jetzt der Familie, den Freunden, dem Team und auch den Fans von Jules Bianchi gehen muss. Das ist eine ganz schreckliche Situation", so Häkkinen.