powered by Motorsport.com
  • 07.11.2015 · 09:18

  • von Ryk Fechner

Gene Haas: Wollten gar keinen Weltmeister verpflichten

Beim Formel-1-Team Haas untermauert man erneut, weswegen Grosjean und Gutierrez die Cockpits für 2016 bekamen - Kampfansage in Richtung Partner Ferrari

(Motorsport-Total.com) - Mit seiner Entscheidung, Noch-Lotus-Pilot Romain Grosjean sowie Ferrari-Testfahrer und Grand-Prix-Rückkehrer Esteban Gutierrez für die Formel-1-Saison 2016 zu verpflichten, scheint Motorsport-Mogul Gene Haas mehr als glücklich zu sein. Sicherlich hätte der US-Amerikaner gerne klanghaftere, medienwirksamere Namen an Bord gehabt, doch als realistisch stufte er diese Option von vornherein nicht ein.

Gene Haas

Haas betrachtet Ferrari als Partner in der Technik und als Gegner auf der Strecke Zoom

"Als ein neues Team erwartest du nicht, aktuelle Champions einzustellen. Und danach haben wir auch nicht gesucht", verriet er gegenüber 'Formula1.com'. "Wir haben nach Leuten gesucht, die mit uns auf einer Wellenlänge sind, und sowohl Romain als auch Esteban passen in unser spezielles Profil", so Haas, der kürzlich verlautbaren ließ, dass der bei McLaren ausgemusterte Testfahrer Kevin Magnussen gegen Grosjean den Kürzeren zog. "Ich bin sicher, dass beide sehr hungrig sind und das Super-Ego dieser Superchampions haben", fährt Haas fort.

Dabei lässt Haas durchblicken, wie groß das gegenseitige Vertrauen vor allem zu Grosjean ist. Der Franzose bezeichnete seine Vertragsunterzeichnung als "Handschlag-Deal", der in Monza zustandegekommen sei. "Ja, das war in Monza", so Haas. "Davor hatten wir einen Monat lang Gespräche mit einem anderen Fahrer, den ich namentlich nicht nennen will, der sich am Ende dazu entschied, zu bleiben wo er ist", spielt er womöglich auf Nico Hülkenberg an.

"Wir denken, dass unser Chassis in manchen Punkten besser als ein Ferrari-Chassis ist." Gene Haas

Im Zuge dessen stellte er klar, dass man sich nicht als Ferrari-Junior-Team sieht. Zwar gäbe es eine Technikkooperation, bei der nebst Antriebsstrang "Getriebe, Aufhängung und Stoßdämpfer" von den Roten aus Maranello kämen, doch kleiner Bruder möchte man nicht sein. "Wenn wir da draußen sind, möchten wir sie schlagen. Wir würden nicht zurückstecken. Aber natürlich wäre es nicht schlecht, in jedem Rennen (direkt; Anm. d. Red.) hinter ihnen anzukommen", lacht er: "Das wäre nicht schlecht. Eine technische Partnerschaft ist die eine Sache, Rennen fahren eine andere."


Fotostrecke: Top 10: One-Hit-Wonder der Formel 1

Langfristig sieht er sich und sein Team, das 2016 nicht mit Vorjahrestriebwerken der Saison 2015 beliefert wird, in einer guten Position. Zum einen mische das Regelwerk 2016 die Karten neu, zum anderen verfolge man beim Chassis einen ganz anderen Ansatz, wie er gegenüber 'Sky UK' betont: "Wir betreiben unsere eigene CFD-Computer-Analyse, arbeiten dort auch viel mit Dallara zusammen und bauen die Teile selbst. Ich weiß nicht, warum wir darin nicht so gut sein sollten wie jeder andere auch", lobt er seine Mannschaft in Kannapolis.

"Wir denken, dass unser Chassis in manchen Punkten besser als ein Ferrari-Chassis ist", ist der 62-Jährige überzeugt. "Das Ferrari-Design ist eher konventionell. Sie werden weiterhin das tun, was sie schon seit Jahren machen. Ich denke, dass es einige große Unterschiede geben wird."