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Franz Tost: Was einen erfolgreichen Fahrer ausmacht

Als Teamchef von Toro Rosso führt Franz Tost junge Talente an die Formel 1 heran - Dabei gibt es einige Faktoren, die einen künftigen Weltmeister ausmachen

(Motorsport-Total.com) - Vor dem Grand Prix von Österreich verlängerte Toro Rosso den Vertrag mit Carlos Sainz. Der Spanier wird 2017 seine dritte Saison im Juniorteam von Red Bull fahren. Offen ist, ob Daniil Kwjat bleiben wird. Der Rennstall ist eigentlich dafür gedacht, neuen Talenten eine Chance zu geben und sie für größere Aufgaben im Hauptteam vorzubereiten. Viele Fahrer sind bereits zu Toro Rosso gekommen und für viele endete auch die Formel-1-Karriere. Mit Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und Max Verstappen bildete Toro Rosso Grand-Prix-Sieger aus.

Carlos Sainz

Toro Rosso entstand aus dem Minardi-Team und ist seit 2006 in der Formel 1 Zoom

Doch welche Voraussetzungen muss ein junger Fahrer mitbringen, um bei Toro Rosso eine Chance zu erhalten? "Je größer seine Fähigkeiten und sein Talent sind, desto schneller lernt er diese Aspekte", meint Teamchef Franz Tost und geht ins Detail: "Wie lange braucht er, um sich an das Auto zu gewöhnen und sich im Team einzuleben? Versteht er Unter- und Übersteuern und was sind die Gründe dafür."

"Zunächst geht es um die mechanische Seite. Woher kommt der mechanische Grip, wie arbeiten die Federn, die Dämpfer, die Reifen und die Reifentemperatur zusammen? Wie schnell bekommt ein Fahrer diese Dinge auf die Reihe, um den mechanischen Grip zu optimieren. Der nächste Schritt ist die Aerodynamik, denn der Fahrer muss ein Gefühl für diese Aspekte bekommen", nennt Tost das Grundhandwerk eines Rennfahrers.


Fotostrecke: Alle Toro-Rosso-Präsentationen

Ganz entscheidend für den Österreicher ist die Einstellung eines Fahrers zu seiner Arbeit: "Wenn ein Fahrer nicht zu 100 Prozent den Motorsport lebt, wird er nicht erfolgreich sein. Er muss Tag und Nacht für den Sport leben, 356 Tage pro Jahr, wenn er erfolgreich sein will. In diesen Punkten sehe ich Unterschiede zwischen den Fahrern. Wer zeigt mehr oder weniger Einsatz? Das sind für mich die ersten Anzeichen, ob ein Fahrer es schafft oder nicht."

Franz Tost

Der Österreicher Franz Tost leitet die Geschicke des Juniorteams Zoom

Tost nennt für die richtige Einstellung ein berühmtes Beispiel: "Michael Schumacher gewann am Sonntag das Rennen. Von Mittwoch bis Freitag testete er in Mugello und am Wochenende ist er Kart gefahren. Das ist einer der Gründe, warum er sieben Mal Weltmeister war. Er hatte 100 Prozent Einsatz für den Sport. Die Disziplin ist ein weiterer Faktor. Damit meine ich nicht, dass ein Fahrer pünktlich zu einem Meeting erscheint. Es geht um seinen Lebensstil, seine Ernährung und sein körperliches Training."

"Wenn er Rennen und WM-Titel gewinnen will, muss er zur richtigen Zeit im richtigen Team sein. Er muss mit den Ingenieuren diszipliniert umgehen und auch im Auto diszipliniert sein. Das bedeutet, dass er das Auto zum Beispiel im Qualifying nicht überfährt. Reifenmanagement ist heute eine wichtige Sache", führt Tost weitere Aspekte auf. Umsicht und Weitblick sind entscheidend, um im Haifischbecken Formel 1 weiterzukommen.

"Ein Fahrer muss Ideen haben und wissen, was er in Zukunft machen will. Er muss sich während seiner Vorbereitung einen Vorteil gegenüber den Gegnern verschaffen. Dabei geht es um seine körperliche Vorbereitung, die Abstimmung des Autos und die Arbeit mit seinen Ingenieuren. Wenn ein Fahrer erfolgreich sein will, muss er egoistisch sein. Alle diese Faktoren zusammen ergeben ein klares Bild, ob ein Fahrer erfolgreich sein wird oder nicht. Das galt vor zehn Jahren genauso wie heute."