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  • 08.06.2001 · 10:27

  • von Marcus Kollmann

FIA-Pressekonferenz vom Donnerstag

Auf der FIA-Pressekonferenz am Donnerstag ging es in Montreal in vielerlei Hinsicht heiß her

(Motorsport-Total.com) - Auf der das Rennwochenende in Montreal einleitenden Pressekonferenz der FIA am Donnerstag, standen die Fahrer Enrique Bernoldi (Arrows-Asiatech), David Coulthard (McLaren-Mercedes) sowie Michael Schumacher (Ferrari) Rede und Antwort. Darüber hinaus stellten sich Craig Pollock (BAR-Honda-Teammanager) und Bobby Rahal (Jaguar-Racing-Teamchef) ebenfalls den Fragen.

Die Teilnehmer der Donnerstagspressekonferenz in Montreal

Auf der Pressekonferenz wurden einige interessante Fragen diskutiert

Frage: "Bobby, denken Sie, dass ihr Team die Leistung von Monaco hier und in den folgenden Rennen wiederholen kann?"
Bobby Rahal: "Nun, das werden wir ja sehen, oder? Natürlich war Monaco unser bisher bestes Rennen und Eddie hat wirklich sehr gute Arbeit dort geleistet, ebenso das Team. Inwiefern sich unsere gute Leistung dort auf dieses Rennen oder die späteren auswirken wird, kann ich aber nicht beurteilen. Wir haben in Magny-Cours getestet und waren auch dort sehr mit der Testarbeit zufrieden, aber man sollte nicht zu viele Rückschlüsse aus einem einzigen Test ziehen. Nach dem Rennen in Monaco sind wir hier jetzt ganz sicherlich zuversichtlicher, als das noch vor zwei Monaten der Fall war. Solange wir aber noch nicht richtig in Schwung gekommen sind, wollen wir eigentlich nicht so viele Statements abgeben, denn das hassen wir."

Frage: "Wie steht es in der Sache bezüglich der Verpflichtung Adrian Neweys?"
Rahal: "Die Situation ist mittlerweile ganz anders, als dies noch vor kurzem der Fall war. Natürlich prüft unsere Rechtsabteilung nun alle Mittel, denn Queens Counsel hat bestätigt, dass er einen bindenden Vertrag mit uns hat. Ich gehe einmal davon aus, dass in dieser Sache noch lange nicht das letzte Wort gesprochen worden ist."

Frage: "Und was werden Sie jetzt unternehmen?"
Rahal: "Unsere Rechtsabteilung prüft derzeit verschiedene Vorgehensweisen und wir werden abwarten müssen, was in den nächsten Monaten passiert."

Frage: "Können Sie etwas detaillierter beschreiben, was Adrian Newey unterschrieben oder was er nicht unterschrieben hat?"
Rahal: "Ich möchte da jetzt nicht in die Details gehen, sondern kann nur sagen, dass es sich um eine ihn legal ans uns bindende Übereinkunft handelt, welche in einigen Dingen sehr detailliert ist. Ich denke, so kann man das beschreiben."

Frage: "Wie lange haben Sie daran gearbeitet, Adrian zu überzeugen, zu Jaguar zu kommen?"
Rahal: "Vermutlich seit dem ich selbst in die Formel 1 gekommen bin."

Frage: "Also bestehen Sie darauf, dass er sich an den Vertrag hält und für Jaguar arbeitet?"
Rahal: "Ja, wir geben da nicht auf."

Frage: "Sind Sie der Meinung, dass die Verträge der Ingenieure von einer Art Gremium, so wie es bei den Fahrern schon lange gehandhabt wird, aufbewahrt werden sollten?"
Rahal: "Darüber haben wir schon einmal in Österreich gesprochen. Ron hat dazu eine interessante Meinung geäußert. Er hat gesagt, 'dass es grundsätzlich egal sei, wie groß eine Firma ist, oder ob es einen Angestellten oder Arbeitgeber betrifft. Wenn man einen Vertrag oder eine Vereinbarung eingeht, dann sollte man sich daran solange halten, solange die beiden Parteien sich nicht einig geworden sind, diese Vereinbarung zu beenden oder zu ändern. Das ist eigentlich die korrekte Vorgehensweise, an die sich alle halten sollten.' Ich persönlich kann dem nichts hinzufügen, denn ich sehe das genauso. Natürlich macht ein Gremium Sinn, aber es ist schwierig, ob sich das so umsetzen lässt. Mein Zitat von Ron bezog sich seinerseits hauptsächlich auf die Situation zwischen Gustav Brunner und Paul Stoddart, der natürlich sehr verärgert ist, weil Brunner ihn so plötzlich verlassen hat. Das ist aber eine ganz andere Situation als die Newey/Jaguar/Newey/McLaren-Situation. Wahrscheinlich sollte es schon eine Schiedsstelle geben, die sich darum kümmert, aber ob das am Ende einen Einfluss haben und Unterschied machen würde, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich denke, Ron hat es schon ganz treffend ausgedrückt."

Frage: "Craig, als Arbeitgeber, wie sehen Sie diese Sache?"
Craig Pollock: "Ich erinnere mich, dass Ron diese Worte benutzt hat. Ich bin der Meinung, dass man Verträge respektieren sollte. Wenn man einen Vertrag unterzeichnet, dann sollte man ihn auch voll und ganz respektieren. Als Arbeitgeber erwarte ich das von meinen Angestellten. Man tendiert schließlich dazu, die Leute so zu behandeln, wie man selbst erwartet behandelt zu werden."

Frage: "Honda hat erklärt, dass sie sich nur noch auf ein Team konzentrieren möchten. Haben die das besonders ihnen gegenüber gesagt? Wie ist die Situation? Machen Sie sich jetzt Sorgen?"
Pollock: "Beide Teams sollten darüber ein wenig verunsichert sein, aber man hat zu mir persönlich in dieser Angelegenheit nichts gesagt. Sie haben ja auch einen bindenden Vertrag, welcher bis zum Ende des nächsten Jahres geht. Ich weiß aber nicht, wie lang Jordans Vertrag ist."

Frage: "Können Sie uns ein paar Details über den abgewiesenen Einspruch, ihren Protest gegen die Wertung Kimi Räikkönens als Vierter beim Großen Preis von Österreich, sagen?"
Pollok: "Die FIA hat erklärt, dass es keinen schlüssigen Beweis gab, dass ein Überholmanöver stattgefunden hätte. Wir hatten den Einspruch eingelegt, weil wir überzeugt waren, beweisen zu können, dass ein Auto das andere vor dem Zeigen der Grünen Flagge überholt hat. Unsere Auffassung ist die, dass die Gelbe-Flaggen-Zone erst bei zeigen der Grünen Flagge aufgehoben wird. Die FIA hat sich das Videomaterial angesehen, letztendlich aber ist sie zu einer anderen Auffassung gekommen. Wir respektieren diese Entscheidung, allerdings stellt sich die Frage, was entschieden werden würde, wenn David Coulthard hinter Michael Schumacher liegt und diesen unter Gelb überholt?"

Frage: "Wie wichtig ist dieses Rennen für ihr Team?"
Pollock: "Für British American Racing ist das wahrscheinlich das wichtigste Rennen im gesamten Jahr. Jacques ist Kanadier, und die Kanadier stehen hier natürlich alle hinter ihm. Ansonsten ist es aber wie jedes andere Rennen, wir sind hier, um unser Bestes zu geben. Unglücklicherweise war unser Bestes bisher nicht gut genug, sodass wir auf eine Wende hoffen."

Frage: "Enrique, inwiefern hast du Unterstützung durch Journalisten, dein Team und die Fahrerkollegen nach dem letzten Rennen erfahren?"
Enrique Bernoldi: "Also mein Team hat mich zu 100 Prozent unterstützt und auch von den Medien und Kollegen gab es viel Unterstützung. Ich denke, dass ich im Rennen genau das getan habe, was ich tun musste. Ich habe ja niemanden blockiert, sondern bin mein Rennen gefahren und habe mich darauf konzentriert. Monaco ist nun einmal eine Strecke, auf welcher das Überholen sehr schwer ist. Allein aus diesem Grund war die Chance, dass ich vor David fahren konnte, größer. Auf einer anderen Strecke hätte er mich locker überholt, weil ich da nicht so schnell gewesen wäre. Ich würde sagen, dass ich wirklich viel Unterstützung erfahren habe und meiner Meinung nach habe ich nur das getan, was ich tun musste."

Frage: "Es kam da das Gerücht auf, man hätte dich angewiesen, ja vor ihm zu bleiben, damit euer Auto auch so lange wie möglich im Fernsehen zu sehen ist, was natürlich für die Sponsoren eine feine Sache ist?"
Bernoldid: "Nein, so etwas hat niemand zu mir gesagt. Wie gesagt, ich befand mich in einer ganz normalen Rennsituation und habe mich auf mein eigenes Rennen konzentriert. Natürlich war ich langsamer als David, aber in Monaco kann man nun einmal schlecht überholen. Ich fuhr nicht vor ihm, um formatfüllend im Fernsehen zu sein. Ich bin einfach mein Rennen gefahren."

Frage: "Wie sehr hast du dich nach dem Rennen durch die Aussagen und Reaktionen des Führungspersonals von McLaren angegriffen gefühlt?"
Bernoldi: "Ich bin nach dem Rennen aus dem Auto gestiegen und war zunächst einmal ein wenig erschöpft. 76 Runden in Monaco waren keine einfache Sache für mich, vor allem, weil ich großem Druck ausgesetzt war. David fuhr ja beinahe 1 Stunde hinter mir. Ron Dennis und Norbert Haug kamen dann auf mich zu und ich muss gestehen, dass ich nicht verstand, was sie mir da sagen wollten, denn ich habe ja einfach nur meinen Job gemacht. Ich selbst habe mit David am Dienstag über das Rennen und so gesprochen, zwischen uns ist das geklärt. Was Dennis und Haug betrifft, so verstehe ich nicht, was sie mir da mit ihren Vorwürfen sagen wollten."

Frage: "Hast du dich denn da zu Unrecht angegriffen gefühlt?"
Bernoldi: "Ich würde sagen, dass es nicht sehr nett von den beiden war. Ich bin schließlich ein Rennfahrer und mache meine Arbeit. Ich habe nichts falsch gemacht, denn sonst hätte man mich ja disqualifiziert. Ich denke, dass solche Leute nicht einem jungen Fahrer, der gerade seine Karriere begonnen hat, so etwas sagen sollten."

Frage: "Michael, sie waren in diesen Zwischenfall in Monaco ja nicht verwickelt. Wie ist ihre Meinung dazu? Ab welchem Punkt muss ein Fahrer, der seine Arbeit macht, den Hintermann durchlassen?"
Michael Schumacher: "Ich sehe das genauso, wie Enrique das gesagt hat, er hat alles richtig gemacht. Er hat ja nicht gegen die Regeln verstoßen. Wenn ich natürlich hinter ihm gefahren wäre, dann wäre ich sicherlich frustriert gewesen, aber manche Dinge kann man einfach nicht ändern. Es gibt Situationen, da muss das so akzeptieren. Wenn man einfach den Vordermann nicht überholen kann, dann kann man das eben nicht. Punkt. Es gibt keinen Grund, warum sich jetzt die Hälfte der Formel 1 gegen Enrique verschwören müsste, denn er hat alles getan, was erlaubt war. Die FIA ist schließlich dazu da, um zu beurteilen was richtig und was falsch ist. Sie haben gesagt, dass es in Ordnung war und es gibt keinen Grund, Enrique Vorwürfe zu machen. Als ich zwei, drei Tage nach dem Rennen mitbekam, dass Enrique von einem gewissen Teamchef besucht und mit Vorwürfen konfrontiert worden war, hatte ich ehrlich gesagt kein Verständnis für dieses Vorgehen, denn sie sollten doch die Regeln kennen, und diese benutzen, anstatt sich in der Art und Weise wie geschehen aufzuführen."

Frage: "Jetzt bei Saisonhalbzeit macht es den Eindruck, als ob es dieses Jahr bisher härter für dich gelaufen ist, als im Vorjahr. Woran liegt das deiner Meinung nach? Es scheint so, als ob die Formel 1 nicht mehr so stabil ist wie zur gleichen Zeit im letzten Jahr."
Schumacher: "Das mag vielleicht ihre Auffassung sein, meine ist da ein wenig anders. Zu Beginn der Saison 2000 waren wir nicht in der Lage, uns so stark von unseren Konkurrenten abzusetzen, wie das in diesem Jahr nun einmal der Fall war. Wenn man einmal das Rennen in Zeltweg anschaut, dann waren wir dort letztes Jahr einfach zu langsam. Dieses Jahr haben wir McLaren schon herausgefordert, letzten Endes aber der Strategie wegen das Rennen verloren, obwohl wir wahrscheinlich einen Tick schneller waren. Wenn ich einmal unsere Leistungsfähigkeit von der Konstanz her anschaue, dann würde ich sagen, dass wir in diesem Jahr weitaus konkurrenzfähiger sind. Letztes Jahr ging es in den ersten Rennen ja auch sehr eng zu. Dieses Jahr haben wir auch von den Zuverlässigkeitsproblemen bei McLaren profitiert."

Frage: "Das Saisondrittel war im Vorjahr ein ziemlich schlechter Zeitraum für dich. Jetzt, wo wir uns dem wieder nähern, wie siehst du das?"
Schumacher: "Nun, in einer 17 Rennen umfassenden Saison hat man ganz einfach seine guten und auch schlechten Momente. Das passiert ganz einfach. Unser erster schlechter Moment war in Imola, aber das wird sicherlich nicht der einzige in diesem Jahr sein. Um mal einen kleinen Vergleich anzustellen muss man nur schauen, wie es David bislang ergangen ist. Er hat glücklicherweise in jedem Rennen bisher die Zielflagge gesehen und Punkte geholt, obwohl er zwei Mal beim Start nicht weggekommen ist. Am Ende gleicht sich alles aus, da bin ich mir sicher."

Frage: "Du hast bisher bei jedem Rennen Punkte geholt, obwohl du Probleme mit der Launch-control hattest. Ich muss dich noch einmal fragen, wie zuversichtlich du bist, dass euer System nun funktionieren wird?"
David Coulthard: "Das Problem in Monaco war nicht die Launch-control, sondern etwas mit dem Motorenmanagement oder so. Ich kenne nicht die ganzen technischen Einzelheiten, aber in Barcelona war es die Launch-control, in Monaco hatte ich einfach Pech. Wie ich schon einmal gesagt habe, so hatte ich bei hundert geübten Starts mit unserem System nur drei Fälle, in denen es Probleme gab. Einen beim Testen, die anderen beiden in den Rennen. So etwas ist einfach Pech, aber wir haben zuletzt wieder unser System sehr intensiv getestet, sodass wir sehr zuversichtlich sind, die Probleme gelöst zu haben."

Frage: "Wir haben gehört, dass Adrian Newey möglicherweise zu Jaguar wechseln wird. Inwiefern beeinflusst dich das als Fahrer. Folgt ein Fahrer seinem Ingenieur?"
Coulthard: "Als Fahrer betrachtet man immer das gesamte Paket. Es ist ja nicht nur der Designer, der Motor, die Reifen oder das Budget des Teams, welche den Ausschlag geben, sondern alles zusammen. Wenn man all diese Dinge im Hinterkopf hat, dann muss man nicht besonders clever sein, um zu wissen, dass einige Teams bessere Vorraussetzungen haben als andere. Ich selbst lehne mich nur gemütlich zurück und verfolge genüsslich diese Seifenoper, die da alle Leute aufbauen und warte gespannt auf das Ende der Geschichte."

Frage: "Ich habe gehört, dass du Enrique, nachdem was in Monaco passiert ist als Idioten beschimpft haben sollst. Aber mir ist auch zu Ohren gekommen, dass du ihn einen guten, jungen Fahrer, der keine Fehler macht, genannt haben sollst. Was stimmt denn nun?"
Coulthard: "Ich habe ihn einen Idioten genannt, aber niemals einen guten, jungen Fahrer. Solch eine Frage hat mir keiner gestellt. So wie ich das sehe, ist er ein guter Fahrer und ich denke, dass er gute Rennen fahren sollte. Als Idioten habe ich ihn aber bezeichnet, weil er auf der Strecke hin und her gefahren ist. Alle Fahrer hatten sich eigentlich darauf geeinigt, dass wir so etwas sein lassen. Es gab einige Momente auf der Strecke, als er da Zickzack gefahren ist und sich nicht an die Vereinbarungen gehalten hat. Darauf gebe ich mein Wort, denn ich kann das beurteilen. Was das Verteidigen seiner Position im Rennen betrifft, so ist das sein gutes Recht und in meinen Augen auch in Ordnung. Er hat dafür im Nachhinein so viel Kritik einzustecken gehabt, dass ich da ein wenig Mitleid mit ihm haben muss. Ich finde es jedoch wichtig, dass alle Fahrer - und vor allem die neuen Piloten - verstehen, dass es Regeln gibt, an die sich alle halten müssen. Wenn wir diese Regeln nicht hätten, dann würde das Rennfahren für uns alle wesentlich gefährlicher werden. Ich finde, dass es schon eine Vielzahl solcher Situationen, die einfach nicht korrekt waren, gegeben hat. Er sollte aus dieser ganzen Sache lernen und daran denken, dass es nicht darauf ankommt, wer da hinter ihm fährt, sondern dass seine Aktionen zu einem Unfall führen könnten, die jemanden verletzen. Das ist doch der Hintergrund der ganzen Geschichte."