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Exklusiv: "Gute Chancen" für USF1-Team

Ex-Red-Bull-Technikchef Günther Steiner ist mit USF1-Boss Ken Anderson gut befreundet und berichtet über dessen Grand-Prix-Projekt

(Motorsport-Total.com) - Günther Steiner ist in Formel-1-Kreisen kein Unbekannter: 2001 holte Niki Lauda den Südtiroler zu Jaguar, wo er ein Jahr lang als Technischer Direktor agierte, bevor er zu Opel in die DTM wechselte. 2005 holte ihn Red Bull in die Königsklasse zurück. Auch dieses Engagement sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein.

Günther Steiner

Günther Steiner war bei Jaguar und Red Bull Technischer Direktor in der Formel 1

Denn ein Jahr später wechselte Steiner zum Red-Bull-NASCAR-Team nach North Carolina. Zwar ist er heute nicht mehr für den österreichischen Energydrink-Hersteller tätig, doch er lebt mit seiner Ehefrau weiterhin in den USA. Und weil man sich in der NASCAR-Hochburg Charlotte eben kennt, ist der ehemalige Formel-1-Mann über die Pläne seiner Bekannten Ken Anderson und Peter Windsor, die mit dem USF1-Team 2010 in die Königsklasse einsteigen wollen, bestens informiert.#w1#

"Die beiden arbeiten schon viele Jahre an diesem Projekt. Ich halte das Projekt für seriös und ich glaube auch, dass es realistisch ist", so Steiner gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Durch die geplante Budgetlimitierung ist zurzeit eine gute Möglichkeit, in die Formel 1 einzusteigen. Die Formel 1 kann, wenn sie erschwinglich ist, Sinn machen - wenn du keine 300 Millionen US-Dollar pro Jahr brauchst, sondern mit 100 oder auch 80 Millionen auskommen kannst."

Weltwirtschaftskrise als Chance

"Im Verlauf einer solchen Krise kommen diese Einzelkämpfer zum Vorschein." Günther Steiner

Insofern sei die Weltwirtschaftskrise wegen der notwendigen Sparmaßnahmen sogar eine Chance für ein amerikanisches Grand-Prix-Projekt: "Die Krise ist auch in der Formel 1 eine Chance. Im Verlauf einer solchen Krise kommen diese Einzelkämpfer zum Vorschein. Wenn du ohne Krise keine 200 Millionen hast, dann brauchst du erst gar nicht antreten. Und diese 200 Millionen hat in Krisenzeiten keiner, denn sonst hätten wir ja keine Krise."

FIA-Präsident Max Mosley will die Budgets für Privatteams in der Formel 1 auf 55 Millionen Euro pro Jahr senken. Zum Vergleich: Selbst das kleinste Team, Force India, hat 2008 immerhin 80 Millionen Euro ausgegeben, um dem Feld hinterherzufahren. Doch trotz dieses radikalen Sparkurses, der 2010 noch viel ausgeprägter sein wird als heute, benötigen Anderson und Windsor Investoren, weil sie das notwendige Geld nicht aus der eigenen Tasche vorschießen können.

"Sie sprechen derzeit mit Investoren. Das ist auch das Einzige, was ihnen noch fehlt, denn alles andere gibt es hier in der Region Charlotte", berichtet Steiner von den Fortschritten seiner beiden Bekannten in North Carolina. "Es gibt die technologischen Möglichkeiten, es gibt den Windshear-Windkanal. Ich habe mir den Windshear-Windkanal schon selbst angesehen und würde sagen, das ist einer der besten der Welt."

Universität als Know-how-Ressource

"In Charlotte hast du alles, was du brauchst, um ein Formel-1-Auto zu bauen." Günther Steiner

Und weiter: "Die Universität in Clemson hat erstklassige Kapazitäten für alle aerodynamischen Berechnungen und für Fahrzeugdynamik. Diese Universität ist etwa eine Fahrstunde von Charlotte entfernt. Hier in Charlotte hast du alles, was du brauchst, um ein Formel-1-Auto zu bauen. Das macht auch aus dem Grund Sinn, weil man in Charlotte für Fachkräfte noch nicht die Formel-1-Preise bezahlt, die man vielleicht in England bezahlen muss."

"Die Idee ist also, ein echtes amerikanisches Team auf die Beine zu stellen und in Europa nur ein Logistikzentrum zu eröffnen", spricht Steiner den Slogan "Made in America" und die geplante Niederlassung im spanischen Bilbao an. "Entwicklung und Produktion würden also komplett in den USA gemacht werden." Dass dies möglich ist, daran hat er keine Zweifel: "Charlotte hat zweifelsohne die Infrastruktur, um ein solches Projekt durchzuziehen."

"Ziel ist, dass die Formel 1 in den USA wieder mehr wahrgenommen wird", so der Südtiroler. "Es soll wirklich ein amerikanisches Team werden, mit amerikanischen Fahrern und Investoren. Das fehlt der Formel 1 ja." Dass das Projekt ganz im Zeichen von Stars & Stripes steht, kann 'Motorsport-Total.com' bestätigen: Uns liegt bereits seit Wochen eine über 30-seitige Teambroschüre vor, in der der amerikanische Aspekt des Projekts massiv gepusht wird.

Auf den Spuren von Mario Andretti

USF1-Logo

So sieht das Logo des USF1-Teams aus: "Made in America" ist Programm Zoom

Steiner erachtet die USF1-Vision durchaus als sinnvoll und realistisch: "Es gibt keinen amerikanischen Fahrer, es gibt kein amerikanisches Team und es gibt keinen amerikanischen Motor. Früher hat es solche Teams ja gegeben. Als Mario Andretti gefahren ist, haben sich die Leute auch für die Formel 1 interessiert. Kein Team, kein Motor, kein Fahrer: Das war der Grund, warum sich die Amerikaner irgendwann nicht mehr für die Formel 1 interessiert haben."

Die ersten Medienberichte, die unsere exklusive Enthüllung der USF1-Vision noch ungläubig als "Ente" abgetan haben, sind längst Schnee von gestern. Für Insider Steiner ist klar, dass mehr hinter dem Projekt von Anderson und Windsor steckt: "Ich würde das in keinem Fall als Spinnerei abtun. Ob es dann klappt oder nicht, das wird man sehen. Aber mit den aktuellen Trends in der Formel 1 haben sie meiner Meinung nach ganz gute Chancen."

Übrigens: Steiner gilt in der NASCAR-Hochburg North Carolina als einer der angesehensten Verbundstoffspezialisten und wäre damit möglicherweise eine gute Ergänzung für den Technikerstab des USF1-Teams. Außerdem hat Ex-Force-India-Konstrukteur Mike Gascoyne kürzlich sein Haus in West Oxfordshire verkauft. Begründung: "Ich werde künftig in Übersee arbeiten." Möglicherweise führt ihn sein neuer Job ja nach Charlotte...

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