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  • 25.03.2022 · 21:49

  • von Adam Cooper, Übersetzung: Stefan Ehlen

"Engine-Freeze" in der Formel 1: Was das ist und was es für die Teams bedeutet

Warum die Formel 1 in der Saison 2022 einen "Engine-Freeze" einführt und was genau dahintersteckt: Was die Antriebhersteller jetzt noch dürfen und nicht mehr dürfen

(Motorsport-Total.com) - In dieser Saison greift der sogenannte "Engine-Freeze" in der Formel 1. Das bedeutet: Die beim Bahrain-Grand-Prix 2022 eingesetzten Antriebsspezifikation muss vier komplette Saisons lang verwendet werden. Bis September 2022 dürfen manche Elemente des Antriebsstrangs noch verändert werden, aber danach sind Anpassungen nicht mehr erlaubt - zumindest nicht, um die Leistung zu verbessern.

Formel-1-Antrieb von Ferrari in der Saison 2022

Formel-1-Antrieb von Ferrari in der Saison 2022 Zoom

Das bedeutet also: Die relative Leistung der vier unterschiedlichen Antriebsstränge in der Formel 1 wird für die Dauer des Engine-Freeze unverändert bleiben.

Was genau ist ein Engine-Freeze?

Im Prinzip handelt es sich bei einem Engine-Freeze um einen kompletten Entwicklungsstopp der vier in der Formel 1 engagierten Antriebshersteller: Mercedes, Ferrari, Renault und Honda (2022 umbenannt in Red Bull Powertrains).

Die genaue Spezifikation jedes Antriebsstrangs muss beim Automobil-Weltverband (FIA) hinterlegt werden. Diesen Prozess nennt man Homologierung. Das bedeutet: Man produziert eine Komponente, die als legal bestätigt wird. Dann kann das Teil in Produktion gehen und in den Rennen verwendet werden. Eine nachträgliche Änderung der Komponente ist allerdings nicht erlaubt.

Das Sportliche Reglement der FIA für die Formel 1 erklärt dazu: "In den Saisons 2022 bis 2025 dürfen nur Antriebe verwendet werden, die aus Komponenten bestehen, die bei ihrer Einführung in den Pool als zugelassen eingestuft worden sind. [Es gilt] das zuletzt eingereichte und bestätigte Homologierungsdokument, wie es in Anhang 4 des Technischen Reglements definiert ist."

Der genannte Anhang erklärt, wie und wann Änderungen vorgenommen werden dürfen. Weitere Details hierzu folgen weiter unten in diesem Beitrag.

Wie lange dauert der Engine-Freeze in der Formel 1?

Das Einfrieren der Antriebe beginnt in der Saison 2022 und umfasst auch die Saison 2023, 2024 und 2025, ehe 2026 neue Regeln eingeführt werden.

Die Antriebsstränge für 2026 werden sich nicht allzu sehr von den aktuellen V6-Turboantrieben unterscheiden, aber sie werden anders sein, ihre Entwicklung viel Aufwand erfordern.

Mercedes PU106, Antriebseinheit, Motor, Power Unit

Schematische Darstellung eines Mercedes-Antriebsstrangs in der Formel 1 Zoom

Es gibt zwei Stichtage für die Homologierung. Der erste Stichtag war der 1. März 2022. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die Hersteller ihren Verbrennungsmotor (den V6-Motor) eingefroren haben, außerdem den Turbolader, die Motor-Generator-Einheit Hitze (MGU-H), das Auspuffsystem sowie die genauen Spezifikationen für Benzin und Motorenöl.

Den Herstellern bleiben aber gewisse Freiräume, um während der Saison 2022 weiter an den Antrieben zu arbeiten. Denn es gibt einen zweiten Stichtag am 1. September 2022. Bis dahin dürfen Upgrades an den Spezifikationen für die Einheitselektronik, den Energiespeicher und die Motor-Generator-Einheit kinetisch (MGU-K) vorgenommen werden. Danach, von 2023 bis 2025, sind keine weiteren Upgrades mehr möglich.

Warum setzt die Formel 1 auf einen Engine-Freeze?

Die Formel-1-Antriebe wurden eingefroren, damit sich die aktuellen Hersteller bei ihrer Entwicklung nicht mehr mit den aktuellen Antrieben befassen müssen, sondern sich gleich auf das Reglement 2026 konzentrieren können.

Der Grund dafür ist: Selbst große Hersteller haben nicht unbegrenzt Ressourcen für Forschung und Entwicklung. Da wäre es weder aus finanzieller Sicht noch mit Blick auf mögliche Leistungszugewinne bei der Entwicklungsarbeit sinnvoll, parallel zwei Projekte voranzutreiben.


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Die aktuellen Regeln sind bereits seit neun Jahren in Verwendung. Die Antriebsstränge der Saison 2022 haben zwar nur noch wenig mit den Originalen aus der Saison 2014 gemein, aber sie sind beinahe ausgereizt. Und es dürfte sehr teuer werden, das letzte bisschen Leistung aus den aktuellen Antrieben herauszuquetschen.

Außerdem: Würde die Entwicklung der aktuellen Antriebsstränge fortgesetzt werden, hätten mögliche neue Hersteller für 2026 einen Vorteil. Sie könnten sich 2022, 2023, 2024 und 2025 einzig auf das Projekt für 2026 konzentrieren, weil sie nicht von einem aktuellen Projekt abgelenkt werden würden.

Red Bull Powertrains steht bereits als einer der neuen Hersteller fest. Man hat dort zur Saison 2022 das bisherige Honda-Projekt übernommen. Darüber hinaus will die Volkswagen-Gruppe in die Formel 1 einsteigen, wahrscheinlich entweder mit Porsche oder mit Audi.

Und Red Bull hat sich sehr für den Engine-Freeze eingesetzt. Denn dieser Engine-Freeze hat entscheidend dazu beigetragen, Honda davon zu überzeugen, seine aktuellen Antriebe bis 2025 zur Verfügung zu stellen, allerdings ohne offizielle Werksunterstützung.

Seit Saisonbeginn 2022 laufen die Honda-Antriebe unter der Bezeichnung Red Bull Powertrains, oder abgekürzt RBPT. Denn Honda hat sich Ende 2021 als Hersteller aus der Formel 1 zurückgezogen. Red Bull hat anschließend nicht den Antriebspartner gewechselt, sondern die bestehenden Honda-Antriebe übernommen und setzt diese nun eigenständig ein. Dazu wurde eine eigene Motorenabteilung gegründet.

Red Bull RB16B, Motorinstallation

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Bei Mercedes, Ferrari und Renault gibt es keine Änderungen. Mercedes AMG High Performance Powertrains versorgt weiterhin das Mercedes-Werksteam sowie die Kundenteams McLaren, Williams und Aston Martin.

Ferrari geht ähnlich vor: Auch das italienische Traditionsteam baut seine eigenen Antriebe und stellt sie ebenfalls Kundenteams zur Verfügung, nämlich Alfa Romeo und Haas. Renault rüstet nur Alpine mit Antrieben aus. Beide Marken entstammen dem Renault-Konzern.

Können die Teams irgendwas verändern?

Die Regeln sagen: Manche Änderungen sind zugelassen, aber nichts, was die Leistung verbessern würde.

Im Reglement heißt es: "Ein Hersteller kann während der Homologierungsphase eine Anfrage bei der FIA stellen, um Modifizierungen an den homologierten Antriebsstrang-Elementen vorzunehmen. Dabei muss es sich aber um Änderungen handeln, die entweder die Zuverlässigkeit oder die Sicherheit verbessern oder eine Kostenersparnis mit sich bringen. Darüber hinaus dürfen nur minimale und nebensächliche Änderungen vorgenommen werden, wie sie in [Artikel] 5.4 definiert sind."

Der angesprochene Artikel bezieht sich speziell auf Änderungen, die möglicherweise notwendig werden, um den Antriebsstrang in Fahrzeuge zu installieren. Das könnte erforderlich werden, weil sich die Fahrzeuge über die kommenden drei Saisons natürlich weiterentwickeln werden.

Teile, die in diese Kategorie fallen, werden in den Regeln folgendermaßen beschrieben: "Kabelstränge; das Auspuffsystem, sofern die Schlüsselparameter des Systems (Durchmesser und Längen) grundsätzlich gleich bleiben; die Position des Turbokompressors (im Bereich von 20 Millimetern im Vergleich zur originalen Position relativ zum Verbrennungsmotor); das Neuausrichten des Turboladers; Turbostützen; die Positionierung der Abgasrohre mit Gehäusen und Rohren" und auch "die Position von Pop-Off-Ventilen mit Gehäusen und Rohren".

Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die technischen Regeln der Antriebsstränge im Zeitraum 2022 bis 2025 ändern. Sollte dieser unwahrscheinliche Fall doch eintreffen, können die Hersteller notwendige Änderungen vornehmen, um diesen Regeln zu entsprechen: "Ein Zusatz zu den veröffentlichten Regeln, der nach dem Beginn der Homologierung erstellt wird, kann dazu herangezogen werden, um in diesem Zusatz erwähnte Komponenten zu modifizieren."


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Ein Team kann zu einem anderen Benzin- und Ölpartner wechseln, aber nur in direkter Folge einer Sponsorenvereinbarung. Das stellen die Regeln klar heraus: "Änderungen bei Benzin- und Öllieferanten werden akzeptiert, sofern diese Änderungen aus kommerziellen Gründen vorgenommen werden und nicht, um die Leistung zu verbessern."

Was passiert, wenn eine große Schwachstelle gefunden wird?

Sollte ein Hersteller ein bestimmtes Problem bei der Zuverlässigkeit bemerken, muss er einen komplizierten Prozess einhalten, um so die Erlaubnis der FIA zu erhalten, das Bauteil zu modifizieren.

Zu diesem Prozess gehört: Die drei anderen Hersteller werden über den Antrag informiert. Sie können sich auch dazu äußern. Diese Transparenz macht es weniger wahrscheinlich, dass jemand eine Modifizierung zugunsten der Zuverlässigkeit missbraucht, um mehr Leistung zu gewinnen.

Die Regeln halten ferner fest: "Anfragen müssen schriftlich bei der Technischen Abteilung der FIA eingereicht werden. Sämtliche notwendigen zusätzlichen Informationen müssen enthalten sein und, wo erforderlich, klare Beweise von Defekten."

"Die FIA wird diesen Schriftwechsel an alle Antriebshersteller weiterleiten, damit sich diese dazu äußern können. Wenn die FIA in ihrem absoluten Ermessen zufrieden ist, dass die Änderungen akzeptabel sind, wird eine entsprechende Bestätigung an den Antriebshersteller versendet, mit der Erlaubnis, die Änderungen vorzunehmen."

"Wann auch immer möglich, sollten solche Anfragen mindestens 14 Tage vor der angefragten Homologierung eingereicht werden."

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Zur Saison 2022 wechselte die Formel 1 auf E10-Kraftstoff mit einem zehnprozentigen Ethanol-Anteil. Die Hersteller mussten ihre Antriebe über den Winter entsprechend anpassen. Es gab einen geringen Leistungsverlust. Insgesamt aber, so erklären die Hersteller, sei der Effekt der Umstellung neutral.

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