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Alpine geht volles Risiko: Neuer Renault-Motor ein "Gamechanger"

Volle Kraft voraus, koste es, was es wolle: Renault führt für die F1 2022 einen neuen, radikalen Motor ein - Warum Zuverlässigkeit jetzt zweitrangig ist

(Motorsport-Total.com) - Renault-Alpine ist bereit, bei seinem neuen Turbokonzept anfängliche Probleme mit der Zuverlässigkeit in Kauf zu nehmen. Die Franzosen haben einen komplett neuen Motor für die Formel-1-Saison 2022 konstruiert, der in vielen Punkten besser ist. Die Motorenentwicklung wird mit dem Saisonstart 2022 bis 2025 eingefroren - nachgebessert werden darf nur für bessere Zuverlässigkeit.

Der neue Renault-Motor soll Alpine an die Spitze verhelfen

Der neue Renault-Motor soll Alpine an die Spitze der Formel 1 verhelfen Zoom

Die Antriebseinheit führt das sogenannte Split-Turbo-Prinzip ein. Der Turbolader wird dabei quasi auseinandergeschnitten, die zwei Hälften weit auseinandergezogen und durch eine Welle verbunden.

Die im Auspuff befindliche Turbine (heiße Seite) und der Verdichter, der Frischluft mit Macht in den Ansaugtrakt presst (kalte Seite), liegen dabei weit auseinander und stehen durch die Welle miteinander in Kontakt.

Alpine-Chef Laurent Rossi ist bereit, hohe Risiken beim neuen Motorenkonzept einzugehen. Gegenüber ausgewählten Medien, darunter das Motorsport Network, sagt er: "Entweder Zuverlässigkeit oder Performance. Man kann schlecht beides haben. Also, wo treiben wir die Entwicklung voran?"

"Reliability first" führte nicht zum Erfolg

"Während des [Entwicklungs-] Jahres haben wir einige Momente gehabt, in denen uns die Zuverlässigkeit gefehlt hat. Das ist eine Wahl, auf die wir uns eingelassen haben, denn unserer einziger Hebel [in der Saison 2021] war Zuverlässigkeit", sagt er weiter.

"Deshalb habe ich dem Team gesagt: Lotet die Limits so weit wie möglich aus, mir [ist die Zuverlässigkeit] egal. Ich habe lieber eine Antriebseinheit, bei der ich sicher sein kann, dass die maximale Performance rausgekitzelt worden ist, als bequem mit einer zuverlässigen Power Unit dazusitzen, die keine Leistung bringt." Schließlich kann Zuverlässigkeit ja nachgebessert werden.

Renault priorisierte jahrelang Zuverlässigkeit, der große Erfolg blieb aber aus

Renault priorisierte jahrelang Zuverlässigkeit, der große Erfolg blieb aber aus Zoom

"Reliability first", lässt er durchblicken, sei bislang die Herangehensweise bei Renault gewesen: "Jetzt gehen wir genau in die andere Richtung. Die gute Nachricht ist, dass wir tausende Kilometer mit dem neuen Motor in den vergangenen Wochen [auf dem Prüfstand] abgespult haben."

Das Split-Turbo-Design ist die größte, aber nicht die einzige Änderung, die dem Alpine-Paket beim Angriff auf die Spitze helfen soll: "Der Motor ist komplett neu designt worden. Das ganze Konzept ist brandneu. In erster Linie verfügt es über den zweigeteilten Turbo. Aber das ist nur ein Element, das die ganze Einheit kompakter macht."

Der Motor kann dadurch dichter an den Fahrer gerückt werden, was sich positiv auf die Gewichtsverteilung auswirkt. Fahrzeugdesigner haben die schwersten Elemente - Motor und Fahrer - am liebsten genau in der Mitte des Fahrzeugs. Je kompakter der Motor, umso dichter nähert sich das Konzept dem Idealzustand an.

Ergebnis: "Der Motor ist leichter und arbeitet in einem größeren Fenster, was Temperatur und [Luft-] Druck betrifft. Der ist ein echter 'Gamechanger' für uns. Ich hoffe, dass wir so aufholen und den Abstand zur Spitze reduzieren können."

Der neue Alpine-Formel-1-Bolide wird am 21. Februar der Öffentlichkeit präsentiert.