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Ecclestone: Korea, Syrien, Ägypten & Co.

Bernie Ecclestone relativiert die politischen Probleme in Bahrain und verrät, dass die Formel 1 vor ein paar Jahren beinahe nach Ägypten gegangen wäre

(Motorsport-Total.com) - Nachdem Bernie Ecclestone in einer gemeinsamen Stellungnahme mit FIA-Präsident Jean Todt versichert hat, dass der Grand Prix von Bahrain am kommenden Wochenende plangemäß stattfinden wird, stellte er sich am frühen Freitagnachmittag im Medienzentrum in Sakhir erneut der kritischen Presse. Doch der 82-Jährige bleibt bei seinem Standpunkt: Er zweifle "überhaupt nicht" am reibungslosen Ablauf des Rennens, hält er fest.

Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone steht voll und ganz hinter dem Grand Prix in Bahrain Zoom

"Alle Berichte, von denen ich gehört habe, waren positiv", sagt er. "Es ist schon merkwürdig, dass es diese Berichte nur rund um das Rennen gibt - wäre schön, wenn in ein paar Monaten auch etwas geschrieben wird." Kritikern entgegnet Ecclestone lediglich: "Es sieht doch gut aus, oder?" Damit wolle er nicht behaupten, dass es in Bahrain keine Probleme gebe, aber: "Ich habe keine Probleme. Und diese Jungs auch nicht", spielt er auf die Teams an, von denen kein einziges Anstalten macht, den Event zu boykottieren.

Das Argument, dass die Formel 1 politisch instrumentalisiert werde und deshalb nicht in Bahrain fahren sollte, lässt der Brite nicht gelten: "Wer über Menschenrechte sprechen möchte, sollte vielleicht nach Syrien gehen. Es gibt viele Länder auf der Welt, in denen es ähnlich zugeht. In Ägypten haben sie die Diktatur entfernt und Demokratie installiert, aber seither haben sie noch mehr Probleme." Und: "Ich war schon lange vor dem Rennen in Bahrain hier. Ich fand immer, dass es den Menschen hier recht gut geht."

Tatsächlich wirken internationale Medienberichte von Aufständen in der Stadt Manama teilweise stark übertrieben. Zwar berichten Augenzeugen gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass am späten Donnerstagabend unweit des Stadtzentrums Rauchschwaden aufgestiegen sind, doch dass bei den Demonstrationen und Kundgebungen der Opposition gelegentlich auch Autoreifen verbrannt werden, ist nicht neu. Direkt am Bahrain International Circuit wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Freitag indes noch einmal verschärft.

Angesichts der Atomkriegsdrohungen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un erscheint der Grand Prix von Südkorea Anfang Oktober viel stärker gefährdet zu sein als Bahrain. Bei diesem Thema bleibt Ecclestone aber - für ihn sehr ungewöhnlich - diplomatisch: "Ich muss aufpassen, was ich sage, denn dort herrscht mehr Propaganda als Realität. Vielleicht warten sie darauf, dass wir kommen." Bekanntlich bringen sich derzeit auch die USA rund um Korea in Stellung, falls es zum Krieg kommen sollte.

Formel-1-Rennen in anderen Krisenherden oder menschenrechtlich kritisierten Ländern sind derzeit kein Thema. So schließt Ecclestone Syrien ebenso aus wie auch Ägypten: Ein Grand Prix dort sei nicht geplant, aber "wir würden alles in Betracht ziehen - wenn es allen hilft, bin ich glücklich. Vor ein paar Jahren wäre es übrigens beinahe so weit gekommen." Dass es beim Nein zu Ägypten bleibt, sei eine Position, die er momentan "nicht ernsthaft" überdenke, unterstreicht der Formel-1-Geschäftsführer.

Theoretisch denkbar wären hingegen die Türkei ("Ich würde gerne zurückkehren") und Thailand als Austragungsorte; sowieso fest eingeplant ist Russland 2014. In Südafrika weiß Ecclestone nicht, "was wir da tun können. Ich bemühe mich schon lange darum, aber es gibt keine Fortschritte." Und auch Mexiko wäre eine Herzensangelegenheit für ihn: "Ich bin sehr für ein Rennen dort. Ich glaube, das wäre fantastisch", sagt er und wendet sich an eine mexikanische Journalistin: "Haben Sie Geld? Dann kriegen wir das hin."