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(Noch?) Keine Spur vom "Vulkan des Zorns"

Die Stadt Manama und die Rennstrecke erwecken derzeit nicht das Gefühl von politischen Spannungen, aber die Opposition kündigt Protesthandlungen an

(Motorsport-Total.com/SID) - Staatsmacht und Opposition rüsten sich vor dem Großen Preis von Bahrain für die größten Proteste seit langem gegen das Regime der Herscherfamilie Al-Chalifa. Zwar sind Medienberichte über ein angeblich militärisch anmutendes Sicherheitsaufkommen völlig aus der Luft gegriffen, doch die Opposition sieht das bevorstehende Formel-1-Wochenende offenbar als Chance, auf ihre Anliegen international aufmerksam zu machen.

Wolkenkratzer mit Formel-1-Werbung

Kein Zorn zu spüren: Die Stadt Manama präsentiert sich derzeit ruhig und friedlich Zoom

"Wir sind nicht gegen den Grand Prix, aber wir wollen, dass die Welt unsere Forderungen hört - Demokratie, Achtung der Menschenrechte und eine gewählte Regierung", sagt Khalil al-Marzooq, einer der Führer der wichtigsten Oppositiongruppierung von Bahrain (Al-Wefaq). Unter dem Motto "Vulkan des Zorns" wolle man ab Freitag, dem Beginn des Freien Trainings vor dem Rennen am Sonntag, gegen die "Unterdrückung der Menschen" in Bahrain demonstrieren.

Al-Marzooq beschwört friedliche Proteste gegen das Regime, kann eine Eskalation aber auch nicht ausschließen: "Gewalt erzeugt Gegengewalt." Schon unter der Woche kam es in Manama immer wieder zu Demonstrationen, Autoreifen wurden in Brand gesteckt, Molotow-Cocktails flogen, die Polizei setzte Tränengas ein. Die Protestanten riefen "Formel des Blutes" und trugen teilweise Plakate, auf denen das Gesicht von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone mit einem großen X durchgestrichen war.

Ruhe und Frieden in und um Manama

Derzeit ist Manama und Umgebung allerdings weitgehend ruhig. Weder die Strecke vom Flughafen in die Stadt noch die Hauptverkehrsverbindung von der Stadt an die rund 30 Kilometer entfernt gelegene Strecke ist auch nur im Geringsten auffällig. Einzig bei der Einfahrt zur Strecke erinnert ein mit Maschinengewehren bewaffneter Sicherheitsposten an die politisch aufgeladene Lage im Königreich am Persischen Golf.

Ecclestone wandte sich diese Woche mit einem Brief an Oppositionelle, der Inhalt war an Zynismus aber kaum zu übertreffen: "Es ist eine große Schande, dass ich davon nicht schon vor September 2012 erfahren habe, als der Formel-1-Kalender erstellt wurde. Jetzt ist es zu spät, um noch Änderungen an dem Kalender vorzunehmen", zitiert die Zeitung 'Die Welt' aus Ecclestones Schreiben.


Fotos: Großer Preis von Bahrain, Pre-Events


Dabei ist seit langem bekannt, dass die Herrscherfamilie Al-Chalifa teils mit Gewalt gegen Demonstranten vorgeht. Schließlich wurde das Rennen 2011 wegen der ausufernden Gewalt abgesagt. 2012 kam es zu einigen harmlosen Zwischenfällen, die jedoch nie direkt gegen Formel-1-Personal gerichtet waren. Ferrari fordert seine Teammitglieder auf, die Straßen von Manama zu meiden.

Die Regierung machte klar, dass sie "angemessene" Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergreifen wird, die Sicherheit sei gewährleistet. Eine Sprecherin des Regimes nennt die Demonstranten eine "kindische Bewegung. Das hat keinen Einfluss auf das Rennen." Alle Fahrzeuge auf dem Weg zur Strecke werden geröntgt.

Amnesty International kritisiert den Grand Prix

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren, dass König Hamad bin Isa Al-Chalifa die Formel 1 als Plattform benutzt, um Fortschritte und eine Ausweitung der Menschenrechte vorzugaukeln, dabei seien die Repressionen rund um das Rennen noch einmal verstärkt worden. Man fordere die Regierung auf, "unverzüglich alle politischen Gefangenen freizulassen und den Demonstranten ihr Recht auf friedlichen Protest" zu gewähren.

Werbung für den Grand Prix von Bahrain

Formel-1-Stimmung wird mit Werbung auf dem Weg zur Rennstrecke aufgebaut Zoom

Seit zwei Jahren kämpfen Oppositionelle der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung für mehr Rechte in Bahrain, das seit Jahrhunderten von der Herrscherfamilie Al-Chalifa regiert wird - einer sunnitischen Dynastie. 80 Menschen sind in dem autoritären Land seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Anfang 2011 ums Leben gekommen. Allein in diesem Monat sollen unbestätigten Medienberichten zufolge bisher rund 100 Aktivisten eingesperrt und 30 verletzt worden sein.

2011 war das Rennen in Bahrain abgesagt worden, nachdem die aufkommenden Unruhen von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien blutig niedergeschlagen worden waren. Das Rennen 2012 wurde von Protesten begleitet.