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Ecclestone: "Ich wünschte, ich würde ihn hochkriegen"

Bernie Ecclestone relativiert seine Kritik am neuen Formel-1-Sound leicht, sagt aber weiterhin: "Es klingt schrecklich und im Fernsehen hört man nichts"

(Motorsport-Total.com) - Bernie Ecclestone hat den Sound der neuen Formel 1 nach dem Saisonauftakt in Melbourne scharf kritisiert, ohne ihn selbst je live erlebt zu haben. Denn der 83-Jährige war nicht zum Grand Prix von Australien gekommen und hatte daher heute in Sepang erstmals Gelegenheit, die Geräuschkulisse anno 2014 aus erster Hand zu bewerten. Und tatsächlich fällt sein Urteil nun milder aus: "Es ist ein bisschen lauter, als ich gedacht habe. Es stimmt nicht, was die Leute gesagt haben, dass man nichts mehr hört", gibt er zu.

Aber das ändert nichts an seiner grundsätzlichen Kritik: "Es klingt schrecklich", unterstreicht er. "Zumindest im Fernsehen hört man nichts. Das ist aber nicht das Problem." Das sind in Ecclestones Augen nämlich "die Leute hier, die ganze Atmosphäre" - und damit verbunden auch die Veranstalter, von denen sich einige schon über den leisen Sound beschwert haben. Der Formel-1-Geschäftsführer fürchtet, dass diese rebellieren und versuchen werden, ihn im Preis zu drücken: "Alle beklagen sich."

So zum Beispiel auch der Chef des Singapur-Grand-Prix, Ong Beng Seng, der Ecclestone heute in Sepang begleitete: "Müssen wir halt die Gebühren senken", schlägt dieser dem Briten lachend vor, um mit ernstem Unterton zu ergänzen: "Wir sind ein Stadtrennen, da macht der Lärm die Faszination aus." Nach Melbourne ist Singapur damit schon der zweite Grand Prix, der wegen der reduzierten Lautstärke öffentlich Bedenken äußert.

Aber: "Fahren wir Rennen oder wollen wir Lärm machen?", wird Niki Lauda, Aufsichtsrats-Vorsitzender des Mercedes-Teams, von 'auto motor und sport' zitiert. Er vermutet hinter der öffentlichen Kritik ein abgekartetes Spiel: "Die Promoter, die sich jetzt beschweren, suchen doch nur Gründe, um Bernie im Preis zu drücken. Wenn die Rennen spannend sind, ist die Diskussion um den Sound in drei Grand Prix beendet."

Auffällig ist, dass sich bisher nur jene Grand-Prix-Veranstalter zu Wort gemeldet haben, die gemeinhin zu Ecclestones engsten Verbündeten zählen, also Melbourne mit Langzeit-Ecclestone-Freund Ron Walker und nun Singapur. Aber auch Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko stellt sich auf diese Seite: "Motorsport ist für viele Leute das letzte Stück Freiheit in einer total reglementierten Welt", argumentiert er gegenüber 'auto motor und sport'.


Fotostrecke: Fahrer über Sepang: Hitzeschlacht

Lauda hält dagegen und vertritt die Herstellerposition: "Wenn wir immer noch den V8 hätten, wären Ferrari, Renault und wir nicht mehr dabei - und Honda wäre nie gekommen. Wir hätten eine Garagisten-Formel. Die FIA hat vor fünf Jahren entschieden, dass wir mit der Zeit gehen und eine zukunftsweisende Technologie anbieten müssen. Die Hersteller haben viel Geld investiert, um effiziente Motoren zu bauen. Das ist in einer Zeit, in der auf der Straße immer mehr Hybridautos herumfahren, der richtige Weg."

Unabhängig davon scheint Ecclestone seinen berühmt-berüchtigten Humor nicht verloren zu haben: "Hoffentlich kriegen wir ihn noch etwas hoch", sagt er über den aktuellen Formel-1-Sound - und fügt unter schallendem Gelächter an: "Ich wünschte, ich würde ihn hochkriegen!" Für alle, die es genau wissen wollen: Der 83-Jährige ist seit April 2012 mit Fabiana Flosi verheiratet. Die Brasilianerin ist um 46 Jahre jünger als er...

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