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  • 11.03.2015 · 20:42

  • von Roman Wittemeier

Ecclestone: Formel 1 ist "nicht Immun gegen Irritationen"

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone über die finanziellen Probleme der Teams und den Einfluss der Techniker: "Designer machen, was sie wollen und kommen damit durch"

(Motorsport-Total.com) - Caterham ist verschwunden, Manor (früher Marussia) wurde wiederbelebt und Sauber, Force India und Lotus kämpfen ums Überleben. Die Formel 1 hat bei genauer Betrachtung der finanziellen Situation der kleineren Teams so gar nichts mehr vom Glanz und Glamour der vergangenen Jahrzehnte. Es wird immer wieder die Forderung formuliert, dass die vorhandenen Einnahmen anders auf die Teams verteilt werden sollen, um gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen.

Bernie Ecclestone

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sieht Probleme, aber er nennt es nicht Krise Zoom

Ist ein neuer Verteilungsschlüssel tatsächlich die Lösung aller Probleme? Nein. Das meint zumindest Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. "Wir zahlen pro Jahr 900 Millionen US-Dollar an die Teams. Das ist für mich übrigens viel zu viel, wenn ich mir die Ausgabenpolitik der Teams betrachte. Die Rennställe können schließlich auch noch Geld über Sponsoren verdienen", sagt er in der 'Welt am Sonntag'. "Wer weniger gut fährt, erhält eben weniger. Das ist in meinen Augen nur fair."

Ferrari, Mclaren, Red Bull und Co. streichen pro Jahr erhebliche Summen aus dem Topf der FOM ein, unterdessen bleibt für die kleinen Teams jeweils nur ein kleines Stück vom großen Kuchen. Aus Sicht des britischen Vermarkters sind die klammen Privatrennställe selbst für ihre Probleme verantwortlich. "Die Teams geben immer Geld aus, das sie nicht besitzen. Das ist das wahre Problem", meint Ecclestone, der Sauber, Force India und Lotus im Februar mit einer vorgezogenen Zahlung aushalf.

"Es sind die Techniker und Ingenieure, denen man eigentlich die Vorwürfe machen müsste. Sie sind es, die den Teamchefs einreden, dass technische Neuerungen und Entwicklungen nötig sind, um konkurrenzfähig zu sein oder bestenfalls sogar schneller als der Rest. Aber es ist meistens nur eine Hoffnung. Das versprochene Leistungsplus tritt oftmals nicht ein, aber das Geld ist weg und die Hoffnung auch", kritisiert der Brite. "So geht das seit Jahren. Die Designer machen, was sie wollen und kommen damit durch."

Ecclestone und die Leiden in einer Demokratie

Der einzige Weg zur Gesundung der Formel 1 sei eine Korrektur des eingeschlagenen Weges. "Wir müssen unser Geschäft grundsätzlich wieder in eine andere Richtung lenken", sagt Ecclestone und untermauert seine Forderung nach 1.000 PS starken Autos, die breit, laut und spektakulär sind. "Echte Formel-1-Autos eben. Da müssen wir wieder hin", so der Formel-1-Vermarkter. "Geplant ist das schon für 2017. Wir müssen dem Publikum das geben, was es sehen will."

Ecclestone sieht die aktuellen Problemfelder in seinem Zirkus, will aber nicht gleich die gesamte Manege einreißen, um einen Neuanfang zu machen. Von Krise könne auch angesichts des Zuschauerschwunds beispielsweise in Deutschland keine Rede sein. "Überall auf der Welt geraten große Firmen und Konzerne ab und an in Schwierigkeiten. Auch die Formel 1 ist nicht immun gegen solche Irritationen", sagt er. "In der Regel sind das immer finanzielle Probleme."


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Wenn der Brite doch nur so könnte wie er wollte. Aus den Worten Ecclestones ist Wehmut herauszulesen. "Das Formel-1-Geschäft wurde auf die Beine gestellt, als ich noch mehr eine Art verantwortlicher Diktator war. Damals konnte ich schnell und präzise viele Entscheidungen treffen, die im Nachhinein richtig waren", sagt er. "Heute ist die Formel 1 eine Demokratie, niemand kann mehr schnell entscheiden. Wir haben mehr Komitees, Arbeitsgruppen, Meetings oder Ausschüsse als Menschen, die etwas von der Sache verstehen."

"Manchmal ist das wichtigste Resultat bei diesen Diskussionen, dass wir den Zeitpunkt des nächsten Meetings festlegen. Da sitzen wir dann und reden stundenlang und legen am Ende einen neuen Termin fest, ohne etwas anderes beschlossen zu haben", klagt Ecclestone den Trend zu immer mehr Arbeitsgruppen an. "Formel 1 ist für mich eine Art Spiegel des alltäglichen Lebens", meint Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard auf 'laureus.com'. "Der Alltag ist nicht immer fair. Nicht jedes Team hat die gleichen Möglichkeiten. Es geht letztlich darum, ein gutes Business daraus zu machen. Und das ist Mercedes zuletzt gut gelungen."