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  • 30.01.2016 · 09:59

  • von Ben Anderson (Haymarket)

Die Damon-Hill-Story: Vom Weltmeister zum Hinterbänkler

Obwohl er 1996 den WM-Titel in der Formel 1 gewann, musste Damon Hill in der folgenden Saison weiterziehen - Zwei Jahrzehnte später spricht er mit Ben Anderson

(Motorsport-Total.com) - Als er im Sommer 1996 seinen Platz bei Williams-Renault verlor, hatte Damon Hill praktisch keine Chance mehr, seinen WM-Titel zu verteidigen, den er später in dieser Saison gewinnen sollte. Sir Frank entschied sich dazu, Hills Vertrag nicht zu verlängern. Stattdessen ersetzte er ihn durch Sauber-Star Heinz-Harald Frentzen.

Damon Hill

Damon Hill gewann 1996 den WM-Titel, verlor allerdings sein Williams-Cockpit Zoom

Diese Entscheidung beendete eine ergiebige sechsjährige Zusammenarbeit zwischen Hill und dem britischen Traditionsteam. Sie begann 1991 mit einem Test, der letztendlich dazu führte, dass Hill ein Stammcockpit erhielt (als Nigel Mansell das Team Ende 1992 verließ, um zu den IndyCars zu wechseln), und es endete mit seinem berühmten Titelgewinn vor 20 Jahren.

Weil die anderen Topteams bereits besetzt waren, hatte Hill bei der Suche nach einem Cockpit für 1997 kaum Optionen - und gleichzeitig musste er sich auch noch auf den Titelkampf konzentrieren. "Es war ein merkwürdiger Mix aus Emotionen", erinnert sich Hill bei 'Autosport' zurück und berichtet: "Ich hatte verschiedene Möglichkeiten, aber es wäre immer nur zweite oder dritte Wahl gewesen."

"Ein gutes Angebot"

Damon Hill

1997 kam Hill bei Arrows unter, wo er allerdings nur selten konkurrenzfähig war Zoom

"Es waren entweder neue Teams oder Teams, die vorher keinen Erfolg hatten. Ich wusste also, dass ich in eine Warteschleife gehen musste, falls sich später noch eine andere Möglichkeit ergeben würde." Die Erlösung kam in Form eines Deals mit dem Mittelfeldteam Arrows, das gerade von Tom Walkinshaw, dem ehemaligen Chefingenieur von Benetton, dem großen Rivalen der mittleren 90er Jahre, gekauft wurde.

"Es war ein Risiko, aber es war definitiv Potenzial da. Ich denke, dass man das in Ungarn gesehen hat (als Hill Zweiter wurde und fast gewann; Anm. d. Red.). Tom Walkinshaw wollte mich unbedingt dabei haben", erinnert sich Hill zurück. "Es war ein gutes Angebot und durch die Bridgestone-Reifen vielleicht eine Chance. Wir dachten, dass wir einen Vorteil haben würden, wenn Bridgestone kam. John Barnard stieß (Mitte der Saison) ebenfalls zu uns."

"Tom war ein sehr aggressiver Geschäftsmann. Er wollte sich alles holen, was er zum Gewinnen brauchte. Der Wechsel zu Arrows war also nicht komplett verrückt. Das 1997er-Auto war eigentlich ein ziemlich guter Wagen, abgesehen vom Motor", so Hill. Das Team präsentierte seine Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft bei der Autosport Show 1997 in Birmingham. An Hills Seite wurde "Paydriver" Pedro Diniz gestellt.


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"Er war ein sehr, sehr netter Kerl, und er konnte auch schnell sein. Hin und wieder war er besser als ich", sagt Hill und erklärt: "Manche Leute müssen gewinnen und müssen Rennen fahren. Ich denke nicht, dass er wirklich herausfinden wollte, ob er das Zeug dazu hatte. Er schaffte es in der Formel 1, was ziemlich gut war. Er war ein netter Kerl. Jetzt macht er Yoga im brasilianischen Regenwald! Er und sein Manager (Daniele Morelli, der auch Robert Kubica betreute) waren vielleicht einfach zu nett für die Formel 1."

Start mit Schwierigkeiten

Damon Hill

In Ungarn lag Hill lange in Führung und holte am Ende einen starken zweiten Platz Zoom

Die Saison 1997 begann für den amtierenden Weltmeister nicht gerade gut. Hill qualifizierte sich als 20. von 22 Autos, die beim ersten Rennen in Melbourne in der Startaufstellung standen. Noch zwölf Monate zuvor hatte Hill dort gewonnen. Diniz startete von ganz hinten. Mit einem Schlag war Hill vom Champion zum Hinterbänkler geworden, doch er ließ sich davon nicht herunterziehen.

"Du musst dein Bestes geben, und wenn andere Leute denken, dass es furchtbar und peinlich ist, dann ist das ihr Problem", erklärt er und verrät: "Natürlich willst du nicht dort stehen, aber es war mir egal, solange wir unser Bestes gegeben haben. Außerdem gibt es viel mehr Raum für Verbesserungen, wenn du hinten stehst. Ich hatte das Hinterherfahren in Scheißkisten bereits hinter mir, also war es nichts Neues für mich. Aber ich hatte Vertrauen in John Barnard."

"Ich habe die Arbeit mit den Ingenieuren schon immer genossen. Sie sind die wichtigsten Leute im Sport, die den Erfolg bringen. Und wenn wir das Budget gehabt hätten, dann hätten wir es meiner Meinung nach auch schaffen können. Tom hatte einige verrückte Erwartungen, aber das gefiel mir. Er war nicht realistisch, aber er war sehr ambitioniert. Und ich denke, dass du ein paar Luftschlösser bauen musst. Wir waren nicht dabei, um das Feld aufzufüllen, wir wollten es schaffen - irgendwie."

"Es gab die Möglichkeit, mit Arrows erfolgreich zu sein. Es hätte passieren können." Damon Hill

"Es gab Optimismus. Es gab die Möglichkeit mit Arrows (erfolgreich zu sein). Es hätte passieren können. Schaut euch die Story von Red Bull an. So hätte es laufen können. 1996 war das natürlich alles unsicher, aber ich wollte gerne zu einem Projekt stoßen, das große Pläne verfolgte und vielleicht funktionieren konnte. Die anderen konnte ich nicht annehmen, denn sie waren komplett hoffnungslos."

Einige Glanzlichter

Jacques Villeneuve, Damon Hill

Auf dem Podium feierte Hill mit dem späteren Weltmeister Jacques Villeneuve Zoom

Es war eine harte Saison, doch es gab auch Hoffnungsschimmer. So wie den Beinahe-Sieg in Ungarn. Außerdem holte Hill beim Großen Preis von Großbritannien einen Punkt und kam beim Saisonfinale in Jerez bis auf 0,058 Sekunden an die Pole-Position heran. Damit bewies er, dass der A18 mit Yamaha-Motor unter den richtigen Umständen durchaus ein sehr gutes Auto war.

"Die Balance des Autos war gut, und ich denke, dass das zum Teil auch an den Reifen lag", erklärt Hill. "Die Zusammenarbeit mit Bridgestone war gut. In ihren Mischungen steckte ein bisschen Magie. Es war ein flinkes Auto. Es hatte nicht viel Leistung, aber an manchen Orten stimmte die Balance und die Reifenwahl von Bridgestone verschaffte uns vielleicht einen Vorteil, der dafür sorgte, dass wir vorne heranfahren konnten."

"Vermutlich hatte ich nie ein Auto, das besser ausbalanciert war, als in diesem Jahr in Ungarn. Es war fantastisch. Ich konnte es richtig um die Kurven werfen. Ich wünschte, ich hätte in der Garage sein können, als Jackie Oliver dachte, dass er nach 300 Fehlversuchen sein erstes Rennen gewinnen würde." Der amtierende Champion genoss seine Zeit bei Arrows, doch gleichzeitig hoffte er noch immer, mit einem großen Team wieder an die Spitze der Formel 1 zurückzukehren.


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Es gab Gespräche über einen potenziellen McLaren-Deal für 1998, doch der Wechsel scheiterte letztendlich. "Als Adrian Newey Williams verließ, war es klar, dass McLaren der 'Place to be' sein würde. Doch es gab einen kleinen Stein auf meinem Weg, und der trug die Initialen 'RD'", erklärt Hill. "Ich bin ein großer Verehrer von Ron. Seine Verdienste sind großartig, aber seine Kommunikation ist etwas merkwürdig."

Jordan statt McLaren

Ralf Schumacher

Für Jordan holte Hill 1998 in Belgien seinen letzten Sieg bei einem Formel-1-Rennen Zoom

"Wenn ich etwas schlauer gewesen wäre, hätte ich vielleicht ja gesagt. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich in meiner Karriere genug unterworfen hatte. Ich dachte, dass ich mir meinen Ruf durch meinen WM-Titel erarbeitet hätte, aber Ron sah das nicht so. In den Augen von McLaren bist du nichts. Ich habe den Sport immer als Möglichkeit gesehen, mich selbst zu entfalten. Es ist mir wichtig, dass ich mich verwirklichen darf."

"Ich hatte das Gefühl, dass McLaren ein Team war, dem das nicht recht war. Sie wollten, dass sämtlicher Erfolg auf das Team zurückfällt. Der Fahrer war einfach nur ein Diener des Teams. Ich verstand ihren Standpunkt, aber so sehen die Zuschauer es nicht. Ich hatte das Gefühl, dass ich mein ganzes Leben so gelebt hatte, und da kam ich an einen Punkt, an dem ich es nicht mehr ertragen konnte."

Letztendlich unterschrieb Hill einen Zweijahresvertrag beim Team von Eddie Jordan, wo er 1998 in Belgien seinen letzten Grand-Prix-Sieg holte, bevor er am Ende der folgenden Saison zurücktrat. "Ich denke, dass die Dinge so geschehen, wie sie geschehen sollen", erklärt Hill philosophisch. "Nachdem ich den Titel gewonnen hatte, entschied ich mich dazu, das zu machen, was ich machen wollte. Ich wollte die Dinge auf meine Art erledigen und so fahren, wie ich fahren wollte."

"Es ist mein Leben, und ich mache das, was ich machen will!" Damon Hill

"Ich hatte das Gefühl, dass ich die Wahl hatte, was ich tun möchte. Ich wählte meinen eigenen Weg. Ein Karriereberater hätte das vielleicht nicht vorgeschlagen, aber darauf habe ich nur eine Antwort: 'Es ist nicht euer Leben. Es ist mein Leben, und ich mache das, was ich machen will!' So ging ich den Rest meiner Karriere an", verrät Hill. Es war eine kurze, aber sehr erfolgreiche Karriere, die vor allem durch den Titelgewinn 1996 definiert wird, und nicht durch den kurzen Rest danach.

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