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Das war 2008: Honda

Der "Earthdream" ist geplatzt: Wie Honda 20 Jahre nach der Traumsaison 1988 abgestürzt ist und warum Ross Brawn nichts daran ändern konnte

(Motorsport-Total.com) - Viele trauern den "goldenen Jahren" der Formel 1 nach, dabei war die Saison 2008 so spannend wie kaum eine andere zuvor. Speziell das packende Herzschlagfinale in Brasilien ging in die Grand-Prix-Geschichte ein. 'Motorsport-Total.com' rollt die zurückliegenden Ereignisse in Form einer Artikelserie noch einmal auf. Den Anfang machen die elf Teams, dann folgen die fünf Deutschen und zum Abschluss am 1. Januar Weltmeister Lewis Hamilton. Heute: Honda.

Jenson Button

20 Jahre nach der "goldenen Saison" 1988 zieht sich Honda zurück Zoom

Es gab in der Formel 1 einmal einen Leitsatz: "Alles, was Honda anpackt, wird zu Gold." Die große Zeit der Japaner in der Königsklasse waren die 1980er-Jahre: Zwischen 1986 und 1991 gewannen Honda-Motoren sechs Konstrukteurs- und fünf Fahrer-WM-Titel - 1986 und 1987 mit Williams, ab 1988 mit McLaren als Partner. Die Saison 1988 ist ohnehin legendär: Hätte in Monza nicht ein gewisser Jean-Louis Schlesser den überlegen führenden Ayrton Senna beim Überrunden abgeschossen, dann hätten Senna und Teamkollege Alain Prost damals alle 16 Rennen gewonnen!#w1#

20 Jahre später

Genau 20 Jahre später war von diesem Glanz nichts mehr übrig: Rubens Barrichello (11) und Jenson Button (3) holten zusammen lediglich 14 WM-Punkte und brachten das Team damit gerade mal auf den neunten Platz im Gesamtklassement - noch schlechter waren nur Force India und Super Aguri. In der zweiten Saisonhälfte ging Honda überhaupt komplett leer aus. Für einen Automobilhersteller, der Ende 2005 das aus Tyrrell hervorgegangene BAR-Team übernommen hat und mit der Zielsetzung angetreten ist, Weltmeister zu werden, ist das eine schallende Ohrfeige.

Honda RA108

Für viele das hässlichste Auto der Saison 2008: Hondas Earth-Car RA108 Zoom

"Ich finde es enttäuschend, dass es nicht einmal ein Mann wie Ross Brawn hinbekommen hat, das Auto zu verbessern", bringt es 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer auf den Punkt. "Im Gegenteil: Die sahen ja noch schlechter aus als das Jahr zuvor - für mich eine Katastrophe!" Man sollte nicht vergessen: Erst 2006 hat Honda in Budapest noch einen Grand Prix gewonnen. Button war damals mit 35 WM-Punkten aus den letzten sechs Rennen sogar der erfolgreichste Pilot im gesamten Feld!

"Es hat nie annähernd geklappt, vorne mitzufahren, was natürlich extrem traurig ist, weil Honda in der Formel 1 schon sehr erfolgreich war. Das ist leider schnell wieder vergessen", unterstreicht unser zweiter Experte Sven Heidfeld. Dabei wären die Vorzeichen 2008 so gut gewesen wie schon lange nicht mehr: Trotz des gekürzten Etats standen dem Team aus Brackley immer noch mehr als 300 Millionen Euro und rund 800 Mitarbeiter zur Verfügung. Dazu wurde Ex-Ferrari-Mastermind Ross Brawn von Nick Fry aus dem Ruhestand geholt und mit dem RA108 ein vermeintliches Siegerauto gebaut.

Erste Alarmsirenen im Winter

Doch dass es dazu nicht kommen würde, war schon nach den ersten Wintertests klar, in denen Honda phasenweise sogar Mühe hatte, mit Force India und dem eigenen Kundenauto bei Super Aguri Schritt zu halten. Daran konnte auch Edeltestfahrer Alexander Wurz mit all seiner Routine nichts ändern. Bis zum Saisonauftakt in Melbourne wurde zwar ein Notfallprogramm angeworfen, aber im ersten Qualifying des Jahres verpassten Barrichello und Button dennoch den Sprung in die Top 10. Dabei waren die Positionen elf und 13 gemessen an späteren Ergebnissen noch schmeichelhaft...

Rubens Barrichello

Dritter Platz in Silverstone: Noch ein letzter Schluck Champagner, Rubens! Zoom

Die ersten WM-Punkte des Jahres gelangen Button im vierten Rennen in Barcelona - als Sechster mit fast einer Minute Rückstand. Wehrmutstropfen: Nur in Melbourne waren noch weniger Autos im Ziel als in Barcelona. Barrichello sammelte dann bei den Safety-Car-Rennen in Monte Carlo und Montréal Zähler - und dann kam Silverstone: Während viele Topstars im strömenden Regen Pirouetten drehten wie übermotivierte Eiskunstläufer, packte das aus Ferrari-Zeiten eingespielte Duo Barrichello/Brawn seine ganze Routine (und die richtigen Regenreifen) aus, was dem Brasilianer den wahrscheinlich letzten Podestplatz seiner Formel-1-Karriere bescherte.

Zumindest den Zahlen nach hatte Barrichello Button 2008 im Griff. Was spricht also gegen ihn? "Höchstens das Alter! Irgendwann ist die Zeit halt abgelaufen", sagt Surer. "Wenn ich Honda wäre, würde ich auch auf Junge setzen. Es tut mir leid, denn er hat sich sehr viel Mühe gegeben und er hat auch sehr gute Leistungen gebracht, vor allem im Regen. Das Rennen in Silverstone war einfach sensationell! Das muss man auch erstmal fahren - andere sind nicht auf der Piste geblieben. Wenn er die Chance hatte, hat er es umgesetzt, das muss man ihm lassen. Das erwarte ich von einem erfahrenen Mann aber auch."

Barrichellos Meilenstein

Grand-Prix-Geschichte schrieb der 36-Jährige in Istanbul, wo er den Uraltrekord für die meisten Rennteilnahmen von Riccardo Patrese übertraf. Inzwischen hat "Rubinho", wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, 269 Formel-1-Starts auf dem Buckel - nach seiner eigenen Rechnung sogar deren 270. Den heimlichen Traum, auch die magische 300 noch zu knacken, wird er sich jedoch aller Voraussicht nach nicht mehr erfüllen können.

Honda-Fabrik in Brackley

In Brackley zittern derzeit 800 Mitarbeiter des Honda-Teams um ihre Jobs Zoom

Auch Honda wird 2009 nicht mehr mit von der Partie sein: In Tokio gab der japanische Automobilhersteller am 5. Dezember bekannt, dass er sein Formel-1-Projekt mit sofortiger Wirkung beenden wird - eine unmittelbare Folge der Weltwirtschaftskrise. Erste Vorzeichen hatte es schon gegeben, als erst ein Dinner für die Medien und dann die traditionelle Weihnachtsfeier für die Mitarbeiter abgesagt wurden. Brawn und Fry erfuhren von der Entscheidung des Vorstands am 28. November, am 4. Dezember kamen erste Gerüchte in den Medien auf. Ein paar Stunden später war die Katze auch offiziell aus dem Sack.

Ein für viele unerwarteter Rückzug, schließlich hatte sich Honda angesichts der miserablen Ausgangsbasis für 2008 voll und ganz auf 2009 konzentriert. Oder doch nicht? "Die Ausrede, man arbeitet am nächsten Jahr, lasse ich nicht gelten, denn das tun alle anderen auch. Im Prinzip haben sie eher das Handtuch geworfen, weil sie sich gesagt haben: Mit dem Schrott, den wir da haben, geht eh nichts weiter", kritisiert Surer.

Ad absurdum geführt: Alles für 2009

Expertenkollege Heidfeld nickt zustimmend: "Sie haben sich früh auf das neue Auto für nächstes Jahr konzentriert. Ich glaube aber nicht, dass es daran lag. Mit Sicherheit ist viel für nächstes Jahr gemacht worden, aber man muss auch am aktuellen Geschehen dranbleiben. Es kann nicht sein, dass man mit dem Kopf immer weiter ist und dabei ganz darauf vergisst, erfolgreich Rennen zu fahren." Das an und für sich verlockende Konzept, ein Jahr abzuschreiben, um sich im Vergleich zur Konkurrenz einen Entwicklungsvorsprung für die nächste Saison zu verschaffen, ist in der Geschichte der Formel 1 noch selten aufgegangen.

Jenson Button

Hondas letzte Sternstunde in der Formel 1: Sieg auf dem Hungaroring 2006 Zoom

Für Surer lag die Wurzel allen Übels ohnehin ganz woanders begraben: "Seit Geoff Willis weg ist, läuft kein Honda mehr." Der geniale, aber "intern unbequeme" (Surer) Konstrukteur, heute Partner von Adrian Newey bei Red Bull, hat die erfolgreichsten Honda-Boliden des neuen Jahrtausends gebaut - nach seiner Übergabe an Shuhei Nakamoto ging es mit dem Rennstall rapide bergab. Zwar ist Nakamoto, der vor 2007 noch nie selbst ein Auto entwickelt hatte, inzwischen wieder zu Hause in Japan, aber auch die personifizierte Feuerwehr in Form von Heimkehrer Jörg Zander konnte das Blatt bislang nicht wenden.

Und vom berühmten Brawn-Faktor war zumindest an der Oberfläche wenig zu sehen, wie Surer findet. Aber: "Wir wissen nicht, welche Maßnahmen er intern gesetzt hat, damit solche Katastrophen nicht wieder passieren. In diesem Jahr hat man davon jedenfalls nichts gesehen. Man kann ihn jedoch nicht an dem schlechten Auto messen, das andere gebaut haben. Eine Aufwärtstendenz habe ich trotzdem nicht festgestellt", so der Schweizer.

War auch Brawn Schuld an der Misere?

Außerdem meint Surer, dass Brawn zumindest ansatzweise auch für den RA108-Totalflop verantwortlich sein muss, schließlich hatte er vor dem Comeback bei Honda ein Jahr Urlaub - und es ist schwer vorstellbar, dass während dieser Pause nicht dann und wann ein Designprogramm auf seinem Computer gelaufen ist. Heidfeld nimmt den Briten trotzdem in Schutz: "Ein Jahr ist zu wenig, um seine Arbeit beurteilen zu können."

Feuer bei Honda

Unwürdiges Ende einer Ära: Feuer bei Jenson Button nach dem letzten Rennen Zoom

"Er hat mit Sicherheit neue Ideen und Energien reingebracht, aber das hat sich ganz wenig ausgewirkt, weil die Zeit viel zu kurz war. Die Ideen zu haben, reicht nicht, sondern man muss sie auch umsetzen und testen", erklärt der Deutsche. Laut Surer müsse man Brawn spätestens 2009 - "und dann auch hart" - bewerten. Trotz Honda-Rückzug könnte er der Formel 1 erhalten bleiben: Wie hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, basteln Brawn und Fry gerade daran, das Team selbst zu übernehmen. Selbst wenn ein neuer Käufer kommen sollte, würde der einen der anerkannt besten Formel-1-Masterminds wohl halten wollen.

Bezeichnend war das Ende der Honda-Ära beim Saisonfinale in São Paulo, als noch niemand wusste, dass das Team gerade sein letztes Rennen bestritten hatte: Ein paar Meter hinter dem jubelnden Weltmeister Lewis Hamilton fing Buttons Auto Flammen, was kurzfristig für Aufregung sorgte. Nach so vielen Erfolgen in der Königsklasse des Motorsports hätten sich die Japaner ein würdigeres Ende ihres Engagements verdient gehabt...

Saisonstatistik:

Team:

Konstrukteurswertung: 9. (14 Punkte)
Siege: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 0
Podestplätze: 1
Ausfallsrate: 22,2 Prozent (6.)
Durchschnittlicher Startplatz: 14,8 (9.)

Jenson Button (Startnummer 16):

Fahrerwertung: 18. (3 Punkte)
Siege: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 0
Durchschnittlicher Startplatz: 14,7
Bestes Ergebnis Qualifying: 9.
Bestes Ergebnis Rennen: 6.
Ausfallsrate: 22,2 Prozent (12.)

Rubens Barrichello (Startnummer 17):

Fahrerwertung: 14. (11 Punkte)
Siege: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 0
Durchschnittlicher Startplatz: 14,8
Bestes Ergebnis Qualifying: 9.
Bestes Ergebnis Rennen: 3.
Ausfallsrate: 22,2 Prozent (12.)

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