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Christian Horner: Gespräche mit VW haben stattgefunden

Red Bull eiert in der Motorenfrage weiter herum: Honda, 2015er-Ferrari, Renault - oder doch ein Nicht-Hybrid-Antrieb von einem unabhängigen Hersteller?

(Motorsport-Total.com) - Bereits am 19. Februar dieses Jahres hat 'Motorsport-Total.com' von Gesprächen zwischen Red Bull und Volkswagen berichtet, die es in den vergangenen Jahren nicht zum ersten Mal gegeben hat, die davor aber noch nie so intensiv waren. Letztendlich entschied sich der deutsche Automobilkonzern ein weiteres Mal gegen einen Formel-1-Einstieg.

Christian Horner

Christian Horner sucht weiterhin fieberhaft nach einem Motor für die Saison 2016 Zoom

Es dauerte acht Monate, bis unsere Story endlich von offizieller Stelle bestätigt wurde. Das passierte am Freitag im Rahmen der FIA-Pressekonferenz in Austin: "Natürlich hat es Gespräche mit der VW-Gruppe gegeben, das ist öffentlich bekannt", so Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Aber das Thema sei wegen des potenziell milliardenschweren Abgasskandals derzeit nicht aktuell: "Angesichts ihrer Probleme ist die Formel 1 wahrscheinlich das Letzte, woran sie denken."

Ansonsten lieferte Horner in der Pressekonferenz eine Galavorstellung im Herumeiern ab, wenn es um die Motorenzukunft von Red Bull ging. Da fielen Sätze wie: "Über unsere Situation wird viel spekuliert. Wenn einmal alles finalisiert ist, wird alles extrem klar sein." Und auch zu den jüngsten Honda-Gerüchten ließ er sich nur einen schier endlos langen Monolog entlocken, nach dem die anwesenden Journalisten um nichts schlauer waren als vorher.

Renault-Vertrag gekündigt oder nicht?

Unsicherheit stiftete Horner auch, was den Renault-Vertrag angeht, der eigentlich bis Ende 2016 geschlossen wurde, aber laut Red-Bull-Aussagen längst gekündigt worden sein soll - oder etwa doch nicht? "Wir haben eine Vereinbarung mit Renault, die bis Ende nächsten Jahres läuft", so der Brite geheimnisvoll. "Darüber wurde viel spekuliert. Ich bin sicher, wir können zu dieser Vereinbarung in den nächsten Tagen etwas bekannt geben."

"In einem umkämpften Umfeld wie der Formel 1 setzt unweigerlich Frust ein, wenn Versprechungen nicht eingehalten werden." Christian Horner

Einen Weg zurück scheint es aber nicht zu geben: "Als das V6-Hybrid-Reglement eingeführt wurde, wurden Erwartungen festgelegt und Versprechungen gemacht. In einem umkämpften Umfeld wie der Formel 1 setzt unweigerlich Frust ein, wenn Versprechungen nicht eingehalten werden", übt Horner erneut Kritik am langjährigen Partner. "Das ist nichts, was erst in den letzten Monaten aufgekommen ist, sondern es hat sich durchgängig entwickelt - auf beiden Seiten, glaube ich."

"Trotz größter Anstrengungen aller Beteiligten hat es aus irgendeinem Grund nicht funktioniert", hält er fest. "Die Entscheidungen, die getroffen wurden, wurden aus einem bestimmten Grund getroffen, um die Interessen des Teams voranzubringen. Red Bulls Ziele in der Formel 1 sind, teilzunehmen und zu gewinnen. Leider hatten wir in den letzten paar Jahren nicht das Gefühl, das erreichen zu können. Aus diesem Grund wurden bestimmte Entscheidungen getroffen."

Horner kämpft verbissen um seinen Verbleib

"Keine Option" sei "für mich" ein Red-Bull-Ausstieg, betont Horner: "Wir müssen eine Lösung finden. Ich arbeite sehr hart daran, sicherzustellen, dass das Team nächstes Jahr und darüber hinaus am Start und auch konkurrenzfähig ist." Aber Dietrich Mateschitz, der mit einem Ausstieg über die Medien bereits offen kokettiert hat, könne sich "natürlich" jederzeit dazu entscheiden, den Stecker zu ziehen: "Letztendlich ist es sein Team."


Fotos: Red Bull, Großer Preis der USA, Freitag


Auch die Variante, wie Toro Rosso (Franz Tost: "Wir verhandeln noch") auf einen 2015er-Ferrari-Motor zu setzen, somit eine Entwicklungsstufe hinter dem Werksteam hinterherzuhinken, ist noch nicht ganz vom Tisch: "Kann gut sein. Im Moment ist alles offen", sagt Horner - und sorgt bei uns für offene Ohren, als er über die Möglichkeit, einen V8-Motor zu fahren, grinsend zu Protokoll gibt: "Müssen wir vielleicht, denn wir haben keinen Motor."

Einen 1.000-PS-Cosworth ohne Hybrid-Power, das ist nicht nur ein Plan-B-Szenario für Red Bull, sondern vor allem ein Herzenswunsch von Bernie Ecclestone, der die teuren und leisen Hybrid-V6-Turbos nie wollte. Seine Wunschvorstellung: Die Hersteller können weiterhin ihre Millionen verpulvern, aber für die kleineren Teams soll es eine billigere Alternative geben - und eine Balance of Performance (BoP), die für einen fairen Ausgleich der Motorenformate sorgt.