powered by Motorsport.com
  • 27.06.2001 · 15:42

  • von Fabian Hust

Brawn: Zum Relaxen ist es viel zu früh

Ross Brawn, Technischer Direktor des Ferrari-Teams, weiß, dass die Saison noch lange und hart ist

(Motorsport-Total.com) - Für Ross Brawn, den Technischen Direktor des Ferrari-Teams, wird es in den nächsten Wochen bis zum Saisonende noch eine Menge zu Denken und zu Rechnen geben. Grund ist vor allem die Tatsache, dass man nun in jedem Rennen scheinbar taktische Meisterleistungen zu erbringen hat, um Williams überhaupt hinter sich lassen zu können: "Wir fahren gegen Michelin und wissen, dass sie am Ende des Rennens besser und besser werden. Wie will man sich dagegen wehren?", hebt Brawn gegenüber 'Autosport' den großen Vorteil hervor, den Ralf Schumacher gegenüber seinem Bruder Michael in den letzten beiden Rennen hatte.

Ross Brawn

Ross Brawn weiß, dass die WM noch lange nicht gelaufen ist

Nach Angabe von Brawn waren die Reifen auf dem Nürburgring das A und O. Genauestens beobachte der Brite die Reifen, die die Michelin-Konkurrenz bei Ralf Schumacher aufzog: "Sie nutzten für ihren ersten Turn relativ alte Reifen, dann mussten sie für den zweiten und dritten Stint neuere Reifen nutzen, weswegen sie auch meiner Meinung nach nicht mehr so schnell waren."

Bei Bridgestone sind die Reifen in den ersten paar Runden exzellent, bauen dann aber kontinuierlich ab. Bei Michelin sind die Reifen auf eine Runde schnell, bauen dann dramatisch ab, erholen sich dann aber und werden schneller, je älter sie werden. "Die letzten fünf bis zehn Runden eines jeden Stints waren für uns sehr schwierig. Wir hatten das strategische Problem, dass wir Ralf hinter uns halten mussten und hoffen mussten, dass er zur ähnlichen Zeit mit uns an die Box kommt, was er dann auch tat. Alles hat funktioniert, aber das Auto war am Ende des ersten Stins schwierig zu fahren." Hätte BMW-Williams wie in Kanada länger draußen bleiben können, hätte man das Rennen - rein taktisch gesehen - verloren.

Die nächste Schwierigkeit ergab sich für Brawn bei dem ersten Boxenstopp, als klar war, dass beide gleichzeitig an die Box kommen würden. Wie viel Benzin gibt man Schumacher mit? Tankt man zu viel, verliert man die Führung vielleicht an der Box gegen den kürzer haltenden Ralf Schumacher oder man muss zu lange fahren und die Reifen bauen ab. Tankt man zu wenig, kann es passieren, dass der andere länger draußen bleiben kann und somit die Führung übernimmt. Eine knifflige Entscheidung, die durch die Zeitstrafe für Ralf Schumacher an Bedeutung verlor.

Ross Brawn ist mittlerweile der Meinung, dass BMW-Williams in der kommenden Saison um den Titel mitfahren wird. In diesem Jahr ist dies in den Augen des Briten noch unrealistisch, dennoch ist der Titel noch nicht in trockenen Tüchern: "Es sind noch acht Rennen zu fahren und wir haben erst die Halbzeit überschritten. In meinen Augen ist die WM noch offen. Das Team macht einen sehr guten Job und so müssen wir jetzt weiterarbeiten."