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Boxenblockade: Zwei Fahrer, zwei Meinungen

Fernando Alonso und Lewis Hamilton haben zwei komplett unterschiedliche Sichtweisen dessen, was im Qualifying am Hungaroring passiert ist

(Motorsport-Total.com) - Über den Hungaroring ist längst die Dunkelheit herangebrochen, doch die Rennleitung hat im Blockadefall um Fernando Alonso und Lewis Hamilton noch immer kein Urteil bekannt gegeben. Dafür ist inzwischen klar, dass der Haussegen bei McLaren-Mercedes gewaltig schief hängt, denn unterschiedlichere Ansichten als die beiden Betroffenen kann man zu dem Fall gar nicht haben.

Ron Dennis und Fernando Alonso

Ron Dennis und Fernando Alonso auf dem Weg zur Rennleitung

Alonso behauptet, das Team habe ihn dazu angewiesen, so lange stehen zu bleiben - was insofern verwundert, als McLaren-Mercedes ja kein Interesse daran haben kann, Hamilton keine weitere schnelle Runde zu ermöglichen. Daher liegt der Verdacht nahe, dass der Doppelweltmeister auf eigene Faust gehandelt haben könnte, um seinen schärfsten Rivalen im harten Kampf um die Pole Position entscheidend zu schwächen.#w1#

Was hat die Startreihenfolge mit der Blockade zu tun?

"Wenn er einfach hinter mir nachgefahren wäre, hätten wir beide eine zusätzliche Benzinrunde fahren können." Lewis Hamilton

Teamchef Ron Dennis erklärte indes in einer schwer nachvollziehbaren Stellungnahme, dass zu Beginn der Session eigentlich Alonso und nicht Hamilton als Erster hätte rausfahren sollen, doch was das genau geändert hätte, ist unklar. Alonso selbst wiederum behauptet, wenn er vorne gelegen wäre, hätte es seine Crew einfacher gehabt, eine freie Stelle auf der Strecke zu finden - und dann hätte man ihn nicht so lange warten lassen müssen.

Gerade, als er dies den gespannt lauschenden Journalisten erklärte, stieß Hamilton zum Medienbriefing der Silberpfeile hinzu - und widersprach seinem Teamkollegen: "Wenn er einfach hinter mir nachgefahren wäre, hätten wir beide eine zusätzliche Benzinrunde fahren können, denn es war genug Zeit. Aber er ließ sich zurückfallen und verlor viel Zeit, daher reichte es für ihn nicht mehr für die Extrarunde", so der Brite.

Als Hamilton beim Warten auf die grüne Ampel in der Boxengasse vor dem dritten Qualifying vor Alonso stand, wurde er von Dennis angewiesen, seinen Teamkollegen passieren zu lassen. Hamilton lehnte dies jedoch ab: "Ich wollte nicht riskieren, auch von Kimi (Räikkönen; Anm. d. Red.) überholt zu werden und meinen Platz zu verloren, denn das hätte mich die Extrarunde gekostet. Ich hielt es nicht für ein großes Problem", stritt er "Unstimmigkeiten" mit dem Kommandostand gar nicht erst ab.

Streit zwischen Dennis und Hamilton?

"Es war das erste Mal, dass ich mich zur Wehr gesetzt habe, aber ich wurde schon öfter gebeten, ihn vorbeizulassen." Lewis Hamilton

Britische Journalisten behaupteten später sogar, es sei zwischen dem WM-Leader und Dennis zu einem scharfen Wortgefecht gekommen, weil Hamilton den Anweisungen des stolzen Teamchefs nicht Folge leistete. Darauf soll Dennis gesagt haben: "So redest du nicht mit mir!" Hamilton bestätigte dies später indirekt im Mediengespräch: "Es war das erste Mal, dass ich mich zur Wehr gesetzt habe, aber ich wurde schon öfter gebeten, ihn vorbeizulassen."

Indes erklärte Alonso ein paar Meter weiter, warum er gar nicht schuldig sein konnte: "Ich selbst fuhr zwei Sekunden vor Ablauf der Zeit über die Linie, es war auch bei mir knapp. Ich fuhr eine schnelle Outlap, sonst hätte ich das gleiche Problem gehabt. Es war unmöglich, diese zwei Sekunden zu kalkulieren. Es ist, wie Ron gesagt hat: Alles war außer Kontrolle. Es ist gar nicht möglich, irgendetwas anderes zu denken", so der 25-Jährige.

Alonso reagiert auf Fragen gereizt

Ron Dennis und Fernando Alonsos Physiobetreuer

Ron Dennis mit dem Physiobetreuer von Fernando Alonso nach dem Qualifying Zoom

Außerdem reagierte er schon ein bisschen gereizt auf Fragen, warum er denn so lange gewartet habe - dies sei "ganz normal" und komme an jedem Rennwochenende vor. Das sieht Hamilton freilich anders: "Das stimmt nicht. Du gehst raus, sobald du fertig bist. Auf Verkehr wartest du nicht. Sie sagen dir vielleicht, dass du fünf Sekunden langsamer fahren sollst, um den Williams vorbeizulassen oder so, aber sie sagen dir nicht, dass du warten sollst", widersprach er.

Und dann steht da ja auch noch der Vorwurf im Raum, Alonso habe den Lollipop ignoriert, um auf ein Signal seines Physiotherapeuten zu warten, der gleich nach der Session von Dennis gerüffelt wurde. Auch diesen Vorwurf wischte der Polesetter des Ungarn-Grand-Prix entschieden vom Tisch: "Wer sich ein bisschen auskennt, der weiß, dass der Physio gar nicht die Möglichkeit hat, mit uns am Funk zu sprechen. Und wenn, dann hätten es alle anderen auch gehört."

Auffällig war während des Medienbriefings von McLaren-Mercedes, dass die beiden Fahrer trotz ihrer ganz offensichtlichen Spannungen und trotz der weit sehr unterschiedlichen Aussagen immer wieder betonten, dass sie keine Meinungsverschiedenheiten hätten. Wie bitte? Und Alonso schob den Schwarzen Peter dann gleich den Journalisten zu: "Ich glaube, es gibt hier Unstimmigkeiten, weil ihr das so wollt", nörgelte er.

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