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Bouiller: "Wir bedienen nicht Kimis Launen"

Lotus-Teamchef Eric Bouiller findet, dass es gar nicht so schwierig ist, mit Kimi Räikkönen zu arbeiten, wenn man weiß wie - Geduld mit Grosjean nicht unendlich

(Motorsport-Total.com) - Groß war die Freude unter den Fans, als Kimi Räikkönen Ende 2011 sein Formel-1-Comeback ankündigte. Der eigensinnige Finne, der nach zwei Jahren Auszeit bei Lotus andockte, ist einer der beliebtesten und speziellsten Charaktere in der Formel-1-Welt - gerade weil er so ist, wie er ist. Doch wie kommt das Lotus-Team mit den Macken des Ex-Weltmeisters zurecht? "Um ehrlich zu sein, ist er gar nicht schwierig zu handhaben", behauptet Teamchef Eric Bouiller bei 'formula1.com'. "Man muss nur sicherstellen, dass die Ingenieure verstehen und respektieren, wie Kimi denkt und sich verhält."

Kimi Räikkönen

Eric Bouiller weiß, wie man mit Kimi Räikkönen umgehen muss Zoom

"Aber er liefert auch gute Leistungen ab, deswegen bekommt er den Respekt auch", betont Bouiller. Selbst wenn der Finne am Funk eigenwillige Antworten (es sei an die Funksprüche aus Abu Dhabi erinnert) gebe, müsse man ihm einfach vertrauen. "Ohja, man muss viel Vertrauen haben", lacht der Franzose. Doch Räikkönen wisse wirklich, was er tue. Dazu baue er clever ein System um sich herum auf: "Es braucht ein bisschen Zeit, bis er auf Speed kommt. Aber er liefert ab, denn er weiß, dass sein stärkster Trumpf die Rennpace ist", erklärt Bouiller.

"Schritt für Schritt hat er während der Saison alle Parameter zum Laufen gebracht", fügt er an. "Das hat ihm Schnelligkeit, Stärke und ein gute Ausgangsposition verschafft - und den Kimi mögen wir." Zwar hätte der 33-Jährige auch manchmal seine Momente, "aber es vielmehr liegt an uns, sich seinem Stil anzupassen, als umgekehrt. Ich bevorzuge es, das Team auf Kimis Stil umzustellen."

Dass Räikkönen allerdings der uneingeschränkte Herrscher im Team sei, dem will der Lotus-Chef allerdings widersprechen: "Ich möchte keinen verzogenen Charakter im Team haben, der das Team in eine falsche Richtung lenkt. Wir bedienen nicht seine Launen, wir stellen nur sicher, dass er er selbst sein kann. Das ist ein großer Unterschied", stellt Bouiller klar.

Grosjean bekommt Vertrauen - aber wie lange?

Das große Gegenstück zu dem stoischen Finnen ist Romain Grosjean. Der Franzose war in der vergangenen Saison häufig zu ungestüm und deswegen in viele Unfälle verwickelt. Dennoch darf er seinen Platz im Team weiter behalten. Für Eric Bouiller war die Verzweiflung am Kommandostand manchmal deutlich zu spüren, doch der Teamchef ist sich sicher, dass er den Übermut des jungen Piloten in den Griff bekommt.


Fotos: Lotus, Testfahrten in Jerez


"Wir haben ein paar Erwartungen über den Winter aufgebaut, dass wenn wir Romains Enthusiasmus in Resultate umwandeln können, wir auch unter die Top drei fahren können. Wenn uns das gelingt, bedeutet das eine Menge Punkte am Ende der Saison." Aus diesem Grund stand die Zukunft des 26-Jährigen für Bouiller auch nie in Frage. Zwar gab es ein paar Gespräche mit anderen Kandidaten, "aber nur weil sie zu mir gerannt sind. Ich habe diese Gespräche nie weit führen lassen", erklärt er.

Nun liegt es an Grosjean, den Vertrauensbeweis seines Teams mit guten Leistungen zurückzubezahlen. "Wir müssen geduldig mit ihm sein", so Bouiller, "aber nicht drei Jahre, nicht zehn Jahre - jetzt muss etwas passieren", deutet er an, dass auch ein junger Fahrer nicht unendlich lange Zeit hat, um sein Business in den Griff zu bekommen. "Er ist einer der schnellsten auf eine Runde gesehen, nun muss er den Rest noch lernen. Dann sage ich voraus, dass er einer der besten Fahrer sein wird."

Zwei verschiedene Fahrerwelten

Romain Grosjean

Wie sehr nagt der Auftritt 2009 noch an Romain Grosjean? Zoom

Dass Lotus 2013 mit einer der unterschiedlichsten, aber auch vielversprechendsten Fahrerpaarungen an den Start geht, ist für den Teamchef nur ein Plus. Somit können sich seine beiden Fahrer perfekt ergänzen. Mittlerweile hat er auch gelernt, wie er die Stärken perfekt vereinen und umsetzen kann, und wie er mit den Schwächen seiner Fahrer umgehen muss: "Die Stärke von Kimi ist sein Charakter, sein Speed, seine Erfahrung, seine Rennkraft. Ist sein Charakter auch eine Schwäche? Vermutlich könnte man das so sagen", erklärt Bouiller. "Aber ich komme damit zurecht. Das passt in meine Welt."

"Die Stärke von Romain ist sein Speed und seine Hingabe für den Job. Seine Schwäche liegt auf der emotionalen Ebene", hat der Chef durchschaut. "Er ist ein Perfektionist und seine Erfahrung 2009 ist für ihn immer noch ein Trauma", spielt er auf das sieben Rennen dauernde Intermezzo an der Seite von Fernando Alonso an, bei dem Grosjean kein Land gegen den Spanier gesehen hat. "Er muss das überwinden und er wird es überwinden, wenn er eine gute Saison hat."