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Booth: "Haben die Formel 1 unterschätzt"

Teamchef John Booth will Marussia-Virgin weiter verbessern - Ein Windkanalprogramm kann sich der Brite künftig vorstellen

(Motorsport-Total.com) - Auch im zweiten Jahr fährt Marussia-Virgin dem Feld hinterher. Nur HRT ist noch langsamer als die britisch-russische Mannschaft. Im Vergleich zur Debütsaison sind die Autos etwas zuverlässiger geworden, doch das Mittelfeld oder Punkte sind nach wie vor weit entfernt. Teamchef John Booth betrieb in Nachwuchsformeln das Manor-Team. Die Cockpits waren sehr begehrt. Unter anderem fuhren Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton für den Briten. In der Formel 1 hat es Booth noch nicht an die Spitze geschafft.

John Booth

Marussia-Virgin-Teamchef John Booth ist vom Speed des Autos enttäuscht

Aufgeben ist für ihn aber keine Option. "Wir haben die Aufgabe sehr unterschätzt. Wer sind wir, dass wir ein Formel-1-Team in sechs Monaten aus dem Boden stampfen können?", wird Booth von 'Reuters' zitiert. "Wir mussten verrückt gewesen sein, um es überhaupt zu probieren. Ich wollte versuchen ein Formel-1-Team aufzubauen. Jetzt habe ich Blut geleckt und will Erfolg haben."

"Das Problem ist, dass ich etwas in die Jahre komme. Ich weiß nicht, wie lange ich noch warten kann. Ich möchte unbedingt Erfolge feiern. Ich meine damit nicht unbedingt so erfolgreich wie Red Bull zu sein, aber wir möchten uns verbessern. Ich möchte die Formel 1 nicht verlassen und nur am Ende des Feldes gewesen sein. Ich möchte das Team nach vorne bringen."


Fotos: Marussia-Virgin, Großer Preis von Spanien


Booth hat im Alter von 15 Jahren in der Metzgerei seiner Eltern begonnen zu arbeiten. Auch in den Nachwuchsformeln, speziell in der Britischen Formel 3, hat sich der 56-Jährige viel Wissen angeeignet. Die Formel 1 ist die größte Herausforderung. "Unser Ziel für diese Saison war es, die Zuverlässigkeit zu verbessern. Darauf lag im Winter unser Hauptaugenmerk. Es war in diesem Bereich ein erfolgreicher Winter."

"Unser Tempo ist aber enttäuschend. Bei der aerodynamischen Effizienz sind wir nirgends", kritisiert der Teamchef den Designer Nick Wirth, der das Auto ausschließlich am Computer entwickelt. "Wenn man sich das Auto auf der Strecke ansieht, dann ist es recht gut ausbalanciert. Es macht auch alle Dinge so wie es sollte. Es ist auch nicht extrem schwierig zu fahren. Wir haben nur nicht genug Abtrieb."

"Wir können uns verbessern, aber die Frage ist wie viel. Bestimmte Aspekte des Autos sind bis Jahresende in Stein gemeißelt." Kritiker meinen, dass man heutzutage ein Auto im Zusammenspiel von CFD und Windkanal entwickeln muss. Marussia-Virgin ist demnach den falschen Weg gegangen. "Wenn man sich ansieht wo wir fahren, dann hätten sie ein Argument", widerspricht Booth nicht komplett.

"Die Effizienz der Windkanäle hat sich in den vergangenen drei, vier Jahren, seit die Zeitrestriktionen bestehen, verzehnfacht. Mit unserem Budget könnten wir in Zukunft ein Windkanalprogramm in Betracht ziehen." Booth hat in seiner Jugend schon einige Lektionen gelernt. In seiner Rolle als Teamchef muss er seine Mannschaft motivieren.

"Ich war ungefähr 17 und habe meinem Vater gesagt, dass der Shopmanager unfähig ist. Er muss gehen", erzählt der Brite eine Anekdote aus seinem Leben. "Also hat mein Vater gesagt, ich soll ihn am nächsten Tag feuern. Ich konnte nicht schlafen und bin um fünf Uhr früh vor dem Geschäft gestanden, damit er nicht rein konnte. Es war eine nützliche Erfahrung. Wenn man etwas will, dann muss man hingehen und es selbst machen."