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Bianchi-Unfall: Marko will Bergungsfahrzeuge überdenken

Nach dem Unfall von Jules Bianchi fordert Helmut Marko ein Umdenken bei den Bergungsfahrzeugen, und auch die Fahrer müssten ihren Teil beitragen

(Motorsport-Total.com) - Für die Sicherheit der Formel-1-Piloten wurde spätestens seit den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna 1994 viel getan. Seit 20 Jahren verunglückte kein Pilot mehr tödlich, stattdessen überstanden Fahrer selbst Unfälle wie den von Jacques Villeneuve 2002 in Melbourne oder Robert Kubica 2007 in Montreal ohne größere Blessuren. Doch dass das Risiko auch heute noch immer mitfährt, beweist der tragische Zwischenfall von Jules Bianchi, der am Sonntag in ein Bergungsfahrzeug raste und schwere Kopfverletzungen davontrug.

Jules Bianchi © LAT
Das Bergungsfahrzeug ist laut Helmut Marko nicht sicher bei einem Unfall

Die FIA ordnete umgehend eine Untersuchung in dem Fall an und wird wohl ihre Konsequenzen daraus ziehen. Doch während die Fahrervereinigung GPDA vor Schnellschüssen warnt, sieht Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko vor allem zwei Punkte in der Diskussion, über die man einmal nachdenken sollte. Als erstes würde der Österreicher den Einsatz solcher Bergefahrzeuge überlegen.

"Müssen solche Fahrzeuge sein, die keinen seitlichen Aufprallschutz haben?", fragt er bei 'ServusTV'. Denn ihm ist klar: Wäre Bianchi nicht unterhalb des Bergefahrzeugs geraten, dann hätte die Verletzung wahrscheinlich anders ausgesehen. Zwar ist ein solches Unglück wohl absolutes Pech gewesen, doch ganz ausschließen kann man es - besonders bei solch widrigen Bedingungen - eben nicht.

FIA untersucht Fragen

Schon 2003 waren in Brasilien zahlreiche Fahrer in der gleichen Kurve abgeflogen und in stehende Autos gerauscht - allerdings konnte man dort die Autos von außerhalb bergen. Für die Zukunft soll der Einsatz dieser mobilen Kräne noch einmal überdacht werden, berichtet die britische Zeitung 'The Mirror', doch der Grand Prix in Sotschi am Sonntag kommt dafür wohl zu früh. Doch aufgrund des Layouts des Kurses soll dieses Thema sowieso nur ein geringes Problem darstellen.


Fotostrecke: Unfall von Jules Bianchi

Derweil soll die FIA bereits intensive Überprüfungen angekündigt haben, heißt es weiter. Demnach dreht sich dabei alles um folgende Themen: Sollte das Safety-Car wie in Amerika immer rausgeschickt werden, wenn es einen Unfall gibt? Und warum konnte Streckeneigner Honda verhindern, dass das Rennen zu einer sichereren Zeit gestartet wird? Zudem soll auch das Schwenken der Flaggen oder eben die Benutzung der Kräne im Blick stehen.

Fahrer in der Pflicht: "Da muss man vom Gas gehen!"

Doch Helmut Marko möchte sich in solchen Fällen nicht nur auf Maßnahmen von außen verlassen, auch die Fahrer selbst sollen ihren Teil dazu beitragen. Denn dass ein Pilot bei doppelt geschwenkter gelber Flagge mit einer dermaßen hohen Geschwindigkeit abfliegen kann, dürfe nicht sein. "Dann muss man vom Gas gehen! Man kann nicht einfach so tun, als wäre nichts", hat er kein Verständnis für unvorsichtige Piloten, die sich selbst und andere einem großen Risiko aussetzen. "Man muss die Fahrer in die Pflicht nehmen - vor allen die in den hinteren Plätzen - dass man bei doppelt Gelb zum Anhalten bereit ist", sagt er.

Denkbar wäre beispielsweise die Einführung einer Regelung wie "Code 60", bei der man sich bis zur grünen Flagge nur mit einer gewissen Höchstgeschwindigkeit bewegen darf. Doch das sei laut Gastkolumnist Christian Ebner auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Für Marko ist aber bereits klar: "Es wird sicher Konsequenzen haben und es wird sicher Verbesserungen geben", so der Österreicher.

Auto bei Regen fahrbar

Helmut Marko

Der Österreicher nimmt auch die Piloten selbst nicht aus der Verantwortung Zoom

Kritik gab es zuletzt auch an der Regelung, dass man sich vor dem Qualifying bereits für eine Setupvariante entscheiden muss und man somit nicht mehr ideal auf nasse Bedingungen eingestellt ist, da man nur geringfügige Dinge ändern kann. Ein spezielles Regensetup gibt es eigentlich in der Formel 1 nicht mehr. Doch bei dieser Regel sieht der Motorsportberater von Red Bull aktuell keinen Handlungsbedarf.

"Was im Regen entscheidend ist, ist die Anhebung der Fahrzeughöhe, damit es zu keiner Aquaplaning-Situation kommt. Nur: Die Regenreifen sind ungefähr zwei Zentimeter höher, damit ist die Höhe, die man für eine Regenphase braucht, gegeben", erklärt er. Andere Dinge wie weichere Dämpfer, andere Stabilisatoren und so weiter seien hingegen nicht so entscheidend. "Wann macht man das? Denn nicht immer kommt der Regen sofort", fragt er und gibt eine letzte Antwort: "Ich glaube, vom Reglement her passt es, solange die Reifen diese Stufe einkalkulieren, die du für die Regenfreiheit brauchst."

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