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2009: Ein China-Grand-Prix für die Ewigkeit

Sebastian Vettel beschert Red Bull im Regen von Schanghai den ersten Sieg in der Formel 1 und wird dafür mit einer falschen Nationalhymne belohnt

(Motorsport-Total.com) - Zwei Rennen ist die Formel-1-Saison Mitte April 2009 erst alt, als der Tross zum Großen Preis von China an den imposanten Shanghai International Circuit reist, doch die Favoritenrolle scheint schon klar ausgemacht. Ross Brawn, der nach dem Ausstieg von Honda das frühere Werksteam übernommen hat und die Autos nun mit Mercedes-Motoren in Eigenregie einsetzt, hat der Konkurrenz mit dem revolutionären Doppeldiffusor ein Schnippchen geschlagen.

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel gewann 2009 in China erstmals für Red Bull Zoom

Nach zwei Siegen bei den Rennen in Australien und Malaysia reist Jenson Button als WM-Führender nach Schanghai, wo die Formel 1 in diesem Jahr zum ersten Mal im Frühjahr zu Gast ist. Vor dem Rennen bestimmt das Hybrid-System KERS die Diskussionen. Dieses war zu Saisonbeginn eingeführt wurden, kann sich aber zunächst nicht durchsetzen.

Nachdem bei den ersten beiden Saisonrennen ohnehin nur McLaren, BMW-Sauber und Ferrari auf KERS vertraut haben, rüsten die Italiener nach enttäuschenden Ergebnissen vor dem Rennen in China wieder zurück. Auch BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica entscheidet sich während der Trainingstage dafür, das System auszubauen, sodass im Rennen lediglich die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen sowie Kubicas Teamkollege Nick Heidfeld mit Hybrid-Power fahren. Der erste Versuch, der Formel 1 einen grünen Anstrich zu verpassen, droht zum Fiasko zu werden.

Alonso pokert sich auf Startplatz zwei

Zum Sportlichen: Im Reich der Mitte zeigt sich bald, dass der Weg zum dritten Sieg in Folge für Button kein Selbstläufer wird. Denn ein klarer Favorit lässt sich nach den Freien Trainings nicht herauslesen. Nach Bestzeiten von Hamilton, Button und Nico Rosberg (Williams) liegt vor dem Qualifying Spannung in der Luft. Und die entlädt sich in Form eines neuen Rivalen für das Brawn-Team, denn plötzlich mischt Red Bull im Kampf um die Pole-Position mit. Und das sogar erfolgreich.


Fotostrecke: Triumphe & Tragödien in China

Bei seinem dritten Grand Prix für das Team stellt Sebastian Vettel zum ersten Mal einen Red Bull auf Startplatz Nummer eins. Während das Team über die Premierenpole jubelt, hat Vettel in dieser Disziplin schon etwas mehr Routine, stand er doch bereits im Vorjahr in Monza mit dem Toro Rosso schon ganz vorne.

Die noch größere Überraschung ist im Qualifying Startplatz zwei durch Fernando Alonso, der bei Renault nicht gerade in einem Siegerauto sitzt. Der Spanier pokert im Qualifying und fährt mit weniger Benzin in die erste Reihe. Damals war Nachtanken während des Rennens noch erlaubt, allerdings musste das Rennen mit der Benzinmenge gestartet werden, die am Ende des Qualifyings noch im Tank das Autos war.

Start hinter dem Safety-Car

Safety-Car

Bei strömenden Regen führt Bernd Mayländer das Rennen nach dem Start an Zoom

Alle strategischen Überlegungen wirft am Renntag aber das Wetter in Schanghai über den Haufen. Nach zwei trockenen Trainingstagen setzt Dauerregen ein, sodass die Teams und Fahrer im Rennen praktisch bei Null anfangen. Deshalb und aufgrund des teilweise auf der Bahn stehenden Wassers entscheidet sich Rennleiter Charlie Whiting dazu, die Meute nicht regulär, sondern hinter dem Safety-Car ins Rennen zu schicken.

Wir richtig Whiting mit dieser Entscheidung liegt, zeigt sich schon während der ersten Runden, als das Feld in langsamer Fahrt dem Mercedes von Bernd Mayländer folgt. Denn selbst bei diesem langsamen Tempo fällt es einigen Piloten schwer, ihre Boliden auf der Strecke zu halten. Eine Pfütze in der letzten Kurve wird den Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen sowie Adrian Sutil zum Verhängnis, die sich hinter dem Safety-Car drehen.

Alonsos Strategie, sich mit leichtem Auto im ersten Stint einen Vorsprung herauszufahren, ist nach der Safety-Car-Phase zum Scheitern verurteilt. Der Spanier geht nach sieben Runden zum Nachtanken an die Box, fällt dadurch ans Ende des Feldes zurück und hat mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun.

Zwischen Kubica und Trulli kracht's

Nach acht Runden biegt dann auch das Safety-Car in die Box ab, das Rennen wird freigegeben und Vettel stürmt an der Spitze davon. Teamkollege Mark Webber kann dem Deutschen kaum folgen, dahinter fahren die beiden Brawn-Piloten Button und Rubens Barrichello auf den Plätzen drei und vier. Ordentlich zur Sache geht es zwischen Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen. Die Weltmeister der vergangenen beiden Jahre liefern sich ein sehenswertes Duell, in dessen Verlauf es Hamilton erst im vierten Versuch gelingt, den Finnen zu überholen.

Jarno Trulli

Jarno Trulli büßt bei der Kollision mit Kubica seinen Heckflügel ein Zoom

In der 18. Runde stockt den Zuschauern dann der Atem. Robert Kubica fährt in der Gischt auf den Toyota von Jarno Trulli auf. Der BMW-Sauber des Polen steigt auf, Erinnerungen an seinen Horrorunfall in Kanada 2007 werden wach. Kubica kann einen Einschlag aber glücklicherweise verhindern und steuert sein demoliertes Auto, ebenso wie Trulli, wieder an die Box zurück. Auf der Strecke zurück bleiben die Trümmer ihrer Autos, weshalb wieder das Safety-Car zum Einsatz kommt.

In dieser Safety-Car-Phase wäre es dann im Lager von Red Bull fast erneut zu einem Desaster gekommen, denn Toro-Rosso-Pilot Sebastien Buemi fährt in Runde 20 auf den Boliden von Vettel auf. Das muss bei den Teambossen für ein Déjà-vu gesorgt haben, denn 2007 war, ebenfalls bei strömenden Regen und ebenfalls hinter dem Safety-Car, in Fuji der damalige Toro-Rosso-Fahrer Vettel auf den Red Bull von Webber aufgefahren. Während damals beide ausschieden, übersteht Vettels Auto diesmal den Rammstoß unbeschadet.

Britische Hymne für österreichisches Team

Nach dem Neustart in Runde 23 wird schnell klar, dass Vettel an diesem Tag der Mann ist, den es zu schlagen gilt. Nur nach dem zweiten Boxenstopp muss er die Führung kurzzeitig noch einmal an Webber und Button abgeben, fährt dann aber ungefährdet zum Sieg und wird nach 56 Runden mehr als zehn Sekunden vor Webber abgewunken. Nachdem das B-Team Toro Rosso schon ein gutes halbes Jahr zuvor mit Vettel in Monza den ersten Sieg bejubeln durfte, feiert in China auch die Mannschaft aus Milton Keynes den ersten Sieg - und das gleich als Doppelerfolg.

Adrian Sutil

Adrian Sutil wirft kurz vor Rennende Platz sechs weg Zoom

Es sollte der erste von vielen Siegen werden, bis Ende 2013 stieg Vettel für Red Bull noch 37 Mal auf die oberste Stufe des Siegerpodiums. Hinter Webber kommt Button auf Rang drei ins Ziel und baut seine WM-Führung aus und liegt mit 21 von 25 möglichen Punkten schon sechs Zähler vor Barrichello. Zum tragischen Helden der Schlussphase wird Adrian Sutil, der seinen Force India sechs Runden vor dem Rennende auf Platz sechs liegend in die Mauer stopft.

Bei Red Bull herrscht hingegen nach dem Doppelerfolg ausgelassene Jubelstimmung, die nur durch zwei kleinere Missgeschicke getrübt wird. An einem sind die Veranstalter in Schanghai schuld. Als bei der Siegerehrung die Nationalhymne für das siegreiche Team gespielt wird, trauen einige ihren Ohren nicht, denn aus den Lautsprechen ertönt "God save the Queen." Dabei fährt Red Bull schon seit 2006 nicht mehr unter britischer, sondern unter österreichischer Lizenz. Erst beim nächsten Sieg von Red Bull in Silverstone wird dann das "Land der Berge, Land am Strome" entsprechend gewürdigt.

Ein weiterer "Fehlgriff" passiert Vettel während der Siegerehrung, was ihn eine blutende Wunde an der Hand beibringt. "Ich habe mir während der Siegerehrung am Pokal den Finger aufgeschnitten. Ich wollte ihn in die Luft heben, ein bisschen springen lassen, aber dann ist er mir abgerutscht, weil er nass war, und dabei habe ich mir den Finger verletzt", berichtet der Rennsieger. "Ich habe es später gemerkt, deswegen habe ich die ganze Zeit am Daumen gelutscht!"

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