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Marussia: Noch weniger statt mehr "Bernie-Geld"?

Kein Top-10-Platz, kein Säule-2-, aber bald auch kein Säule-3-Geld mehr? Marussia hat als einziges Team immer noch keinen neuen Concorde-Deal...

Graeme Lowdon und John Booth
Graeme Lowdon hofft auf ein neues Concorde-Agreement in der Formel 1
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Die finanzielle Schlinge um den Hals des Marussia-Teams zieht sich immer weiter zu. Zusätzlich zu Verbindlichkeiten in der Höhe von umgerechnet 75 Millionen Euro, die laut Unterlagen des britischen Handelsregisters aus dem Jahr 2011 Ende dieses Monats fällig werden, droht dem russisch-britischen Rennstall auch noch ein signifikanter Einschnitt auf der Einnahmenseite der Bilanz.

Bis zum Grand Prix von Brasilien durfte die Teamführung damit rechnen, erstmals den zehnten Platz in der Konstrukteurs-WM zu erringen und damit in den Genuss finanzieller Vergünstigungen zu kommen. Marussia wäre damit innerhalb der Bedingungen des in vier Wochen auslaufenden Concorde-Agreements vom Säule-3- zum Säule-2-Team geworden. Dieser Status soll laut unbestätigten Paddock-Gerüchten rund zehn Millionen US-Dollar mehr wert sein.

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Bisher war Marussia als Neueinsteiger aus dem Jahr 2010, der noch keine Saison in den Top 10 der Konstrukteurs-WM beendet hat, ein Säule-3-Team. Für solche schüttete Bernie Ecclestone als Vertreter der Inhaber der kommerziellen Rechte jährlich zehn Millionen Dollar aus - eine Art Starthilfe für Caterham, Marussia und das inzwischen bankrotte HRT-Team. Aber ob es diese dritte Concorde-Säule weiterhin geben wird, steht in den Sternen.

Ecclestone ignoriert Marussia weiterhin

Denn Caterham ist schon Ende 2011 durch den zweiten zehnten WM-Platz hintereinander zum Säule-1-Team aufgestiegen, was laut damaligem Teamchef Tony Fernandes "36 statt acht Millionen Dollar" vom flapsig so genannten "Bernie-Geld" bedeutet. Und HRT gibt es nicht mehr. Die dritte Säule besteht nur noch aus Marussia - und der einst als Virgin gegründete Rennstall ist das einzige Team, das von Ecclestone noch nicht einmal ein Angebot für eine kommerzielle Vereinbarung erhalten hat.

Während Ecclestone Ferrari, Red Bull und Co. mit attraktiven Sonderkonditionen in Form von bilateralen Abkommen bis Ende 2020 an sich binden konnte, ließ er Mercedes, Caterham, Marussia und HRT zunächst zappeln. Aber Mercedes-Sonderverhandler Niki Lauda gelang es letztendlich doch noch, einen Deal auszuhandeln, mit dem beide Seiten zufrieden sind, und Caterham wurde mit dem neuen Vertrag immerhin finanzielle Stabilität garantiert.

Das Problem HRT erledigte sich von selbst, aber Marussia schaut weiterhin durch die Finger - und die mögliche Abschaffung von Säule 3 würde bedeuten, dass das Team nicht zehn Millionen Dollar mehr, wie man bis Brasilien hoffen durfte, sondern stattdessen zehn Millionen weniger als bisher von Ecclestone erhalten wird - also unterm Strich genau 0,0 Dollar. Doch Teammanager Graeme Lowdon will nicht öffentlich eingestehen, dass die finanzielle Lage deswegen prekär ist.

Lowdon rechnet weiter mit Säule 3

"Im Moment gibt es kein Angebot für wie auch immer das neue Concorde aussehen wird. Wir wissen es demnach nicht", entgegnet Lowdon im Interview mit 'Motorsport-Total.com' auf die Feststellung, dass das Budget 2013 unter der geschilderten Situation fast zwangsläufig leiden muss. "Das Letzte, was uns gesagt wurde, war, dass es die Säulen 1, 2 und 3 weiterhin gibt. Aber um ganz ehrlich zu sein: Wer weiß das schon, solange es kein Abkommen gibt?"

Zuvor hatte Lowdon aber bereits angekündigt, dass Marussia definitiv auch 2013 am Start sein wird, notfalls auch ohne kommerziellen Rahmenvertrag mit Ecclestone. "Es wirkt sich nicht auf unsere Stabilität in diesem Sport aus, formulieren wir es so - wir werden weiterhin hier sein, gar keine Frage", unterstreicht er. "Wir müssen nun abwarten, wann es für uns ein Concorde-Agreement gibt, damit wir uns die darin enthaltenen Angebote ansehen können."

Auf die Frage, ob ein kommerzielles Angebot hilfreich wäre, antwortet Lowdon ausweichend: "Keine Ahnung, das liegt an Bernie. Es ist merkwürdig, dass einige Teams eins erhalten haben, andere nicht. Aber um ganz ehrlich zu sein, liegt das ausschließlich an ihm. Es hängt davon ab, ob es ein Concorde-Agreement gibt, bevor die nächste Saison beginnt. Das müssen wir abwarten. Es ändert nichts an unseren Plänen in Vorbereitung auf nächste Saison."

Intervention der FIA erforderlich?

Das Paradoxe am Status quo: Marussias Nennung für die Weltmeisterschaft 2013 wurde eingereicht und von der FIA als Sporthoheit akzeptiert; das Team taucht auch auf der offiziellen Nennliste auf, die dieser Tage veröffentlicht wurde. Doch als einziges Team würde Marussia aufgrund des fehlenden Deals kein "Bernie-Geld" erhalten - was die Frage aufwirft, ob es nicht Aufgabe der nicht kommerziellen FIA wäre, diesbezüglich im Sinne der Chancengleichheit zu intervenieren.

"Der Inhaber der kommerziellen Rechte hat angedeutet, dass es irgendwann ein neues Concorde-Agreement geben wird."
Graeme Lowdon

"Diese Frage muss man dem Inhaber der kommerziellen Rechte oder der FIA stellen. Es ist nicht unsere Aufgabe, darüber zu spekulieren, warum sie bestimmte Dinge tun oder nicht tun", meint Lowdon achselzuckend. "Wir haben eine Beziehung zur FIA und wir haben für ihre Meisterschaft genannt. Der Inhaber der kommerziellen Rechte hat angedeutet, dass es irgendwann ein neues Concorde-Agreement geben wird."

Derzeit geht man in der Branche davon aus, dass alle bestehenden Teams, der Inhaber der kommerziellen Rechte und die FIA ein gemeinsames Concorde-Agreement ratifizieren werden, wie das in den vergangenen Jahren auch der Fall war. Dass ein einziges Team ausgelassen wird, kann sich Lowdon nicht vorstellen: "So, wie ich das verstehe, muss es so sein - ich kann nicht sehen, wie es anders funktionieren soll", meint er.

Kein Concorde, keine TV-Aufnahmen?

"Ich gehe davon aus, dass der Inhaber der kommerziellen Rechte nicht mit jedem einzelnen Team ein bilaterales Abkommen haben muss - das ist seine eigene Wahl, schätze ich. Aber das Concorde bindet die Teams, die FIA und den Inhaber der kommerziellen Rechte aneinander. So war es schon immer", hält er fest und ergänzt: "Es ist ja auch das Abkommen, in dem die Teams zum Beispiel ihre Rechte aufgeben, um gefilmt zu werden und so weiter."

"Es ist wahrscheinlich am besten, das nicht zu kommentieren oder darüber zu spekulieren."
Graeme Lowdon

Sollte Marussia also ohne jedes kommerzielle Abkommen in die Saison 2013 starten, könnte dies auch rechtliche Fragen in Bezug auf die TV-Lizenzen aufwerfen, weil das Concorde-Agreement bisher die Plattform war, über die dieses Thema zwischen den Teams und Ecclestone geregelt wurde. Aber Lowdon möchte diesbezüglich keine Drohung formulieren: "Es ist wahrscheinlich am besten, das nicht zu kommentieren oder darüber zu spekulieren", winkt er ab.

Unabhängig davon glaubt der Teammanager des Rennstalls mit dem nunmehr kleinsten Budget in der Formel 1, dass sich der sportliche Erfolg nach drei Jahren ohne Punkte bald einstellen wird. Schon beim nächsten Rennen, dem Saisonauftakt 2013, soll es soweit sein: "In Melbourne machen wir das. Davon bin ich überzeugt", sagt Lowdon, kann sich aber ein gequältes Lächeln nicht verkneifen - um mit ernster Miene anzufügen: "Wir wären nicht hier, würden wir an diese Chance nicht glauben."

Genannt für eine Budgetobergrenzen-Formel

"Wenn man auf die vergangenen drei Jahre blickt, muss man sich daran erinnern, dass die Meisterschaft, für die wir ursprünglich genannt haben, nie existiert hat", fährt er fort. Hintergrund: Als das Team 2009 für die Weltmeisterschaft 2010 nannte, war seitens der FIA noch eine Handicap-Formel geplant. Sprich: Jedem, der mit einem Jahresbudget von 40 Millionen Pfund auskommt, hätten zusätzliche technische Freiheiten zugestanden werden sollen.

"Meine Sicht der Dinge ist, dass die drei neuen Teams mit Respekt behandelt werden sollten, weil sie in einer Meisterschaft geblieben sind, für die sie ursprünglich nicht genannt hatten, und ihre Businesspläne entsprechend angepasst haben", betont Lowdon. "Die Voraussetzungen haben sich ständig geändert, ob es dabei um die angeströmten Diffusoren, KERS oder Kosteneinsparungen geht, die ja doch nie passieren."

"Aber das Entscheidende ist: Wir sind immer noch hier - obwohl sich die Voraussetzungen ständig ändern", sagt er und spricht sich Mut zu: "Wir sind auf dem Weg dahin, im kommenden Jahr ein konkurrenzfähiges Auto zu haben. Die Lektion, die wir gelernt haben, dauerte drei Jahre, um über all das hinwegzukommen. Und da sind wir jetzt angekommen. Wir haben alle Zuversicht, dass wir in Melbourne auf Höhe sein werden."

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