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Reaktionen auf MotoGP-Sprintrennen: Von "total dumm" bis "sehr spannend"

Die Fahrer wurden nicht in die Pläne für einen Sprint am Samstag konsultiert - Die Reaktionen sind unterschiedlich - Manche finden es toll, andere halten nichts davon

(Motorsport-Total.com) - Ab der MotoGP-Saison 2023 wird es in der Königsklasse bei jedem Grand Prix am Samstag ein Sprintrennen geben. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta, FIM-Präsident Jorge Viegas und IRTA-Präsident Herve Poncharal werden am Samstag in Spielberg bei einer Pressekonferenz die Details der Öffentlichkeit präsentieren und erklären.

MotoGP Start in Barcelona

Ab 2023 soll es zusätzlich am Samstag ein MotoGP-Sprintrennen geben Zoom

Die Fahrer wurden vorab nicht darüber informiert oder in die Entscheidung eingebunden. Erst am Freitagnachmittag erfuhren sie im Fahrlager von den Plänen. Die Überraschung war groß, denn der Ablauf eines Rennwochenendes wird sich grundlegend ändern.

"Ich finde das total dumm", ärgert sich MotoGP-Weltmeister Fabio Quartararo. "Ich bin nicht derjenige, der Entscheidungen bezüglich des Rennformats trifft. Aber ich denke, wir betreten hier ein komplett dummes Format."

"Wenn wir es ab und zu machen, so wie die Formel 1, dann kann es interessant sein. Aber jeden Samstag? Ehrlich gesagt, es gibt Strecken wie Assen oder Mugello, wo wir nach dem Rennen körperlich erschöpft sind."

"Ich finde es nicht richtig das zu tun, ohne nach der Meinung der Fahrer zu fragen. Zumindest wurde ich nicht gefragt", hält Quartararo fest. Damit war er nicht alleine. Normalerweise werden Änderungen und Ideen in der Grand-Prix-Kommission diskutiert.

Fabio Quartararo

Fabio Quartararo hält MotoGP-Sprintrennen für eine "dumme Idee" Zoom

Bezüglich Sprintrennen scheinen die Offiziellen über die Köpfe der Fahrer entschieden zu haben. Aleix Espargaro zeigte sich verärgert. Er wurde seiner Aussage nach erst am Freitagnachmittag nach dem zweiten Training von der Dorna informiert.

Aleix Espargaro: "MotoGP ist nicht Superbike"

"Mir gefällt die Idee überhaupt nicht", sagt der Aprilia-Fahrer. "Ich möchte darüber von der Dorna hören, aber sie haben es mir erst vor einer halben Stunde gesagt. Ich glaube nicht, dass das eine ideale Idee ist. Ich habe größten Respekt vor den Superbikes, aber wir sind nicht Superbike."

Seit 2019 gibt es in der Superbike-WM das Superpole-Rennen. Am Samstag findet ein Hauptrennen über die volle Distanz statt. Sonntagmittag dann das kurze Sprintrennen und anschließend am Nachmittag das zweite Hauptrennen wieder über die volle Distanz.

Aleix Espargaro

Aleix Espargaro ist wütend, dass man die Fahrer nicht befragt hat Zoom

Für die MotoGP ist angedacht, das Sprintrennen über die Hälfte der GP-Distanz am Samstag zu fahren und dafür ein Freies Training zu streichen. Am Sonntag gibt es dann das große Rennen über die komplette Distanz. Die Renndistanzen in der MotoGP sind länger als bei den Superbikes.

"Die MotoGP hat sehr viel Elektronik, viel Aerodynamik. Es gibt viele Dinge, viele Ingenieure", vergleicht Aleix Espargaro. "Es ist schwierig, sofort eine gute Abstimmung zu haben. Jetzt sind FT1, FT2 und FT3 schon Qualifyings."

"Wenn es einmal regnen sollte, dann ist es schon schwierig, ein gutes Set-up zu finden. Wenn jetzt noch die Trainingszeit reduziert wird und wir am Samstag ein Rennen fahren. Ich denke, das ist schwierig. Ich liebe Racing und hasse Wintertests, aber ich finde nicht, dass das eine gute Idee ist."

Jack Miller sieht kein Problem mit Sprintrennen

Es gibt unter den Fahrern aber auch andere Meinungen. "Ich bin ein großer Fan davon, denn es ist eine große Chance auf einen Bonus", lacht Miller. "Es gibt dafür halbe Punkte. Man kann als Fahrer mehr riskieren und muss sich nicht um Reifen, Kraftstoffverbrauch und diese Dinge kümmern."

"Auch körperlich sehe ich kein Problem. Man kann nicht immer ans absolute Limit pushen. Aber für eine halbe Renndistanz kann man es schaffen und auf die Zähne beißen. Ich bin sicher, dass es toll wird und die Fans es lieben werden."

Jack Miller

Jack Miller ist sich sicher, dass die Fans ein zusätzliches Rennen lieben werden Zoom

Auch Suzuki-Fahrer Joan Mir begrüßt die neue Idee des Sprintrennens: "Für die Show wird es besser sein. Das ist ein Fakt. Mehr Rennen bedeutet, dass es am Samstag mehr Unterhaltung als das Qualifying geben wird."

"Im Endeffekt genieße ich das Racing. Ich genieße Überholmanöver und das alles mehr als ein Freies Training. Ich habe damit kein Problem. Wir müssen es ausprobieren und sehen, ob es gut ist oder nicht."

Stefan Bradl: Für Teams in Problemen wird es noch schwieriger

Wie der neue Zeitplan eines Wochenendes aussehen wird, soll am Samstag erläutert werden. Auf alle Fälle wird sich die Arbeitsweise ändern. "Im ersten Moment habe ich mir gedacht, au weh - und das auch noch bei allen Rennen! Aber es hat sicher auch etwas Interessantes", findet Stefan Bradl.

Aber der Deutsche meint auch: "Als Fahrer kannst du keine Set-ups ausprobieren. Als Fahrer wird es schon heftig werden. Wenn es läuft, dann ist es gut. Aber wenn es nicht läuft, dann ist es umso schlimmer. Die Herangehensweise ans Wochenende wird sich ganz stark verändern."

Stefan Bradl

Die Teams werden an einem Wochenende noch weniger Zeit für Testarbeit haben Zoom

Schon beim aktuellen Format haben die Teams nicht viel Zeit, an der Abstimmung zu arbeiten, die Reifen durchzuprobieren oder neue Entwicklungen zu evaluieren. Weil in allen drei Freien Trainings am Ende ein Qualifyingversuch gefahren werden muss.

Beim neuen Format wird das erste Training praktisch schon ein Qualifying sein. Fahrer und Teams, die aussortiert sind, könnten einen Vorteil haben. Teams, die mehr arbeiten und aufholen müssen, werden kaum Zeit für grundlegende Arbeit haben.

"Das sehe ich bei uns jetzt als Testfahrer. Wenn die Basis nicht passt, dann wirst du hinten sein", merkt Bradl an. "Aber ich glaube, es hat sicher etwas Interessantes, es wird sicher eine mega neue Erfahrung sein. Aber das ordentlich vorzubereiten, wird mega heftig. Es wird alles extrem eng. Enge Fights und weniger Taktik - spannend, extrem spannend."