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Honda am Freitag konstant Top 10: Marquez und Mir "froh und überrascht"

Marc Marquez und Joan Mir schaffen am Indien-Freitag den direkten Q2-Einzug: Wie stark die neue Strecke das Kräfteverhältnis verwässert, darüber rätseln beide

(Motorsport-Total.com) - Ein kleiner Hoffnungsschimmer für Honda, der aber mit Vorsicht zu genießen ist: Am Freitag des ersten MotoGP-Wochenendes in Indien fuhren sowohl Marc Marquez als auch Joan Mir in die Top 10 der Zeitenliste und damit direkt ins zweite Qualifying-Segment für Samstag. Zwar freut man sich über den Mini-Erfolg, weiß aber auch, dass die Verhältnisse ungewöhnliche waren.

Titel-Bild zur News: Marc Marquez

Marc Marquez fuhr am Freitag in Noida auf P2 und P4 der Zeitenliste Zoom

Weil der Buddh International Circuit in Greater Noida im Großraum von Neu-Delhi für alle Teams und Piloten der Motorrad-WM komplettes Neuland ist, waren die Abstimmungen (und teilweise auch die Fahrlinien) am Freitag noch nicht perfekt.

Daher lässt sich nach dem ersten Streckentag noch nicht wirklich einschätzen, ob der Rückstand von 0,3 beziehungsweise 0,5 Sekunden, den Marquez und Mir auf die Spitze hatten, das echte Kräfteverhältnis an diesem Wochenende widerspiegelt.

"Das Motorrad ist letzten Endes das gleiche [wie bei den Rennen zuvor], aber Joan ist meiner Meinung nach ein sehr talentierter Fahrer", sagt Marquez über seinen Teamkollegen Mir und stellt heraus: "Wenn man an eine neue Rennstrecke kommt, dann können die talentierten Fahrer den Unterschied bewirken."

Schon am Vormittag war Mir als Zehnter in die Top 10 gefahren. Diese Platzierung wiederholte er am Nachmittag, als es darauf ankam. Und Marquez? Er begann am Vormittag sogar mit P2 im Klassement. Am Nachmittag reihte er sich als Vierter ein.


Fotos: MotoGP: Grand Prix von Indien (Noida), Training


"Heute Vormittag waren wir sehr konkurrenzfähig, nachmittags sind wir dann ein bisschen abgerutscht", spricht Marquez für seine Seite der Honda-Box. Seine Rundenzeit von 1:45.1 Minuten, die ihn auf P4 gebracht hat, fuhr der Honda-Star im Windschatten von Marco Bezzecchi. "Wenn du mit der Honda nicht jemandem anderen direkt folgst, dann ist es sehr schwierig, die Rundenzeit zu fahren", weiß Marquez und wendet diese Taktik daher regelmäßig an.

Joan Mir erstmals als Honda-Pilot in Q2

Hingegen hat Joan Mir, der im Winter von Suzuki zu Honda gekommen ist, nun zum ersten Mal mit der RC213V den Q2-Einzug geschafft. Und im Gegensatz zu Marquez hat er seine schnellste Runde in Alleinfahrt, also ohne die Unterstützung eines Windschattens, realisiert.

"Ich bin mit dem heutigen Tag zufrieden, ganz ehrlich. Zum ersten Mal ist uns ein ganz solider Freitag gelungen", sagt Mir sichtlich erleichtert und stellt heraus: "Es ist nämlich nicht so, dass die Rundenzeit zustande gekommen wäre, weil ich das Hinterrad von jemandem anderen gesucht hätte. Unser Tempo scheint hier recht stark zu sein."

Wenngleich sein erster Q2-Einzug als Honda-Pilot in der Box direkt gefeiert wurde, will sich Mir - genau wie Marquez - vom guten Eindruck des Freitags nicht täuschen lassen. "Ich glaube nicht, dass es das reale Bild ist", sagt er. "Schließlich haben wir es hier mit einer neuen Strecke zu tun. Da kannst du mit deinem Fahrstil eher mal noch etwas bewirken. Die anderen haben sicherlich noch Raum für Verbesserungen."

Joan Mir

Joan Mir hat es erstmals mit der Honda ins zweite Quali-Segment geschafft Zoom

"Ich glaube, es gibt für alle noch Luft nach oben", betont Mir, schließt sich dabei selber aber mit ein. Denn das Layout des Buddh International Circuit gefällt ihm gut. "Ich mag die Strecke", sagt er und spricht gleich noch einen anderen Punkt für seinen starken Freitag an: "Der Test kürzlich in Misano war für mich und das Team ganz hilfreich."

Funktionieren Michelins "Hitzereifen" plötzlich für Honda?

MotoGP-Reifenlieferant Michelin hat für das Indien-Wochenende die Hinterreifen mit der hitzeresistenten Karkasse ausgewählt. Die kamen zuletzt am Österreich-Wochenende in Spielberg zum Einsatz. Dort hatte unter anderem KTM-Pilot Brad Binder seine Schwierigkeiten mit dieser Reifenkonstruktion. Auch den Honda-Piloten liegt diese Konstruktion eigentlich nicht. Umso überraschter sind sowohl Marquez als auch Mir, wie gut sie damit am Freitag zurechtgekommen sind.

"Das war die größte Überraschung für mich", sagt Marquez, als er auf die Reifenkonstruktion angesprochen wird. "Normalerweise funktioniert diese harte Karkasse für unsere Motorrad nicht sehr gut, und für meinen Fahrstil schon gar nicht."

"Mein Fahrstil ist so, dass ich superschnell in die Kurven hineinfahre und mich dann auf den Support des Hinterrads verlasse. Mit der harten Karkasse kann ich das Motorrad aber nicht so gut mit beiden Rädern verzögern, weil es am Hinterrad weniger Grip gibt", so Marquez.

Joan Mir

Echter Aufwärtstrend oder Eintagsfliege? Joan Mir wartet noch ab Zoom

Teamkollege Mir bestätigt: "Die heutige Performance war unerwartet. Ich habe mich vor diesem Wochenende mit Marc über die Reifen unterhalten und da waren wir uns einig, dass diese Karkasse unser Motorrad ein bisschen schlechter macht, nämlich bezogen auf den Grip."

Dass es trotzdem, zumindest am Freitag, so gut lief, das führt Marquez auch auf eine Anpassung seines Fahrstils zurück: "Ich bin gleichermaßen froh und überrascht, wie es heute gelaufen ist. Ich habe meinen Fahrstil dahingehend verändert, dass ich das Gegenteil gemacht habe von dem, was ich spüre. Trotzdem verlieren wir vor allem am Kurvenausgang immer noch viel Zeit. Joan und ich, wir bremsen die Kurven sehr spät an, aber das funktioniert nicht 21 Runden lang."

Während Marquez und Mir am Indien-Freitag durchaus positiv von sich reden gemacht haben, lief der Tag für das LCR-Honda-Team weniger gut. Stammfahrer Takaaki Nakagami, dessen Vertrag vor wenigen Tagen bis Ende 2024 verlängert wurde, stürzte am Vormittag in Kurve 1 und schloss am Nachmittag nur auf P21 ab. Stefan Bradl, der den weiterhin verletzten Alex Rins vertritt, belegte nachmittags P20, nachdem er vormittags Letzter (P22) gewesen war.

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